Schlechte Test-Ergebnisse bei Stiftung Warentest E-Bike-Hersteller schlagen zurück

Kurt Schär, der Geschäftsführer von Biketec, ist den Testergebnissen der »Stiftung« mit Akribie auf den Grund gegangen.
Kurt Schär, der Geschäftsführer von Biketec, ist den Testergebnissen der »Stiftung« mit Akribie auf den Grund gegangen.

Nach desaströsen Test-Ergebnissen eines Pedelec-Tests der Stiftung Warentest haben die Hersteller versucht, die Ergebnisse der Stiftung nachzuvollziehen. Es ist ihnen nicht gelungen. Das werfen sie den Testern nun vor.

Im Mai waren bei einem Pedelec-Test von ADAC und Stiftung Warentest mehr als die Hälfte der Fahrzeuge durchgefallen. Schon damals hatten die Hersteller moniert, dass die Testkriterien undurchsichtig und kaum praxisrelevant seien. Und der Schaden für die Hersteller war nicht nur imageschädigend, sondern auch in barer Münze spürbar: »Der Test samt Medienecho verunsicherte Kunden und Händler gleichermaßen, Kaufzurückhaltung bis hin zur Stornierung bereits bestellter und bezahlter Pedelecs waren die Folge«, berichtet Albert Herresthal vom Verbund Service und Fahrrad (VSF), einem Verband, der rund 230 Premium-Fahrradhändler zu seinen Mitgliedern zählt. Insbesondere das Testergebnis des so genannten »C-Flyer« vom Schweizer E-Bike-Hersteller Biketec hatte in der Fachwelt für Aufsehen gesorgt. Biketec gilt nicht nur als Pionier des Pedelecs, sondern auch über die Branche hinaus als durch und durch qualitätsorientiert. Nun veröffentlichten Derby Cycle, Bosch und Biketec, drei der wohl größten Player im E-Bike-Segment, zusammen mit dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) Material, das die erheblichen Zweifel an den Testverfahren, -ergebnissen, -urteilen und an der medialen Aufbereitung bestätigt.

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E-Bikes unter Test

Nach dem desaströsen Testergebnis beim Pedelec-Test der Stiftung Warentest ist die Fahrradindustrie den Testergebnissen auf den Grund gegangen.

Testergebnis spiegelt sich nicht in Praxiserfahrungen wider

Bereits wenige Tage nach Publikation des Tests hatten nicht nur die vermeintlichen Verlierer Zweifel an der Richtigkeit und Verwertbarkeit der Ergebnisse und deren Interpretation durch die Stiftung Warentest geäußert. So schrieb der ZIV in einer Meldung: »Die Ergebnisse der StiWa sind für die Industrie in vielen Punkten nicht nachvollziehbar.« Zentraler Kritikpunkt ist das Fehlen von realen Schadensbildern, die den Testergebnissen entsprechen. Dirk Zedler, Inhaber eines Ingenieur- und Sachverständigenbüro für Fahrradtechnik, stellt fest: »Insgesamt gibt es keinerlei Auffälligkeiten im Gutachten-Aufkommen bei Pedelecs, die die Ergebnisse der Stiftung Warentest stützen würden.« Das gelte laut Wolfram Hartmann, Vorstand des Händlerverbunds Feine Räder e. V. auch für den Handel: »Unsere Händler verkauften das betroffene Modell C-Flyer mittlerweile rund 4.000 mal, einen Rahmenbruch hat es noch nie gegeben«.

Wie werden Fahrräder getestet?

Der Zweirad-Industrieverband kritisierte dann bereits im Juni: »Die von der Stiftung Warentest angewendeten Festigkeitsprüfungen von Bauteilen unterscheiden sich grundsätzlich von den Anforderungen der einschlägigen europäischen Normen. Aus diesem Grund sind die Ergebnisse der Stiftung Warentest für die Industrie in vielen Punkten nicht nachvollziehbar.« Darauf angesprochen, sagte Heike van Laak, Leiterin der Presseabteilung der Stiftung-Warentest, gegenüber dem pressedienst-fahrrad: »Wir haben keinen Anlass zu Zweifeln irgendeiner Art. Wir bleiben bei unserem Testergebnis.«

Die Nachvollziehbarkeit von Testergebnissen ist für die Industrie und damit für den Verbraucher von entscheidender Bedeutung. Ungeachtet dessen, ob ein Testverfahren als realistisch gilt oder nicht: nur wenn Ingenieure einen Bruch reproduzieren können, sind sie in der Lage, die Fehlerquelle auszumachen und dann auszuschalten. Dr. Holger Brackemann, Testleiter bei der Stiftung Warentest, nahm laut VSF-Meldung bei der offiziellen Vorstellung der Ergebnisse die Hersteller in die Pflicht, „ausreichende Sicherheitsprüfungen“ vor dem Verkauf der Räder vorzunehmen. Hier liegt nach Ansicht von Gunnar Fehlau allerdings eine Verkehrung von Ursache und Wirkung vor: „Weichen die Testverfahren von den Normen ab, so besteht die Bring- und Beweispflicht nicht beim Produzenten, sondern beim Tester“, ist Fehlau überzeugt.

In der Vergangenheit mahnte die Industrie eine Offenlegung der Testverfahren immer wieder an, während die Stiftung Warentest für sich ausreichende Transparenz proklamierte. Informationen erhält beispielsweise Biketec nach eigenen Angaben nur dann von der Stiftung Warentest, »wenn sie Anwälte einschaltet – und auch dann nur häppchenweise«, ist auf zeit.de zu erfahren. Hingegen behauptete Heike van Laak: »Wir können belegen, dass alle Hersteller das komplette Prüfprogramm erhalten haben. Die Behauptung, dass die Stiftung Warentest intransparent sei, ist eindeutig falsch.«