VDI-Wissensforum "Elektronik im Fahrzeug 2013" Elektromobilität auf dem Weg in die Serie

Vor dem Festspielhaus Baden-Baden versammelten sich rund 60 Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride , die im Anschluss in einem Auto-Corso durch die Stadt fuhren und dabei den vielleicht ersten emissionsfreien Stau in Baden-Baden verursachten.
Vor dem Festspielhaus Baden-Baden versammelten sich rund 60 Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride , die im Anschluss in einem Auto-Corso durch die Stadt fuhren und dabei den vielleicht ersten emissionsfreien Stau in Baden-Baden verursachten.

Wenn es nach führenden Köpfen der Automobilelektronik geht, dann wird die Zukunft des Automobils bestimmt durch Elektronik, Elektrifizierung, Software, moderne Fahrerassistenzsysteme und die Vernetzung des Fahrzeugs, sowohl an Bord als auch mit der Umwelt.

Davon zumindest sind die E/E-Entwicklungsleiter von Audi, BMW, Porsche und VW überzeugt. Der Automobilzulieferer Conti sieht sich darüber hinaus noch mit der Globalisierung der Märkte herausgefordert.

Genau diese Standpunkte vertraten die genannten Herren auf dem diesjährigen internationalen Kongress „Elektronik im Fahrzeug“ in Baden-Baden, wobei Kongressleiter Dr. Wolfgang Runge das Thema „Deutschland fährt elektrisch“ in den Mittelpunkt der Pressekonferenz rückte. Vor dem Festspielhaus Baden-Baden versammelten sich rund 60 Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride (Aufmacher), die im Anschluss in einem Auto-Corso durch die Stadt fuhren und dabei den vielleicht ersten emissionsfreien Stau in Baden-Baden verursachten. Die erfolgreiche Einführung der Elektromobilität sei auf einem sehr guten Weg, waren sich die Experten der Kfz-Elektronik einig. Auf dem Podium versammelte Runge, Helmut Matschi, Vorstandsmitglied bei Continental sowie die Leiter der Elektronik- und Elektrik-Entwicklung Ricky Hudi von Audi, Elmar Frickenstein von BMW, Dr. Volkmar Tanneberger von Volkswagen und Uwe Michael von Porsche. Aus Sicht der Entwicklungsleiter E/E ist mit der Serienfertigung der erste große Schritt gemacht. Sieht man sich jedoch die Stückzahlen der Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen an, dann liegt vor der erfolgreichen Kommerzialisierung noch ein steiniger und langer Weg.

 

Helmut Matschi, Mitglied des Vorstands der Division Interior bei Continental erläuterte im Rahmen der eigenen Globalisierungsstrategie die Entwicklungen in China: „ Globale OEMs konnten laut Matschi ihren Marktanteil in China stark erhöhen und halten derzeit 60 bis 70 % des Marktes, chinesische Hersteller kommen auf rund 30 %. Dieser hohe Marktanteil ist nicht zuletzt auf die hohe Qualität und eine deutliche Aufstockung der Produktionskapazitäten zurückzuführen.“ Während der Produktionsphase bestehe der Unterschied zwischen chinesischen und globalen OEMs in der Zuverlässigkeit der Prognosen. Chinesische OEMs würden ihre Abrufzahlen häufig ändern und sich auf die Produktionskompetenzen und das Qualitätsniveau von Zulieferern wie Continental verlassen.

Ricky Hudi, Leiter Entwicklung Elektrik/Elektronik bei Audi, ging auf die sich wandelnden Kundenbedürfnisse aufgrund individueller Mobilität ein. Um diese zu befriedigen, setze Audi vor allem auf die nahtlose Verbindung des Fahrzeugs mit dem Internet, der Infrastruktur und seiner Umwelt. „Wenn ich nicht fahren will, lasse ich das Auto fahren. Wenn ich Spaß haben will, fahre ich selbst“, erklärte Hudi. Derzeit gehe es Audi nicht darum zu zeigen, dass ein Fahrzeug pilotiert fahren kann. Sondern die Herausforderung liege darin, die Sensorik-Dachaufbauten und Rechnerstrukturen ins Fahrzeug einzubetten und in konkrete Serienanwendungen zu überführen. Aktuell arbeite Audi an der nächsten Generation echter Hochleistungs-Bildverarbeitungssysteme und der Entwicklung eines Laserscanners, der die Umgebung überwacht – vor allem horizontal zu den Seiten hin und in der relevanten Entfernung. Damit könne das Fahrzeug eine dreidimensionale Karte seiner Umgebung speichern.

Elmar Frickenstein, Bereichsleiter Elektrik/Elektronik von BMW griff den Erfolg der Elektromobilität auf. Dieser hänge neben wirtschaftlich bedeutenden Parametern wie Kraftstoff-, Strom- und Batteriepreisen auch von der Ladeinfrastruktur ab. „Mit Ladeinfrastruktur meine ich sowohl die Ladesäulen als auch die Technik, mit der die Energie ins Fahrzeug kommt“, betonte Frickenstein. Es solle insbesondere eine für Kunden im Straßenbild sichtbare und nutzbare Schnellladeinfrastruktur für Gleichstromladen mit dem Combined Charging System (CCS) gefördert und aktiv aufgebaut werden. Diese sei durch weniger Ladestationen bei gleichzeitig höherem Stromumsatz wesentlich nachhaltiger als eine auf Wechselstrom basierte Infrastruktur. „Aus meinen Erfahrungen mit Elektrofahrzeugen finde ich es sehr komfortabel, generell nicht mehr an Tankstellen fahren zu müssen und die Energie bequem zuhause über den Ladeanschluss meiner Wallbox zu bekommen“, sagte Frickenstein.

Auch Dr. Volkmar Tanneberger Bereichsleiter Elektrik/Elektronik von Volkswagen sieht die Elektrifizierung des Automobils als Schlüsselrolle hinsichtlich des globalen Klimawandels sowie der Ressourcenknappheit. Dabei stehen folgende Themen im Fokus: Verlässlichkeit und Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Bezahlbarkeit, Alltagstauglichkeit sowie Begeisterung. „Die Preise der heute im Angebot befindlichen Elektroahrzeugesind an der oberen Grenze der Zahlungsbereitschaft des Kunden“, erklärt Tanneberger. Die Batterie selbst sei das teuerste Bauteil im Elektroauto. Die Herausforderung der kommenden Jahre sei es, die Kosten der Batterie bei gleichzeitiger technologischer Weiterentwicklung zu senken. Mit der Markteinführung von Elektrofahrzeugen sei die Automobilindustrie in Vorleistung getreten, nun sei es an den Energieanbietern ihrerseits zu investieren und den Infrastrukturausbau voranzubringen.

Offenbar ist die Automobilbranche nun der Ansicht, mit der Serieneinführung von Elektroautos und Plug-in-Hybriden ihr Schärflein zum Erfolg der Elektromobilität beigetragen zu haben. Nun sehen Sie die Stromversorger und den Staat in der Pflicht.