Forschung und Entwicklung Projekt "GuEST" untersucht Akzeptanz von Elektro-Taxis

Das Forschungsprojekt GuEST soll für eine hohe Akzeptanz der Elektromobilität bei Taxifahrern und Fahrgästen sorgen.
Das Forschungsprojekt GuEST soll für eine hohe Akzeptanz der Elektromobilität bei Taxifahrern und Fahrgästen sorgen.

Ab April nächsten Jahres soll in Stuttgart das Gemeinschaftsprojekt Nutzungsuntersuchungen von Elektrotaxis in Stuttgart, kurz GuEST, gestartet werden. Dieses soll ein Geschäftsmodell für den Einsatz von Elektrofahrzeugen im Taxiverkehr entwickeln und die Akzeptanz der Elektromobilität bei Taxifahrern und ihren Fahrgästen erhöhen.

An dem Vorhaben beteiligen sich das Zirius der Universität Stuttgart, das FKFS, die Taxi-Auto-Zentrale Stuttgart, die Robert Bosch GmbH und die Dekra Automobil GmbH.

Um zu erforschen, wie wirtschaftlich ein elektrischer Antrieb unter diesen Voraussetzungen ist, statten die Wissenschaftler des FKFS die eingesetzten Fahrzeuge mit spezieller Messtechnik aus. Diese erhebt während der Projektlaufzeit unter anderem Nutzungsdaten wie Energieflüsse und -verbräuche sowie typische Streckenprofile. Somit wird umfassendes Datenmaterial über die technischen Anforderungen, die der Taxibetrieb an die Fahrzeuge stellt, generiert. Weiterhin untersuchen die Forscher, wie sich verschiedene Strecken mit anspruchsvollem Höhenprofil auf die Reichweite und damit auf die Einsatzfähigkeit der Elektrofahrzeuge im Taxibetrieb auswirken. Stuttgart mit 700 Taxen und seiner anspruchsvollen Topographie bietet hierfür großes Potenzial.

Für den Projektpartner Robert Bosch GmbH stellt GuEST einen wichtigen Feldversuch dar. Denn ein Taxi ist ständig in verschiedenen Fahrsituationen in Bewegung: Tägliche Stadtfahrten absolvieren die Autos genauso wie längere
Überlandfahrten. Mit Hilfe der Daten aus diesem permanenten Feldbetrieb lassen sich einzelne Bausteine optimieren und zu effizienten Systemen zusammenfügen. Ebenfalls wichtig für Bosch: Die Taxis werden die Elektromobilität im Alltag erlebbar machen. Das Unternehmen erwartet auch hier mehr Informationen zur Nutzerakzeptanz. Zusammengefasst stehen die Analyse der Einsatzbedingungen wie Umfeld, Akzeptanz, Erwartungen und notwendige Infrastrukturen für Bosch im Mittelpunkt.

Anhand dieser Erkenntnisse soll es möglich werden, den Einsatz der Elektrotaxis so zu optimieren, dass selbst höhere Anschaffungskosten durch intelligenten Einsatz mit entsprechend hoher Fahrleistung relativiert werden. Um im Rahmen des Forschungsvorhabens möglichst realistische Nutzungsprofile zu erreichen, werden die fünf Elektrotaxis von Stuttgarter Taxiunternehmern mit festen Fahrern besetzt und kommen so unter realen Alltagsbedingungen zum Einsatz. Die Fahrer werden zu Beginn des Projekts gezielt für den Einsatz der Elektrofahrzeuge geschult.

Wie sich die Nutzung im Taxibetrieb auf die Elektrofahrzeuge konkret auswirkt, untersucht regelmäßig die Dekra Automobil GmbH. Alle drei Monate werden die Taxis im Hinblick auf besonderen Verschleiß oder andere Auffälligkeiten untersucht. Durch den Einsatz von mehreren baugleichen Fahrzeugen lassen sich Rückschlüsse auf die Auswirkung des Nutzungsverhaltens auf das jeweilige Fahrzeug ziehen.
Parallel zu den technischen Forschungsansätzen verfolgt „GuEST“ aber auch einen sozialwissenschaftlichen Ansatz. Dabei befragen Wissenschaftler des Projektpartners Zirius wiederholt die Fahrer und Fahrgäste der Elektrotaxis sowie zum Vergleich auch Fahrer und Fahrgäste konventionell angetriebener Taxis. Daraus können Erkenntnisse zur Akzeptanz der Technologie gewonnen werden und darüber hinaus Ansätze diese zu steigern. Nicht zuletzt sollen die Taxifahrer des Forschungsprojekts zu Botschaftern der Elektromobilität werden. Immerhin entstehen mit fünf Elektrotaxis und zehn Fahrten pro Tag aufs Jahr gerechnet mindestens 15.000 Fahrerlebnisse in den Elektrofahrzeugen. Der Projektpartner Taxi-Auto-Zentrale Stuttgart eG sorgt im Rahmen des Projektes für eine Software-Anpassung, die es Fahrgästen ermöglicht, Elektrotaxis ganz gezielt buchen zu können.

Das Projekt GuEST läuft vorerst bis zum Ende des Jahres 2015 und ist eines von rund 40 Projekten im baden-württembergischen Schaufenster Elektromobilität LivingLab BW e-mobil. Es wird mit rund 1,12 Millionen Euro durch die Bundesministerien für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS, federführend), für Wirtschaft und Technologie (BMWi), für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) sowie für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.