Pedelecs Mehr als die Hälfte versagen beim »Warentest«

ADAC und Stiftung Warentest untersuchten 16 Pedelecs. Bei mehr als der Hälfte gingen tragende Teile zu Bruch oder die Bremsen waren zu schwach. Einige entpuppten sich als Störsender.

Auf dem Elektroautogipfel in Berlin diskutierte die Kanzlerin in dieser Woche mit Vertretern der Automobilindustrie, wie man die schleppend verlaufende Verbreitung von Elektroautos ankurbeln könnte. Bei Fahrrädern ist das nicht nötig, denn die tatsächliche Elektromobilität spielt sich in Deutschland auf zwei Rädern ab. Den wenigen tausend Elektroautos stehen mehr als 1,3 Millionen elektrisch unterstützter Fahrräder gegenüber, die auf Deutschlands Straßen unterwegs sind – und das ohne irgendein staatliches Förderprogramm.

Alleine im Jahr 2012 sind hierzulande 380.000 Pedelecs verkauft worden. Damit ist Deutschland der zahlenmäßig stärkste Markt in Europa – hier werden ein Drittel aller in Europa abgesetzten Pedelecs gekauft. Im Verhältnis zur Zahl der Einwohnerzahl sind die Niederländer die führenden »Elektro-Fietser«, denn obwohl die Niederlande nur 16,7 Millionen Einwohne haben, sind auch hier schon über eine Million Elektroräder unterwegs.

Ein Pedelec (Pedal Electric Cycle) ist ein kostspieliges Vergnügen: Wenn man nicht Aktionsware beim Discounter oder im Baumarkt kauft, beginnt elektrisch unterstütztes Fahren meist erst bei ca. 2000 Euro. Umso größer ist nun die Ernüchterung, für die ein gemeinsamer Test von ADAC und Stiftung Warentest sorgt: von 16 getesteten Pedelec erhalten 9 das Testurteil »mangelhaft«. »Weder der Name des Herstellers noch der Preis sind verlässliche Indikatoren für die Qualität eines Elektro-Fahrrads« resümieren die Tester.

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Weshalb viele Elektrofahrräder durchfielen

Elektrofahrräder im Test

Mit dem Test hat sich die Fahrradbranche schlicht blamiert, und das sieht auch die Stiftung Warentest so, indem sie von »katastrophalen Ergebnissen« spricht. Dabei ist der Testzyklus, den die Räder absolvieren mussten, noch nicht einmal besonders schikanös: die Elektrobikes mussten lediglich einen simulierten Lebenszyklus mit 20.000 Kilometern absolvieren. Dabei wurde zwar auch Kopfsteinpflaster simuliert, aber die Stiftung hat weder einen »Sicherheitspuffer« einkalkuliert, noch erhöhte Belastung berücksichtigt, wie sie etwa durch übergewichtige Fahrer/innen, Überladung mit Gepäck oder »Wurzeltrails« auftreten könnte.

Einige Fahrräder hatten zudem Probleme mit der elektromagnetischen Verträglichkeit. Die Modelle von Kalkhoff und Pegasus überschritten den zugelassenen Grenzwert nur geringfügig, aber das »Impulse iR HS« von Raleigh sendet so starke elektromagnetische Störwellen aus, dass dadurch der Funk von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten massiv gestört werden kann.

Was man der Fahrradbranche vielleicht noch zugute halten kann: Es wurden ausschließlich Tiefeinsteiger getestet. Bei Diamant-Rahmen (»Herren-Fahrräder«) dürfte das Risiko des Rahmenbruchs erheblich niedriger sein. Trotzdem zeigt der Test, dass es auch gute E-Bikes gibt: zwei der getesteten Fahrzeuge, das E-Courier SX von Stevens und das Obra RT von Kettler erwiesen sich als sicher und komfortabel und brachten es auf eine gute Reichweite.