CES 2014 Qualcomm enthüllt seine Automotive-Pläne

Qualcomm präsentierte auf einem Anlysten-Tag den Snapdragon-805-Prozessor, ein LTE-Chipset Cat. 6 und einen Internet-Prozessor.
Qualcomm präsentierte auf einem Anlysten-Tag den Snapdragon-805-Prozessor, ein LTE-Chipset Cat. 6 und einen Internet-Prozessor.

Der kalifornische Chip-Hersteller Qualcomm hat auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas ein automotive-zertifiziertes Snapdragon-SoC mit LTE-Modem präsentiert, mit dem man den wachsenden Telematik- und sogar ADAS-Markt der Autohersteller adressieren und den Erfolg aus dem Mobilgeräte-Geschäft ins Auto übertragen will.

Qualcomm ist bei weitem kein Neuling im Automotive-Geschäft. Vor rund 10 Jahren begannen die Kalifornier, General Motors mit Modem-Chips für den OnStar-Telematik-Service zu beliefern, heute dominiert man den In-car-Modem-Markt.

Das neue Chipsset mit der Bezeichnung Snapdragon 602A stammt vom seinem Namensvetter ohne die Ergänzung “A” ab, das heute in zahlreichen Smartphones seinen Dienst verrichtet. Es integriert die vom Snapdragon-600 bekannten vier CPU-Cores des Typs Krait-300, eine GPU des Typs Adreno-320, einen Hexagon-DSP, Basisband für globale Satelliten-Navigation (GNSS) und Hardware-Beschleuniger für Audio sowie Video.

Dazu kommt das bekannte Gobi 9x15-LTE-Multimode-Modem, die VIVE genannte, im 5-GHZ-Band operierende 802.11ac-WIFI-Technologie, die man von der gekauften Firma Atheros übernommen hat, und Bluetooth 4.0.

Weitere technische Details über Snapdragon-SoCs finden Sie in diesem Fachaufsatz [1].

Mit dem Snapdragon 602A will man sein Geschäft vom reinem In-Car-Modem-Geschäft zu Infotainment-, Telematik- und später sogar ADAS-Lösungen ausdehnen.

Im ersten Schritt soll sich das “Connected Car” auf Internet-Verbindungen für 3D-Navigation, Cloud-basierte Services und Applikationen, Multimedia-Streaming und –Downloads sowie Web-Browsing beschränken.

Derzeit migriert die Telematik-Industrie von 2,5G zu LTE, wobei die 3G-Generation (UMTS) in der Regel übersprungen wird. Bislang haben bereits BMW, Audi und General Motors LTE-Pläne kommuniziert, alle Drei nutzen dazu Qualcomm-Modem-Chips. Laut einer Prognose des Marktanalysten IHS Automotive soll der Anteil von LTE in Embedded-Anwendungen bis 2019 weltweit 30 % betragen, in den USA, Europa, Japan und Korea jedoch bereits 60 %.

Neben dem Ansatz, das Smartphone mit allen Vorteilen wie Apps und andere Services quasi ins Auto zu bringen, bietet LTE auch die Möglichkeit, über die Luftschnittstelle Software-Updates für Steuergeräte, von denen sich ja je nach Fahrzeugtyp 100 Stück in einem Auto befinden, vorzunehmen.

Technologie für DSCR vorhanden

Neben dem fertigen Snapdragon-602A gibt es noch eine Reihe anderer Technologien wie Radar und WiFi, an denen Qualcomm arbeitet. Eine davon ist IEEE 802.11p, ein im Juli 2010 publizierter Standard zur Erweiterung der IEEE 802.11-Norm, um die WLAN-Technik in PKWs zu etablieren und eine zuverlässige Schnittstelle für Anwendungen intelligenter Verkehrssysteme zu schaffen.

Beim europäischen DSRC handelt es sich um eine semi-passive Transpondertechnik mit sehr kleiner Kommunikationszone, die in Europa die De-facto-Norm für elektronische Mauterhebung darstellt. DSRC wurde auch außerhalb Europas als nationale Norm für Mauterhebung und Zugangskontrolle implementiert.

Qualcomm hat mit seiner ebenfalls von Atheros erworbenen Technologie bereits demonstriert, wie Autos Fußgänger, derenm Smartphones mit WiFi und DSRC ausgestattet sind, automatisch erkennen können.

Es dürfte daher nur noch eine Frage der ZEit sein, wann Qualcomm auch 802.11p auf seine Automotive-Snapdragon-SoCs integriert.

Qualcomm vermutet, dass auf zukünftigen Infotainment-Plattformen nicht nur reine Unterhaltungs-Apps aufen werden, sondern dass diese auch zur Anzeige von ADAS-relevanten Informationen benutzt werden. Neben dem reinen Unterhaltungs-OS Android wird daher auch das für sicherheitskritische Anwendungen geeignete QNX unterstützt.

Derzeit finden sich mit Texas Instruments, Freescale und NXP drei im Automotive-Halbleiter-Geschäft starke Hersteller, die eins gemeinsam haben: Sie sind aus dem Mobilgeräte-Modem-Geschäft ausgestiegen. Dies dürfte Qualcomm mit seinen hochintegrierten SoCs gute Chancen eröffnen, seinen Erfolg aus dem Handy-Markt auch ins Auto zu übertragen – je starker das Thema “Connected Car” auf die Strasse kommt.