Standardisierung von MOST150 Drei Fragen an MOST-Experten

Dr. Wolfgang Bott, Technischer Koordinator der MOST Cooperation.

Herr Dr. Bott, mit MOST150 ist bereits die dritte Generation der Technologie standardisiert. Wo liegt der technologische Fortschritt und wie grenzen sich MOST25, MOST50 und MOST150 voneinander ab?

Dr. Wolfgang Bott: Zusätzlich zur höheren Bandbreite von 150 Mbit/s enthält MOST150 einen isochronen Transportmechanismus, um komprimierte HD-Video-Daten effizient zu übertragen. MPEG-Transport-Streams, wie sie beispielsweise DVB-Stationen liefern, werden dabei direkt transportiert. Mit einem entsprechenden MPEG4-basierenden Video Codec ist es möglich, Auflösungen bis zu 1080p, wie sie etwa Blu-ray-Player liefern, zu übertragen. Daneben bietet MOST150 einen Ethernet-Kanal für die effiziente Übertragung von IP-Paketdaten. Im Gegensatz zum bei MOST25 verwendeten MAMAC-Protokoll (MOST Asynchronous Medium Access Control) überträgt der Ethernet-Kanal unmodifizierte Ethernet-Datenblöcke, so dass Software-Stacks und Anwendungen aus dem Consumer- und ITBereich mit viel kürzeren Innovationszyklen nahtlos in Fahrzeuge eingebunden werden können. TCP/IP-Stacks oder Protokolle, die TCP/IP verwenden, können so ohne Änderungen über MOST150 kommunizieren. Während sich die MOST25-Technologie – basierend auf der Datenübertragung über Lichtwellenleiter und seit vielen Jahren in Europa weiterentwickelt – im koreanischen Markt etabliert hat, bevorzugt insbesondere der japanische Markt MOST50, die zweite Generation des Multimediastandards. Das herausragende Merkmal von MOST50 ist seine Eignung für elektrische Implementierungen anstelle von optischen Polymerfasern (POF). Dies ermöglicht die Datenübertragung über ungeschirmte, verdrillte Kupferkabel (UTP, unshielded twisted pair). Auf Grund der rauen Umgebungsbedingungen im Fahrzeug, insbesondere in Hinblick auf die elektromagnetischen Eigenschaften des elektrischen Übertragungsmediums, wurden bei der Entwicklung der zweiten MOST-Generation entsprechende Anpassungen vorgenommen. Die asiatischen Hersteller entschieden sich für MOST50, da sie dabei bestehende Verkabelungsund Montageprozesse beibehalten konnten, anstatt auf Lichtwellenleiter umsteigen zu müssen.