Infotainment über das Internet

Ein Forschungsprojekt gibt Ausblick auf künftige, vollkommen internet-basierte Infotainment-Systeme im Fahrzeug. Besonderes Augenmerk wird auf Leistungsfähigkeit, Funktionsumfang und Bedienerfreundlichkeit gelegt.

Ein Forschungsprojekt gibt Ausblick auf künftige, vollkommen internet-basierte Infotainment-Systeme im Fahrzeug. Besonderes Augenmerk wird auf Leistungsfähigkeit, Funktionsumfang und Bedienerfreundlichkeit gelegt.

Wie könnte das zukünftige Infotainment-System im Auto aussehen und wie bleibt es kompatibel mit seiner Umgebung? Etwa noch ein neuer Stecker bzw. eine neue Schnittstelle im Armaturenbrett, um das x-te mobile Endgerät anschließen zu können? Nicht nur die sich immer schneller erneuernde Welt der Telekommunikation und Unterhaltungselektronik stellt die Kfz-Hersteller mit ihrem durchschnittlich sechsjährigen Modellzyklus vor Probleme, auch der Endkunde verzweifelt zusehends an der Inkompatibilität von Hard- und Software. Abhilfe verspricht das Forschungsprojekt „myComand“ von Mercedes-Benz, das sich mit einem vollständig internet-basierten Infotainment-System beschäftigt. Die Stuttgarter wollen damit den enormen Informationsgehalt des World Wide Web durch speziell aufbereitete Dienste für den Autofahrer nutzbar machen.

Aktualisierung bei Motorstart

Das komplett internet-basierte System bietet Vorteile gegenüber den heute im Einsatz befindlichen Lösungen: Das System wird automatisch bei jedem Motorstart per Funk aktualisiert und bringt sowohl Software als auch alle individuell abgerufenen Daten auf den neuesten Stand. Geräteseitig sind weder ein Radio-Tuner noch optische Laufwerke vonnöten, dafür aber eine Mobilfunk-Einheit mit hoher Übertragungsrate. Außerdem soll die neue Multimedia-Einheit nicht nur bedienfreundlicher, sondern auch schneller als heutige mobile Endgeräte werden. Der geplante Funktionsumfang erstreckt sich von Off-Board-Navigation, Trip-Assist und World Radio bis hin zu Internet-Telefonie und Internet-Surfen via Browser. Die Navigation greift nicht mehr auf stationär gespeicherte Straßenkarten zurück, sondern arbeitet stets mit dem neuesten Online-Kartenmaterial. Bei der Routenwahl werden die im Internet verfügbaren Verkehrsinformationen berücksichtigt. Optionale Satellitenbilder erleichtern die Orientierung für den Fahrer, und Dank der immer aktuell verfügbaren Daten lässt sich zum Beispiel die momentan preisgünstigste Tankstelle im Umkreis oder entlang der Route finden.

Der Trip-Assist geht noch einen Schritt weiter und informiert über das aktuelle Wetter auf der Strecke oder über das Hotel- und Freizeitangebot am Zielort. Die direkte Buchung von Hotelzimmern, Theaterkarten und Restaurantplätzen vom Fahrzeug aus soll ebenfalls möglich sein.

Über das Internet ist fast jeder Radiosender weltweit verfügbar. Bei dieser Quantität hilft eine Genresuche, um den persönlichen Musikgeschmack zu treffen. Zusätzlich kann die eigene Musikbibliothek im Internet hinterlegt werden, die dann weltweit jederzeit verfügbar ist. Mit der Nutzung von Voice-over-Internet-Protocol (VoIP) werden eine kostenlose Telefonverbindung oder Übermittlung von Kurznachrichten sowie die gleichzeitige Übertragung von Sprache und Daten möglich werden.

Das System ist so programmiert, dass es alle für einen Dienst nötigen Informationen selbstständig im Internet sucht und in der jeweils gewünschten Form zusammenstellt. Der Datenzugriff wird beschleunigt und führt bis zur Angabe freier Parkplätze am Zielpunkt.

Da das neue Konzept auf die nächste Generation der Mobilfunknetze angewiesen ist, werden jedoch noch einige Jahre vergehen, bis eine ausreichende Übertragungskapazität und eine flächendeckende Netzabdeckung vorhanden sind. ms