Verschmelzung von IT und Fahrzeugtechnik

Die Innovationen bei Neuentwicklungen im Fahrzeugbereich werden in erster Linie von Elektronik und Software getrieben. Auf dem Innovationstag der BMW Group wurden künftige Applikationen gezeigt...

Die Innovationen bei Neuentwicklungen im Fahrzeugbereich werden in erster Linie von Elektronik und Software getrieben. Auf dem Innovationstag der BMW Group wurden künftige Applikationen gezeigt, die zu einer weiteren Annäherung von Fahrzeug und Informationstechnik führen werden.

In seiner Präsentation zu Beginn des BMW-Innovationstages referierte Elmar Frickenstein, Bereichsleiter Elektrik/Elektronik und Fahrerarbeitsplatz bei BMW, über den Einzug der Informationstechnik in moderne Fahrzeuge. Speziell im Infotainment-Bereich mit seinen Segmenten Radio/ Navigation, Connectivity und Unterhaltungselektronik ist ein deutlicher Zuwachs zu verzeichnen. „Der Bereich Infotainment macht bis zu 75 Prozent der Software im Fahrzeug aus“, berichtet Elmar Frickenstein. Veranschaulicht wurde dies am Beispiel des aktuellen 6er Coupé, das in gehobener Ausstattung etwa 130 Mbyte an Software enthält. Mehr als 97 Mbyte entfallen dabei auf Informations- und Kommunikationstechnik, davon allein 80 Mbyte auf die Head Unit.

Bereits im Laufe dieses Jahres will BMW als Sonderausstattung die Nutzung des Internet ermöglichen. Über EDGE, auf das wegen der im Vergleich zu UMTS besseren Flächenabdeckung gesetzt wurde, kann der BMW-Kunde künftig über den Zwischenweg eines BMW-Servers ins Internet gelangen. Dieser sorgt zudem für eine entsprechende Aufbereitung der zu übertragenden Daten; Flash-Animationen oder pdfs werden beispielsweise komprimiert oder umgewandelt, um für eine schnelle Übertragung und eine optimale Darstellung zu sorgen. Die Steuerung erfolgt über den iDrive-Controller, der Anschluss einer Tastatur ist bisher nicht geplant.

Neben der Integration von mobilen Endgeräten mittels Bluetooth setzt BMW bei Anwendungen mit höheren Anforderungen hinsichtlich der Übertragungsrate auf drahtloses USB (Bild 2). Wireless USB bietet, wie USB 2.0 für drahtgebundene Übertragung, eine Datenübertragungsrate bis zu 480 Mbit/s und eignet sich für die Anbindung verschiedener Geräte der Unterhaltungselektronik, beispielsweise Laptops oder Digitalkameras. Um die Sicherheit der übertragenen Daten zu gewährleisten, kommt eine 128-bit-AES-Verschlüsselung zum Einsatz.

Komfortfunktionen per Anruf

Gegen Ende des Jahres wird BMW seinen ConnectedDrive-Kunden verschiedene Komfortfunktionen anbieten, die über das BMW Callcenter aktiviert werden können. Nach einer entsprechenden Sicherheistüberprüfung (Fahrgestellnummer und hinterlegte Sicherheitsfragen) kann der Kunde sein Fahrzeug verriegeln oder aufsperren (Bild 3), die Temperatur voreinstellen oder die Position seines Fahrzeuges bestimmen lassen. Ebenso können die Hupe oder das Licht aktiviert werden. Die gewünschte Aktion wird dabei vom Callcenter verschlüsselt an die im Fahrzeug verbaute TCU (Telematic Control Unit) geschickt, die wiederum über die Fahrzeug-Bussysteme auf die verschiedenen Steuergeräte zugreifen kann.

Um die Fahrzeuge im Feld auch ohne den Besuch einer Werkstatt mit aktueller Software zu versorgen, wurde das Forschungsprojekt Tele-Programming initiiert. Dabei werden während der Fahrt Software-Updates ins Fahrzeug übertragen, die – je nach Auslegung – automatisch oder nach Bestätigung durch den Fahrer installiert werden. Dies können neue, auch kostenpflichtige Funktionen sein oder ein neuer Stand zur Fehlerbehebung. Auch das Flashen eines kompletten Steuergerätes ist im Bedarfsfall möglich.

Die Kommunikation mit dem BMW Service erfolgt dabei bidirektional. So kann die Entscheidung für ein Software-Update von der Ferndiagnose, d.h. dem Auslesen des Fehlerspeichers, abhängig gemacht werden. Reicht ein einfacher Reset eines Steuergerätes nicht aus, kann über eine IP-Verbindung die entsprechende Steuergeräte-Software aktualisiert werden. Verbindungsabbrüche oder auch das unerwartete Abziehen des Zündschlüssels werden automatisch abgefangen und die Aktualisierung zum einem späteren Zeitpunkt erneut gestartet.

Für die Implementierung des Remote-Flash-Prozesses haben die Entwickler sowohl auf die entsprechenden Standards der Automobilbranche (ASAM) als auch auf die der Telekommunikation (Open Mobile Alliance Device Management; OMA DM) zurückgegriffen. sj