Der StreetScooter der Deutschen Post Außen gelb, innen grün

Die Deutsche Post setzt für die Paket- und Briefzustellung den StreetScooter ein. Thyssenkrupp hat die Entwicklung des Elektromobils unterstützt.
Die Deutsche Post setzt für die Paket- und Briefzustellung den StreetScooter ein.

Die Zukunft der Postautos ist außen gelb und innen grün, denn die Deutsche Post will im Rahmen ihrer GoGreen-Initiative ihre konventionellen Fahrzeuge durch Elektro-Transporter ersetzten. Thyssenkrupp unterstützt die Entwicklung des neuen Elektrofahrzeugs.

2014 hat die Deutsche Post »StreetScooter« übernommen, um eigene Fahrzeuge für die Brief- und Paketbeförderung zu produzieren. Dadurch entstand das Modell »Work«, das an den Alltag der Zusteller angepasst und völlig emissionsfrei unterwegs ist. So muss der gelbe Wagen mit dem grünen Antrieb täglich bis zu 200 Stopps und Anfahrvorgänge bewältigen. Er braucht genügend Ladevolumen für Briefe und Pakete und muss an 300 Tagen im Jahr zuverlässig seinen Dienst tun. Hohe Geschwindigkeiten braucht der Kleintransporter dagegen nicht, denn er ist fast ausschließlich auf Kurzstrecken unterwegs. Im Aachener Werk rollen in diesem Jahr die ersten 2.000 Kleintransporter vom Band, ab 2017 können bis zu 10.000 Fahrzeuge jährlich gebaut werden. Ziel der Deutschen Post ist es, im Rahmen ihrer GoGreen-Initiative mittelfristig ihre Zustellflotte mit konventionellem Antrieb durch Elektrotransporter zu ersetzen.

Thyssenkrupp war an dem dezentralen Netzwerk beteiligt, das verschiedene Komponenten und Module für das Elektrofahrzeug entwickelt hat. Zum Beispiel hat die Stahlsparte die Karosseriestruktur des StreetScooter mitentworfen. Die Entwickler setzten dabei auf wirtschaftlichen Leichtbau mit einer Karosseriestruktur aus Stahl, die mit einer Kunststoff-Außenhaut beplankt wird. Die Stahlstruktur besteht zu 57 Prozent aus höher- und höchstfesten Stählen. Mit ihrer hohen Festigkeit ermöglichen die Werkstoffe dünnwandige, leichtere Bauteile ohne Abstriche bei der Sicherheit. Hinzu kommen Warmumformstähle für Stoßfänger sowie A- und B-Säule, die hohe Bauteilfestigkeiten aufweisen und ebenfalls große Gewichts-Einsparungen ermöglichen. Kosteneffizient sind beim StreetScooter sowohl die verwendeten Werkstoffe als auch die profilintensive Bauweise.

Außerdem hat die Stahlsparte von Thyssenkrupp die Bodengruppe für den Streetscooter entwickelt. Das Bauteil ist eine Sandwich-Konstruktion, mit Fächern für bis zu drei Batterien. Die Hauptaufgabe des Moduls ist es, die Energieträger selbst im Falle eines Unfalls so zu schützen, dass sie nicht beschädigt werden. Entsprechend haben die Entwickler Konstruktion und Materialkonzept ausgelegt. Die Längsträger der Bodenstruktur, zwischen die die Batteriemodule gesetzt werden, sind zweischalig und bestehen aus einem höchstfesten Dualphasenstahl. Damit sind die Bauteile so stabil, dass sie nicht nachgeben und keine Beschädigung der Batterien zulassen. Die eingesetzten Schweller sind aus einem kalt gewalzten Dualphasenstahl gefertigt, denn sie müssen einen Teil der Aufprallenergie kontrolliert abbauen. Der Werkstoff besitzt nicht nur eine hohe Festigkeit, sondern auch genug Umformvermögen, um Aufprallenergie zu absorbieren.

Der Post-Scooter bietet einen Laderaum von mehr als 4 m³, der eine Zuladung von 650 kg ermöglicht. Dadurch entsteht eine enorme Spreizung zwischen leerem und vollem Fahrzeug, was hohe Anforderungen an das Setup der Stoßdämpfer stellt. Deshalb setzte der Hersteller bereits bei der 150 Fahrzeuge umfassenden Vorserie auf den Dämpferspezialisten von Thyssenkrupp.

Das zulässige Gesamtgewicht eines voll beladenen StreetScooter beträgt 2.130 kg, doch am Ende eines Zustelltags kann es über eine halbe Tonne weniger sein. Um ein ausgewogenes Dämpfungsverhalten über das gesamte Spektrum zu liefern, muss die Abstimmung sehr sorgfältig vorgenommen werden – andernfalls wirkt das Fahrzeug je nach Situation schnell über- oder unterdämpft, was zu Lasten des Komforts und der Sicherheit fallen würde. Doch bereits in den Erprobungsphasen haben sich die von Thyssenkrupp Bilstein gelieferten Komponenten bewährt. Darum kommt das Unternehmen auch bei der Serienfertigung als Zulieferer zum Zug.