Sicherheitselektronik Dekra eröffnet Prüfstand für Fußgängerschutzsysteme

Der Prüfstand funktioniert unabhängig von der im Fahrzeug verwendeten Sensortechnologie. Sie kann nicht nur für Testläufe mit Kollision eingesetzt werden, sondern auch für so genannte „non-crashable“ Versuche, bei denen der Dummy Sekundenbruchteile vor der Kollision wegbeschleunigt wird.
Der Prüfstand funktioniert unabhängig von der im Fahrzeug verwendeten Sensortechnologie. Sie kann nicht nur für Testläufe mit Kollision eingesetzt werden, sondern auch für so genannte „non-crashable“ Versuche, bei denen der Dummy Sekundenbruchteile vor der Kollision wegbeschleunigt wird.

Um Fußgängerschutzsysteme entwicklungsbegleitend zu testen, hat die Dekra jetzt einen neuen, modernen Prüfstand im Dekra Automobil Test Center im brandenburgischen Klettwitz eingerichtet.

In Sachen Verkehrssicherheit besteht Verbesserungspotenzial für Fußgänger: Auf deutschen Straßen sind nach den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr 520 Fußgänger ums Leben gekommen. Das entspricht bei gut 3.600 Verkehrstoten einem Anteil von fast 15 Prozent. Schwer verletzt wurden fast 8.000 Fußgänger (12 Prozent aller Schwerverletzten)

Automobilhersteller arbeiten zurzeit an Systemen zur Vermeidung von Unfällen mit querenden Fußgängern. Die technischen Ansätze sind hierbei unterschiedlich: je nach Hersteller werden Fußgänger mit Hilfe von Radar-, Lidar-, Infrarot- oder Videotechnik, teilweise auch mit Kombinationen unterschiedlicher Sensoren, erkannt.

Für solche Systeme hat der Arbeitskreis „vFSS“ objektive und international beachtete Testverfahren entwickelt. Durch die Kooperation mit der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA können solche Prüfprozeduren auch frühzeitig zwischen den USA und Europa abgeglichen werden. Langfristig, so das Ziel des Arbeitskreises, sollen in Deutschland, Europa, USA und Asien möglichst die gleichen Testverfahren angewendet und die gleichen Kriterien bei der Bewertung der Systeme angelegt werden. Das reduziert die Kosten für die Hersteller und unterstützt die Marktdurchdringung der Assistenzsysteme auch bei Volumenmodellen.

Die neue Anlage in Klettwitz ist die erste, die gezielt auf die Anforderungen der vFSS-Testprotokolle zugeschnitten ist. „Es gibt unterschiedliche Anforderungen für Tests im Hinblick auf Fahrzeugzulassung, Verbraucherschutz oder Versicherungseinstufung“, erklärt Frank Leimbach, Bereichsleiter Dekra Technology Center und fährt fort „Ziel ist es, dass die Testverfahren für alle drei Bereiche festgeschrieben und einheitlich anerkannt sind. Unsere neue Anlage kann für alle diese Testarten genutzt werden.“

Der Prüfstand hat die Form einer Brücke, an der unterschiedliche Dummys befestigt werden können, die sich bewegende Fußgänger simulieren können. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Erwachsenen oder ein Kind handelt, ob die Person geht oder läuft, ob sie zunächst verdeckt oder unverdeckt ist – die Anlage deckt all diese Szenarien ab. Außerdem ist der Brückenarm um 180 Grad drehbar, so dass die unterschiedlichsten Anprallkonfigurationen realisierbar sind.

Die Anlage funktioniert unabhängig von der im Fahrzeug verwendeten Sensortechnologie. Sie kann nicht nur für Testläufe mit Kollision eingesetzt werden, sondern auch für so genannte „non-crashable“ Versuche, bei denen der Dummy Sekundenbruchteile vor der Kollision wegbeschleunigt wird. Die Anlage könnte den Dummy dazu auf einer Strecke von zwölf Metern von 0 auf über 200 km/h beschleunigen.

Um einen Systemtest reproduzierbar zu machen, müssen der Kollisionspunkt zwischen Fahrzeug und Fußgänger-Dummy sowie der genaue Anprallpunkt am Fahrzeug zuvor festgelegt werden. Damit diese Koordinaten exakt eingehalten werden, tauschen der Dummy und das Fahrzeug in Echtzeit ihre Standort- und Geschwindigkeitsdaten aus. Bei  Anfahrabweichungen des Fahrzeugs wird die Bewegung des Dummys bei Bedarf kontinuierlich von der Brücke nachgeregelt, um den festgelegten Anprallpunkt am Testfahrzeug zu realisieren. Die Abweichung liegt dabei unter 0,5 mm.