Kommentar zur Volkswagen Strategie 2025+ Autonomes Fahren und Elektromobilität contra Dieselaffäre

Gerhard Stelzer Chefredakteur
Gerhard Stelzer Chefredakteur

Wer auf dem diesjährigen Autosalon in Genf war, der konnte „Sedric“ bewundern, ein schmuckes autonom fahrendes Prototypen-Elektrofahrzeug des VW-Konzerns.

Sedric steht dabei für „Self Driving Car“ und manifestiert die Leistungsfähigkeit des vor einem Jahr ebenfalls in Genf angekündigten neuen „Volkswagen Group Future Center Europe“ in Potsdam, das seitdem augenscheinlich nicht untätig war. Mit dem Sedric, dem ersten Self-Driving Car auf Konzern-Ebene, möchte VW erstmals einen konkreten Ausblick auf das automatisierte Fahren der höchsten Stufe (SAE Level 5) geben. Ein Knopfdruck soll reichen, schon fährt das Fahrzeug vor – vollständig elektrisch, vernetzt und autonom. Lenkrad, Pedale, Cockpit: Fehlanzeige. „Mit Sedric schauen wir weit nach vorne. Er ist Vorreiter und Ideengeber für das autonome Fahren“, erklärte Michael Müller, Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns in Genf.

In jeder Krise steckt auch eine Chance, weiß der Chinese. Mitten in der Aufarbeitung des schlimmsten Desasters der Dieselaffäre ist es VW offenbar geglückt, trotz enormer finanzieller Belastungen die Weichen in Richtung Zukunft zu stellen. Vielleicht brauchte es sogar diesen unerfreulichen Weckruf, um sämtliche bis zum Bekanntwerden der Dieselaffäre ansonsten vermeintlich funktionierenden Konzernstrukturen wieder einmal auf den Prüfstand zu stellen. Jedenfalls scheint der VW-Konzern diese Herausforderung konstruktiv angenommen zu haben und hat mit dem Programm „Together – Strategie 2025“ den nach eigenen Angaben größten Transformationsprozess seiner Geschichte auf den Weg gebracht.

Worum geht es nun in „Together – Strategie 2025“? VW hat sich vorgenommen, bis 2025 der weltweit führende Anbieter nachhaltiger Mobilität zu werden, ein zwar etwas nebulöses, aber durchaus ambitioniertes Ziel. Aufbauen will VW dabei auf den traditionellen Stärken im Automobilbau, dabei aber neue Schwerpunkte setzen. Die Einrichtung des VW Future Center in Potsdam ist dabei ein wesentlicher Baustein. Zusammen mit Schwestereinrichtungen, den Future Centers in den USA und China, werden in interdisziplinären Teams künftig die Ergebnisse der digitalen Strategie erarbeitet. „Wir werden von einem Hardware-Unternehmen zu einem integrierten Hardware-, Software- und Services-Unternehmen“, erläuterte Johann Jungwirth, Chief Digital Officer von VW, die neue Schwerpunktsetzung. Als weiteres wesentliches Element der Strategie will VW die Elektromobilität vorantreiben und plant, mehr als 30 rein elektrisch betriebene Fahrzeuge bis 2025 auf den Markt zu bringen. Das klingt nach einer enormen Zahl, die allerdings von 60 neuen Fahrzeugen über alle Konzernmarken allein 2017 relativiert wird. Teil der Strategie ist auch, neben dem neuen Geschäftsfeld Mobilitätslösungen auch die Bereiche Batterietechnologie, autonomes Fahren und künstliche Intelligenz zu neuen Kernkompetenzen des Unternehmens auszubauen. Dabei kann sich VW auf 37 weltweit verteilte Kompetenzzentren und Digital-Labs stützen. VW entwickelt sich nun offensichtlich von einem klassischen Autohersteller zu einem Elektronik-geprägten Mobilitätskonzern.
 
Gerhard Stelzer
Chefredakteur

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