Neuvorstellung von Bosch ABS für E-Bikes – Wer braucht das?

Das ABS für E-Bikes geht im Herbst 2017 in die Erprobung und ab 2018 in den Serieneinsatz.
Das ABS für E-Bikes geht im Herbst 2017 in die Erprobung und ab 2018 in den Serieneinsatz.

Bosch stellt ein ABS-System für E-Bikes vor. Die Frage ist: Wer braucht das eigentlich?

Bosch testet ab Herbst 2017 ein Anti-Blockiersystem für Pedelecs »mit ausgewählten Flottenpartnern«. Aber der Modellsaison 2018/2019 soll das System serienreif für alle Fahrradhersteller verfügbar sein. Da Bosch auch Anbieter für Motorradsicherheitstechnik ist wurde das System offensichtlich aus dieser Sparte abgeleitet.

Ist das Pedelec so ausgreift, dass Bosch keine anderen Innovationen mehr einfallen? Wer braucht ein ABS an einem Fahrzeug, das nur 25 km/h schnell ist? – Der Marktanteil der schnelleren 45er-Pedelecs liegt bei unter fünf Prozent.

Bosch verweist auf zwei Studien: Die eine Studie bezieht sich auf mehr als 500 Fahrradunfälle. Bei jedem fünften erfolgte der Sturz schon vor der Kollision. Das deutet auf falsches oder fehlendes Bremsverhalten. Die zweite Studie erfasst 5400 Fahrradunfälle und bestätigt, dass in drei von vier Kollisionen keine Bremsung erfolgte. Bosch meint, hier könnten ABS Abhilfe schaffen. Wie soll aber ein ABS helfen, wenn überhaupt nicht gebremst wird?

Pedelec-Unfälle werden nicht separat erfasst

Viel wichtiger ist aber die Tatsache, dass es sich bei den betrachteten Studien nicht um Pedelec-Unfälle handelt, sondern um Fahrradunfälle allgemein, die auch Pedelecs enthalten. Man kann es Bosch aber nicht zum Vorwurf machen, auf diese Zahlen zurückgegriffen zu haben, denn 25er-Pedelecs zählen rechtlich als Fahrräder und deshalb werden die Unfälle nicht separat erfasst, außer bei Unfällen mit Todesfolge. Um hier zu einer verlässlichen Aussage zu kommen, ob Fahren mit dem Pedelec gefährlicher ist, als mit dem konventionellen Fahrrad, müssten Polizei und statistisches Bundesamt die Pedelec-Unfälle auch als solche registrieren.

Eine weitere Gefahr für Radfahrer ist die Gefahr des Überschlags, wenn also das Fahrzeug gegen ein Hindernis trifft und sich das Hinterrad überschlägt. Diese Gefahr ist bei Pedelecs aufgrund des höheren Gewichts geringer, was allerdings nichts daran ändert, dass der Fahrer in einer solchen Situation aus dem Sattel gehoben wird und über den Lenker geht. Hier sollte noch eine andere Zahl zu denken geben: 65 Prozent der Radfahrer in Deutschland tragen nie einen Helm, 34 Prozent tragen ihn »gelegentlich« (Quelle: Emid), bleibt also nur ein Prozent, die immer einen Helm tragen. Vielleicht ist das ja ein Punkt, wo jeder Radfahrer sofort ansetzen kann, um die eigene Sicherheit zu erhöhen.