Automotive Ethernet Umdenken in Japan

Im japanischen Yokohama in der Nähe von Tokio fand der diesjährige IEEE-SA Ethernet & IP Automotive Technology Day statt.
Im japanischen Yokohama in der Nähe von Tokio fand der diesjährige IEEE-SA Ethernet & IP Automotive Technology Day statt.

Japans Regierung macht Druck: Bis 2020 sollen hochautomatisierte Fahrzeuge auf die Straße kommen. Für den Einsatz von Automotive Ethernet könnten diese ehrgeizigen Vorgaben den Durchbruch bei den bislang noch zögerlichen japanischen OEMs bedeuten.

Der 7. September 2013 war ein wichtiger Tag für Automotive Ethernet – auch wenn das damals wohl niemandem bewusst war. An diesem Samstag um 22:20 Uhr MESZ gab IOC-Präsident Jacques Rogge in Buenos Aires bekannt, dass die Olympischen Spiele 2020 in Tokio stattfinden werden. Schön für Japan, doch was hat die Vergabe eines sportlichen Großereignisses mit dem Einsatz von Ethernet im Auto zu tun? Viel mehr, als es zunächst den Anschein hat. Denn Japans Regierung will sich nicht nur als hervorragender Olympia-Gastgeber, sondern zugleich auch als technologisch führende Nation präsentieren. Konkret sollen dafür bis 2020 insbesondere auch autonome Fahrzeuge entwickelt werden. Diese Vorgabe von ganz oben stellt die japanischen OEMs vor eine gewaltige Herausforderung – die sich ohne den Einsatz von Automotive Ethernet kaum bewältigen lässt.

Bislang hat die traditionell gut abgeschottete Japan AG auf das Thema Ethernet im Auto eher zurückhaltend reagiert. Doch nun setzt offenbar ein Umdenken ein. Das beweist nicht nur der rege Andrang auf dem IEEE-SA Ethernet & IP Automotive Technology Day 2015 Ende Oktober in Yokohama, der mit mehr als 300 überwiegend japanischen Teilnehmern gut besucht war (Bild 1). Auch die Vorträge selbst zeigten, dass vor allem auf Seiten der japanischen Zulieferer das Interesse an der Automotive-Variante von Ethernet wächst. So ist etwa Yoshifumi Kaku, Denso, überzeugt davon, dass „Ethernet über das gesamte Fahrzeugspektrum, angefangen bei einfachen Modellen bis hin zu Luxusautos, eine weite Verbreitung finden wird“. Allerdings sieht Kaku noch einigen Entwicklungsbedarf in puncto Fehlererkennung und funktionaler Sicherheit, um automatisierte Fahrfunktionen umzusetzen.

Eine wichtige Rolle bei der Einführung von Automotive Ethernet in Japan spielt der Industrieverband JASPAR (Japan Automotive Software Platform and Architecture). Der 2004 gegründete Verband mit mehr als 140 Mitgliedern war der Gastgeber des diesjährigen Tech Day. Konkret beschäftigt man sich bei JASPAR u.a. mit den Anforderungen eines Automotive-Hochgeschwindigkeitsnetzwerkes der nächsten Generation. Wie Hideko Goto, Toyota, in seinem Vortrag erläuterte, sollen im Austausch mit anderen Organisationen wie der AVnu Alliance, der OPEN Alliance oder dem IEEE-Verband die japanischen Vorstellungen zum Thema Automotive Ethernet in einen globalen Standard einfließen. Allerdings kommt der Versuch, den weltweiten Entwicklungen in diesem Bereich noch einen eigenen Stempel aufzudrücken, recht spät. Während in Japan noch an der Definition der grundsätzlichen Ethernet-Anforderungen etwa für kamerabasierte Assistenzsysteme gearbeitet wird, setzen BMW, Jaguar oder VW Ethernet bereits in Serienfahrzeugen ein. Zudem sind die Standardisierungsprozesse beim IEEE zumindest auf PHY-Ebene so gut wie abgeschlossen.