Vom Auto zum Consumer Gadget Das aktuelle V-Modell steht unter Druck

Wettbewerbsdruck im Automobilbereich
Produkte aus dem Consumer-Bereich ziehen neue Engineering-Ansätze nach sich.

Der Wettbewerbsdruck in Verbindung mit rasanter Innovation zwingt Automobilhersteller zu kürzeren, flexibleren Designzyklen. Im Automobilbereich werden immer mehr Technologien und Funktionen immer schneller implementiert – doch mit welchem Engineering-Ansatz kann das klappen?

Otto Normalverbraucher ist von elektronischem Spielzeug umgeben. Es gibt heute kaum noch jemand, der kein Smartphone in der Tasche hat. Immer mehr Menschen besitzen Note-books, Tablets und Smartwatches. Es ist zwar eine offene Frage, wie gesund eine ständige Netzwerkanbindung ist – wir leben aber unbestreitbar in einer Gadget-Kultur, wo Menschen die neuesten und besten Technologien haben wollen. In einigen Fällen, weil sie ihr Leben verbessern, und in anderen nur, weil sie es wollen.

In der Regel verkürzen sich die Zykluszeiten, in denen Verbraucher ihre Gadgets aufrüsten oder neue kaufen. Der durchschnittliche Verbraucher erwirbt ca. alle 29 Monate ein neues Smartphone. Diese Zeitspanne ist im letzten Jahr zwar leicht gestiegen; betrachtet man jedoch die Entwicklungszyklen eines Automobils, ist es immer noch eine relativ kurze Zeit.

Wenn ein Smartphone (oder irgendein anderes für diesen Zweck geeignetes Gerät) innerhalb einer kurzen Zykluszeit erneuert wird, das Automobil aber nicht, dann tritt mit hoher Wahrscheinlichkeit der Fall ein, dass das neue Smartphone des Autobesitzers nicht mit dem alten Auto zusammenarbeitet. Eine weitere Entwicklung, die das neue Fahrzeug schnell alt aussehen lässt, ist die Verbindung zu „Dingen“ außerhalb eines Fahrzeugs – zum Beispiel zur Infrastruktur oder zu anderen Fahrzeugen. Sobald diese Technologien zum Einsatz kommen, werden sie als Muss angesehen. Dies gilt insbesondere für Kunden, die schon immer in einer Welt mit Internet gelebt und kaum Festnetztelefone genutzt haben und die sich erstmals ein Auto kaufen. Diese Kunden stellen ganz andere Erwartungen an ein Auto als etwas Ältere. Ihre Vorstellungen von der Nützlichkeit von etwas Neuem werden in Bezug gesetzt zu dem, was sie mit den ans Internet angebundenen Gadgets machen können, mit denen sie aufgewachsen sind.

Die wichtigste Aufgabe für OEMs

Es gibt bereits eine Reihe neuer Technologien und verbesserter Funktionen, die für den Einsatz im Automobil vorbereitet werden. Der oben beschriebene Marktdruck wird den Druck auf die Anbieter erhöhen, damit diese Technologien schneller zum Einsatz kommen. Der Preis eines Autos muss immer wettbewerbsfähig sein, was einen festen Kostenrahmen mit sich bringt. Außerdem kann sich kein Hersteller teure Gewährleistungsansprüche und Rückrufe leisten. Wie gewährleistet ein OEM, dass seine Entwickler die neuen Funktionen sicher, kostengünstig und so schnell wie möglich einsetzen? Dazu ist ein grundlegend anderer Engineering-Ansatz erforderlich als heute üblich.

Bei der traditionellen Systementwicklung nach dem V-Modell werden die Anforderungen von der Kundenseite (Voice of the Customer) links oben, durch die verschiedenen Ebenen des Systems, der Subsysteme und letztlich der Komponenten immer tiefer detailliert; auf der rechten Seite des „V“ werden sie aufgebaut und validiert. Wenn die Zeit die x-Achse bildet, dann wird der Marktdruck von rechts nach links ausgeübt (Bild 1).

Prozessen zusammengehalten, die mehrere Abteilungen umfassen, welche ihre bevorzugten Point Tools einsetzen. Daten, die von einer Gruppe zur nächsten weitergeleitet werden müssen, werden entweder manuell neu eingegeben oder ad hoc über eine Zwischendatei exportiert/importiert, die per E-Mail übertragen, auf einem Netzwerklaufwerk gespeichert oder einfach über ein USB-Laufwerk transferiert wird. In der Realität ist das „V“ also eher aus einzelnen Aktivitätsinseln aufgebaut (Bild 2).