Automotive Ethernet Congress 2017 Gestiegene Erwartungen

Am 07. und 08. Februar 2017 fand zum 3. Mal in  Folge der Automotive Ethernet Congress der WEKA Fachmedien in München statt.
Am 07. und 08. Februar 2017 fand zum 3. Mal in Folge der Automotive Ethernet Congress der WEKA Fachmedien in München statt.

Am 07. und 08. Februar 2017 fand zum dritten Mal in Folge der Automotive Ethernet Congress statt. Nach zwei gelungenen und inhaltlich informativen Veranstaltungen war die Erwartungshaltung der Teilnehmer immens hoch.

Der dritte Automotive Ethernet Congress konnte sich im Vergleich zu den vorangegangenen Veranstaltungen noch einmal deutlich vergrößern: Über 800 Teilnehmer, Referenten und Aussteller aus 25 Ländern wollten sich über die Fortschritte, die Ethernet im Fahrzeug macht, informieren. Die hohen Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Denn es zeigte sich deutlich, dass es nicht mehr um die Frage ging, ob Ethernet im Fahrzeug zum Einsatz kommen sollte, sondern wie. So gab Stefan Singer von NXP in seinem Vortrag „Ethernet wird erwachsen“ einen spannenden Einblick, warum sich NXP vor 13 Jahren dafür entschieden hat, auf Ethernet zu setzen. Die Frage »Warum Ethernet?« hat sich aber nicht nur der Halbleiterriese gestellt. In 19 Vorträgen führender Automobilhersteller wie PSA, BMW, Daimler, Hyundai oder Jaguar Land Rover und Zulieferern wie Continental, Bosch, Valeo sowie Magna gaben die Referenten fundierte Ein- und Ausblicke auf alle wichtigen Aspekte von Automotive Ethernet und gingen explizit auf neue Datenübertragungsraten, EMV-Herausforderungen oder Safety und Security ein.

Auf dem Weg zu 10 Gbit/s-Ethernet
Jean-François Salessy, R&D Senior Vice President sowie E/E-Leiter von der Groupe PSA gab in seiner Keynote »Hin zu einem Ethernet und IP Backbone« einen Überblick über den Entwicklungsstand beim französischen Automobilhersteller und betonte, dass PSA an der IEEE-1-Gigabit-Initiative beteiligt ist. »Wenn man sich die Branche weltweit anschaut,  dann kann man sehen, dass der Trend schon immer zu hohen Bandbreiten ging. Deshalb sind die Chancen groß, dass auch 100 Mbit/s nicht das Ende der Fahnenstange ist.«
Das unterstrich Dr. Kirsten Matheus, BMW, deutlich in ihrem Vortrag: »10 Gbit/s Ethernet ist das Ziel, das wir erreichen wollen und die Herausforderung, der wir uns stellen müssen.«  Auf dem Weg dorthin sind Zwischenstufen sinnvoll. Welche Datenraten vom Publikum präferiert wurden, zeigte eine kurze Umfrage, die Dr. Matheus den Teilnehmern stellte: Während für 2,5 Gbit/s nur wenige Hände nach oben gingen, befürworteten viele Teilnehmer eine zusätzliche 5 Gbit/s-Ethernet-Variante.  Darüber hinaus stellte sie die Frage in den Raum, ob ein Support der Bustechnologie für 10 Mbit/s notwendig ist.

Workshops : Von der Theorie in die Praxis
Neu in diesem Jahr waren fünf zweistündige Workshops: Tipps für die Implementierung eines optimalen Protokollstacks, Safety: Sichere und zuverlässige Automotive Netzwerk-Architektur sowie Ethernet/IP-Security,  Wie viel Standardisierung ist notwendig? Sowie Open Alliance TC 10: Wake up- und Sleep-Mechanismen boten den Teilnehmern nicht nur die Möglichkeit ihr Wissen aktiv zu vertiefen, sondern auch konkrete Fragen und Problemstellungen zu diskutieren. Die Leiter der Workshops, Alon Regev, Enrique Labarta und Sebastian Sattler von Ixia, John Lesli und Hari Parmar von Jaguar Land Rover, Dr. Kirsten Matheus, BMW, Eric Dequi und Yves Emmanuel Le Bobinnec von der Groupe PSA sowie Dr. Rajeev Roy von NXP fassten Zielsetzung, den Erarbeitungsprozess sowie Ergebnisse in einer halbstündigen Session am zweiten Tag für alle Teilnehmer zusammen.

Safety und Security
Nachdem zu Beginn des zweiten Tages John Leslie die Teilnehmer auf eine „Ethernet-Reise bei Jaguar Land Rover mitnahm und Dongok Kim aufzeigte, wieweit der Stand der Technik bei Hyundai fortgeschritten ist, widmete sich die umfangreichste Session des Kongresses dem Thema Safety und Security. »Erfüllen wir den gestiegenen Bedarf einer sicheren Kommunikation«, fragte Harald Zweck von Infineon mit seinem Vortrag. Etwa alle zwei bis drei Jahre attackiert eine neue Virus-Variante – nicht nur im Fahrzeug – und zwar sehr überraschend für jedermann. Grundursache im Auto: Fahrzeuge werden immer komplexer, so dass die Risiken für eine Cyberattacke steigen. Schließlich formulierte es schon Bruce Schneider, Experte für Kryptographie und Computersicherheit, treffend: »Komplexität ist der Feind der Security.« Fazit von Harald Zweck: »Security darf nicht nur Software-seitig stattfinden. Wir müssen Security grundsätzlich verbessern – und zwar sowohl seitens der Hardware- als auch der Software.« Timo Lothspeich von Robert Bosch betonte die Notwendigkeit nach Automotive Ethernet Security: „Wer die Fahrzeugkommunikation kontrolliert, kontrolliert auch die Funktionalität des Fahrzeugs. Jedem sollte bewusst sein, dass nicht einfach nur Ethernet im Fahrzeug eingeführt wird, sondern eine große Anzahl an angreifbaren Protokollen.« Auch Christian Humig von Continental erklärte kurz und bündig: »Neue Funktionen und Geschäftsmodelle, wie automatisiertes Fahren bzw. Over-the-Air-Update benötigen ein sicheres und zuverlässiges Architektur- und Netzwerkkonzept.«
Last but, not least zeigten in der letzten Session »Applying Automotive Ethernet« mit Valeo und Magna zwei Zulieferer konkrete Anwendungen im Bereich Fahrerassistenzsysteme.

Der Kongress wurde durch rege Diskussionen in der begleitenden Ausstellung mit 38 Unternehmen abgerundet. Das gezeigte Portfolio reichte vom Halbleiter, über Steckverbinder und Kabelsysteme, Testlösungen bis hin zu konkreten Demos wie zum Beispiel Gigabit-Ethernet-TSN oder  1000BaseT-Medienkonverter.

Der nächste Automotive Ethernet Congress wird am 30. und 31. Januar 2018 in München stattfinden. Interessenten können sich bereits jetzt unter www.automotive-ethernet-congress.de registrieren, um weitere Informationen über den vierten Automotive Ethernet Congress zu erhalten.

 

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Automotive Ethernet Congress 2017

Am 7./8. Februar 2017 fand zum dritten Mal sehr erfolgreich der Automotive Ethernet Congress in München statt.