Weißbuch zum autonomen Fahren Nicht nur eine technische Herausforderung

Autonomes Fahren ermöglicht einen Mobilitätswandel, der vielfältige gesellschaftsrelevante Fragen aufwirft.
Autonomes Fahren ermöglicht einen Mobilitätswandel, der vielfältige gesellschaftsrelevante Fragen aufwirft.

Die Daimler-und-Benz-Stiftung hat das Weißbuch ihres Förderprojekts »Villa Ladenburg – Autonomes Fahren« präsentiert. Es soll als interdisziplinäre Wissensbasis eine breite Diskussion zu den technischen und gesellschaftlichen Folgen autonomer Fahrzeuge anstoßen.

Im Projekt Villa Ladenburg fördert die Daimler-und-Benz-Stiftung seit über zwei Jahren Wissenschaftler, die sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen des autonomen Fahrens auseinandersetzten. Das Projekt wurde mit Stiftungsmitteln in Höhe von 1,5 Millionen Euro unterstützt. Das Kernteam des Förderprojekts wird von Markus Maurer, Barbara Lenz, Hermann Winner und J. Christian Gerdes gebildet. Sie beriefen rund zwanzig weitere Kollegen und wissenschaftliche Mitarbeiter zu einem internationalen Netzwerk. Im Weißbuch stellen die Forscher in individuellen Autorenbeiträgen ihre wissenschaftlichen Analysen vor. Das Buch setzt sich u.a. mit der Daten- und Unfallsicherheit, der Implementierung autonomer Fahrzeuge in das Verkehrssystem sowie den rechtlichen Rahmenbedingungen auseinander.

 

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Autonomes Fahren und die Folgen

Förderprojekt „Villa Ladenburg – Autonomes Fahren“ der Daimler-und-Benz-Stiftung

Eckard Minx, Vorstandsvorsitzender der Daimler-und-Benz-Stiftung, betont bei der Buchpräsentation Anfang Mai in Berlin, dass das Weißbuch noch keine endgültigen Lösungen biete können, sondern vor allem als Diskussionsgrundlage gedacht sei: „Wir befinden uns in einer Zeit des Übergangs, wo es beim autonomen Fahren noch mehr Fragen als Antworten gibt.“

Für die Zukunft erwartet Thomas Weber, Forschungsvorstand bei Daimler und Vorsitzender des Stiftungsrats, dass „das Fahrzeug zum dritten Lebensraum wird“. Wie autonomes Fahren den Innenraum des Autos in Richtung eines privaten Rückzugsraums verändern kann, hat Daimler mit dem Forschungsfahrzeug F 015 Luxury in Motion auf der CES in Las Vegas gezeigt. Weber legt allerdings Wert auf die Feststellung, dass das Forschungsfahrzeug ganz bewusst auch mit einem Lenkrad ausgestattet ist: „Das ist wie bei beim Skifahren – hoch lässt man sich gern vom Lift bringen, aber angenehme Dinge wie die Abfahrt übernimmt man selbst.“

Für die Gegenwart hebt Weber die Bedeutung von Fahrzeugtests hervor: „Wir müssen in Deutschland die besten Testmöglichkeiten für autonome Fahrzeuge haben.“ Dafür gebe es inzwischen auch eine politische Unterstützung, so dass mit Ausnahmegenehmigungen Tests überall möglich seien. Ethische Fragen spielen nach Webers Einschätzung bei der konkreten Fahrzeugentwicklung in den nächsten Jahren noch keine Rolle: „Es geht einfach darum, Unfälle immer sicherer zu vermeiden.“