Sunswift eVe Geschwindigkeits-Weltrekord für australisches Solarmobil

Das Rekord-Solarauto des australischen Sunswift Solar Racing Teams
Das Rekord-Solarauto des australischen Sunswift Solar Racing Teams

Sie haben einen 26 Jahre alten Rekord gebrochen: Einem Studenten-Team aus Sydney gelang es, 500 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 100 km/h abzuspulen. Schneller als jedes andere Elektroauto zuvor. Ihr »eVe« sieht dabei ganz anders aus als bisherige Solarmobile - und könnte sogar die Straßenzulassung bekommen.

Auf dem 4,2 Kilometer langen Rundkurs des Australian Automotive Research Centre nahe Geelong (Victoria) hatten sich rund 15 Mitglieder des Sunswift Teams der University of New South Wales (UNSW) versammelt. Es galt, den alten Langstrecken-Weltrekord für Elektrofahrzeuge zu knacken. Für die Zeitenjagd mussten die Solarpanels des Sunswift-Autos allerdings abgeschaltet werden. Denn für den Rekord ist eine Distanz von 500 Kilometern mit nur einer Akkuladung zu bestreiten. Bisher gelang das im Jahre 1988 am schnellsten, als ein Elektromobil mit durchschnittlich 73 km/h unterwegs war.

Erfolg auf Probe

Dieser Bestwert sollte für »eVe« kein Problem darstellen. Der Wagen des Sunswift-Teams erreichte sogar 107 km/h im Schnitt und darf sich nun schnellstes Langstrecken-Elektroauto der Welt nennen. Vorausgesetzt, die FIA bestätigt das Ergebnis. Diese offizielle Abnahme steht nämlich noch aus.

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Solarmobil eVe: Das Rekordauto und sein Team

Langstrecken-Weltrekord: Den höchsten Speed über 500 Kilometer hat das Solarmobil "eVe" aus Australien.

Dennoch waren die Studenten vollauf zufrieden mit ihrer Leistung. »Dieser Rekord sollte die Reichweite einer Akkuladung für Hochgeschwindigkeits-Elektofahrzeuge auf ein ganz neues Level heben. Wir hoffen, dass das die Elektromobil-Industrie revolutionieren wird«, sagte Projektleiter Hayden Smith, der im dritten Jahr Maschinenbau studiert.

Nicht der erste Rekord

Sein Sunswift Solar Racing Team, gegründet 1996, besteht aus 60 Studenten aller technischen Fachrichtungen, ergänzt durch Wirtschaftswissenschaftler. eVe ist nicht ihr erstes erfolgreiches Fahrzeug - auch seine vier Vorgänger sorgten bereits für Aufsehen. Sie konnten den Rekord für die schnellste solargetriebene Fahrt von Perth nach Sydney einfahren und halten seit drei Jahren den Titel für das schnellste Solarmobil der Welt (88 km/h).

Die Technik in eVe

Das aktuelle Modell sieht einem herkömmlichen Auto verblüffend ähnlich. Allein, es besitzt eine Solarfläche von 6 Quadratmetern auf Dach und Motorhaube und dünne Reifen, um den Reibungsverlust zu minimieren (Michelin Radical X). Bei den Solarmodulen handelt es sich um monokristalline C60 Leichtbau-Siliziumpanels von Sunpower mit einem Wirkungsgrad von rund 22,7 Prozent. Sie übertragen 800 W Energie, die in einem 60kg schweren Akku gespeichert wird. Dieser ist ein Eigenbau aus zusammengeschalteten Lithium-Ionen-Batterien von Panasonic (NCR 18650 A und B, je 2,900 mAh). Seine Gesamtkapazität beträgt 16 kWh bei 160 V, was für die angestrebten 500 Kilometer reicht. Schaltet man die Solarzellen dazu, soll die Reichweite bei idealen Bedingungen auf rund 800 Kilometer steigen. Angetrieben wird das Auto von zwei speziell angepassten Maran Nabenmotoren, die in den Hinterrädern verbaut wurden.

Der Rennwagen wurde ursprünglich für die World Solar Challenge 2013 gebaut, einem internationalen 3000 km-Rennen quer durch Australien, von Darwin nach Adelaide. Die Rennserie schloss der 500.000 Euro teure Rennwagen auf Platz 3 ab. Der gemessene Topspeed liegt bei 132 km/h. Ermöglicht werden diese Werte unter anderem durch aerodynamische Finesse und den konsequenten Einsatz von Carbon.  

Von der Rennstrecke auf die Straße

Auch wenn der Weltrekord eine willkommene Anerkennung ist: Die Entwickler von Sunswift verfolgen höhere Ziele. Denn eVe sieht nicht ohne Grund aus wie ein normales Auto. Es soll mittelfristig als echte Alternative dienen und emissionsfreies Fahren wirtschaftlich machen. Dazu strebt das Team an, innerhalb eines Jahres die australischen Vorgaben für eine Straßenzulassung zu erfüllen. Es wäre eine Premiere.

Bis es soweit ist, werden aber noch einige Anpassungen vorgenommen. Es soll eine höhere Dachlinie, Leuchten und eine komfortablere Innenausstattung geben. Die gefahrenen 500 Kilometer sollen aber schon jetzt die Alltagstauglichkeit unter Beweis stellen. Man sieht sie als Zeichen gegen die weit verbreiteten Bedenken hinsichtlich der Reichweite von Elektrofahrzeugen. Und wer weiß - vielleicht wecken derartige Erfolge auch das Interesse etablierter Hersteller, wie etwa Tesla? Auf YouTube wird jedenfalls schon wild darüber spekuliert.