Autonome Autos und Radverkehr Kann das gutgehen?

Der Radverkehr ist eine große Herausforderung für autonom fahrende Autos: Radfahrer sind schlecht sichtbar, ihre Fahrmanöver sind agil und oft kaum vorhersehbar. Welche Szenarien gibt es, damit autonomes Fahren auch in Städten möglich wird?

Kein Zweifel, autonomes Fahren ist das nächste große Ding bei der Entwicklung des Automobils, ganz gleich wie die Autos angetrieben sind. Ob elektrisch oder mit Verbrennungsmotor – die Sensorik wird ständig verbessert, Forschungsinstitute und Autohersteller arbeiten mit Hochdruck an Algorithmen, um dem Fahrzeug ein Bewusstsein für die Umgebung beizubringen. Schon seit 2015 gibt es auf der Autobahn A9 zwischen München und Nürnberg einen Feldversuch, bei dem autonom fahrende Fahrzeuge im realen Verkehr getestet werden. Auf der Autobahn ist das alles relativ übersichtlich: Die Fahrtrichtungen sind vom Gegenverkehr getrennt, zum Ein- und Ausfädeln sind Beschleunigungs- und Bremsspuren vorhanden, für den Fall einer Panne gibt es eine Standspur und auf der Autobahn ist nur motorisierter Verkehr unterwegs. Keine Fußgänger, keine Radfahrer, keine Tram, die die Fahrbahn mitbenutzt, kein Bus, der aus einer Haltestelle ausschert. Jüngst hat der Gesetzgeber die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen, damit der Autopilot auf der Autobahn in einigen Jahren Realität werden kann.

Herausforderung Mischverkehr

In der Stadt ist das Verkehrsgeschehen weitaus unübersichtlicher und deshalb sagen auch die Ingenieure, dass es noch längere Zeit dauern wird, bis auch im städtischen Umfeld autonomes Fahren möglich sein wird. Bisher gibt es überhaupt noch keinen Feldversuch mit gemischtem Verkehr aus automatisierten Fahrzeugen und Fahrrädern. Was es allerdings gibt, ist ein autonom fahrender Bus in der Stadt Sion in der Schweiz, der sich mit max. 20 km/h fortbewegt und durch eine Altstadt mit engen Straßen und viel Fußverkehr fährt. Der Testbetrieb ist zeitlich limitiert und stets ist Personal an Bord, das jederzeit in das automatisierte Geschehen eingreifen kann. Der Fahrweg ist – analog zu einer Schiene – fest einprogrammiert und sobald ein Hindernis auftaucht oder gar eine Baustelle, hält das Fahrzeug an und muss von Hand weitergesteuert werden. Dies spiegelt wohl recht gut den Stand der technischen Entwicklung beim Fahren in einem unübersichtlichen Umfeld wider.

Sieht man sich die Presseberichterstattung zu automatisierten Fahrzeugen an, könnte man den Eindruck gewinnen, dass der Zweck des autonomen Fahrens darin besteht, dass der Fahrer während der Fahrt endlich E-Mails lesen, im Web surfen oder Filme ansehen kann. Aus Nutzersicht mag das eine attraktive Motivation sein, der wirkliche Grund liegt aber in der Sicherheit: 95 Prozent aller Unfälle sind durch menschliches Versagen begründet. Weitere Gründe sind die bessere Ausnutzung der Infrastruktur – Stichwort: Auto nutzen statt besitzen. Hierfür müssten Carsharing-Fahrzeuge in der Lage sein, fahrerlos zu einem Anmietpunkt zu gelangen.

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