Pay as you drive Fahrverhaltensabhängige Kfz-Versicherung ab Herbst

Klaus-Jürgen Heitmann, HUK Coburg (li.) und Dr. Volkmar Denner, CEO Bosch.
Klaus-Jürgen Heitmann, HUK Coburg (li.) und Dr. Volkmar Denner, CEO Bosch.

Die HUK Coburg will ab dem dritten Quartal 2016 einen Kfz-Versicherungstarif einführen, der das Fahrverhalten berücksichtigt. Dazu werden Daten genutzt, die über Dienste von Bosch erhoben werden.

Das gab Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandsmitglied Schaden- und Unfallversicherung der HUK Coburg heute auf einer Bosch-Veranstaltung in Berlin bekannt. Bosch-CEO Dr. Volkmar Denner hatte kurz zuvor den offiziellen Start einer "Bosch IoT Cloud" verkündet, auf der bis zum Ende 2016 50 Projekte laufen sollen. Eines dieser Projekte ist die Erfassung von Fahrdaten in Zusammenarbeit mit der HUK Coburg.

Genaue Tarife stehen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest, wohl aber, wie die Datenerfassung erfolgen wird: Im Fahrzeug wird ein Datenlogger, eine sog. "CCU" (Connectivity Control Unit) installiert, die die Daten von Zeit zu Zeit über das Mobilfunknetz an die Bosch-Cloud übermittelt. Der Fahrer wird dadurch zum gläsernen Kunden, denn erfasst werden praktische alle Daten, mit denen sich das Fahrverhalten quantifizieren lässt: Beschleunigung, scharfes Bremsen, Lenkbewegungen, Ortsdaten - und nicht nur das: Diese Daten werden mit Geodaten verknüft, so dass die Art der benutzten Straßen (Autobahn, Stadtverkehr, Landstraße), die Einhaltung von Tempolimits und vieles mehr überprüft werden kann. "Wer auf der Landstraße 150 fährt, wird keinen besonders großen Bonus erhalten," sagte Klaus-Jürgen Heitmann.

Auf Bosch habe man zurückgegriffen, weil das Unternehmen besonders große Kompetenzen bei Security und Datenschutz hat.

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Für die HUK Coburg dürfte der Hauptnutzen darin liegen, eine solche "connected insurance" überhaupt unter die Leute zu bringen und an eine große Menge an Daten zu gelangen. Denn diese Daten sind ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt: Aus ihnen werden sich durch Analysen Verhaltensmuster und Korrelationen zu Schadensfällen herstellen lassen. Ob eine solch "totale Überwachung" von den Kunden angenommen wird, wird davon abhängen, welche Kostenersparnis der Versicherer bereit ist, an die Kunden weiterzugeben. Beispiele von Facebook bis Payback zeigen, dass Kunden bereit sind, persönliche Daten bereitwillig preiszugeben, sobald ein persönlicher Nutzen oder ein finanzieller Vorteil winkt.

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