Reaktion des VDA auf Stuttgart-Regelung »Intelligentere Maßnahmen als Fahrverbote umsetzen«

Stuttgart reagiert auf die Grenzüberschreitungen bei den Feinstaubwerten mit einem Fahrverbot ab 2018 für Diesel, die die Abgasnorm Euro-6 nicht erfüllen.
Stuttgart reagiert auf die Grenzüberschreitungen bei den Feinstaubwerten mit einem Fahrverbot ab 2018 für Diesel, die die Abgasnorm Euro-6 nicht erfüllen.

Stuttgart hat nach mehr als 30 Tagen Feinstaubalarm in diesem noch jungen Jahr 2017 die Reißleine gezogen und ab 2018 in bestimmten Stadt-Regionen Fahrverbote für Diesel verhängt, die nicht die Abgasnorm 6 erfüllen. Nun meldete sich hierzu der Verband der Automobilindustrie zu Wort.

»Um die Luftqualität in den Städten zu verbessern, gibt es intelligentere und schneller wirkende Maßnahmen als temporäre oder gar dauerhafte Verkehrsbeschränkungen für einen Großteil der Diesel-Pkw im Bestand«, so reagierte der VDA auf das von der Landesregierung Baden-Württembergs für 2018 in bestimmten Zonen Stuttgarts verhängte Fahrverbot.  Zum Beispiel wären die Verbesserung des Verkehrsflusses und Stauvermeidung effizienter. Solche Maßnahmen sind kurzfristig umsetzbar und haben große Wirkung: Grüne Welle und ein gleichmäßiger Verkehrsfluss bringen eine Reduktion der Stickoxidemissionen um fast ein Drittel. Zudem sollten Busse und Taxis im städtischen Verkehr durch modernste Fahrzeuge ersetzt werden, sind die Empfehlungen des VDA.

Weiterhin heißt es: »Der in Stuttgart verwendete Begriff Feinstaubalarm ist ein durch keinerlei wissenschaftliche Grundlage fundierter Schnellschuss der Politik. Der Anteil, den Pkw-Abgase an den Feinstaubemissionen haben, ist vernachlässigbar gering. In Stuttgart tragen die motorischen Feinstaubemissionen des Verkehrs laut Umweltbundesamt sogar nur zu 4 Prozent des Gesamtaufkommens bei. Gerade in dem Bundesland, in dem die modernsten Dieselmotoren der Welt hergestellt werden, sollte man eigentlich erwarten, dass die politisch Verantwortlichen wissen, auf welcher industriellen Basis Wohlstand und Beschäftigung fußen.«

Darüber hinaus betonte der VDA, dass mit der Marktdurchdringung moderner Euro-6-Fahrzeuge die Schadstoffemissionen auch ohne politische Eingriffe auf der Straße zurück gehen würden. Auch die Digitalisierung bringe erhebliche Verbesserungen für die Luftqualität: So ließen sich durch vernetztes Fahren in Deutschland 20 Prozent der Staus vermeiden werden. Der Parksuchverkehr in Städten kann durch Digitalisierung sogar noch stärker reduziert werden.

»Es wäre auch klimapolitisch völlig verkehrt, den Diesel grundsätzlich in Frage zu stellen, wie das manche Lobbyaktivisten versuchen. Er ist in seiner CO2-Effizienz dem Benziner deutlich überlegen und daher notwendig, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Für eine wirksame Verbesserung der Luftqualität in Städten kommt es also auf den richtigen Mix von moderner Abgasnachbehandlung, rascher Flottenerneuerung und verkehrlichen Maßnahmen an«, ist sich der Verband sicher. Und: »Eine Verkehrsbeschränkung für bestimmte Dieselfahrzeuge würde das Gewerbe und viele Mittelständler treffen ebenso wie viele Autofahrer, die sich erst vor kurzem ein Dieselmodell angeschafft haben, das damals der modernsten Euronorm entsprach.«