Virtuelle und reale Welt kombinieren Multikamerasystem von Bosch erleichtert das Einparken

Im Monitorbild des neuen Multikamerasystems von Bosch verschmelzen virtuelle und reale Welt. Sein Fahrzeug sieht der Fahrer als detailgetreues 3D-Modell mit Designmerkmalen wie Sicken und Kanten.
Im Monitorbild des neuen Multikamerasystems von Bosch verschmelzen virtuelle und reale Welt. Sein Fahrzeug sieht der Fahrer als detailgetreues 3D-Modell mit Designmerkmalen wie Sicken und Kanten.

Bosch zeigt auf der IAA 2015 sein neues Multikamerasystem, das das Einparken erheblich vereinfacht. Mit dem System hat der Fahrer beim Rangieren überall dort seine Augen, wo sie gerade notwendig sind. Für die Umsetzung greift der Zulieferer auf 3D-Visualisierungstechniken.

Das Multikamerasystem, das aktuell bei einem europäischen Premiumhersteller in Serie geht, besteht aus vier Nahbereichskameras. Eine schaut nach vorne, eine nach hinten, die seitlichen zwei sind in die Außenspiegel integriert. Mit einem Öffnungswinkel von jeweils 190 Grad erfassen sie das komplette Fahrzeugumfeld.

 

Im Monitorbild verschmelzen virtuelle und reale Welt. Der Fahrer sieht sein Auto dabei als detailgetreues 3D-Modell mit Design-Merkmalen wie Sicken und Kanten. Auch Lenkeinschläge und das Drehen der Räder werden animiert dargestellt. Die Umwelt um das Fahrzeug herum erscheint dagegen in Echtzeitbildern. Über einen berührungsempfindlichen Bildschirm kann der Fahrer beispielsweise fast alle erdenklichen Perspektiven wählen. Er kann vor die Motorhaube blicken oder hinter den Kofferraum, die Fahrzeugflanken entlang oder das Fahrzeug in der Vogelperspektive sehen. Beim Wechsel der Perspektive fliegt die Kamera optisch um das Auto herum zur gewünschten neuen Position. Dank hoher Rechenleistung wird die Fahrzeugumgebung dabei weiter in Echtzeitbildern angezeigt.

Die größte Herausforderung – so Bosch – liegt dabei in einer möglichst realistischen Bilddarstellung. Um die Bilder der einzelnen Nahbereichskameras in den Überlappungsbereichen möglichst verzerrungsfrei zusammenzufügen, werden die Schnittkanten je nach Perspektive dynamisch angepasst. Damit sind Objekte auch an den Nahtstellen der Bilder gut sichtbar. Außerdem erfolgt im Steuergerät eine Sensordatenfusion – die Bilder der Kameras werden mit den Entfernungsinformationen von Ultraschallsensoren zusammengeführt. Mit den so erhaltenen Daten wird um das virtuelle Fahrzeugmodell herum eine dreidimensionale, dynamische Drahtgitterstruktur erzeugt, die in ihrer Form situationsabhängig dem jeweiligen Umfeld angepasst wird. Auf diese Drahtgitterstruktur projiziert der Zulieferer das Echtzeitbild der Nahbereichskameras. Im Vergleich zu zweidimensionalen Systemen erscheinen dadurch aufragende Objekte realistischer und nicht wie aus der senkrechten Vogelperspektive betrachtet. Der Autofahrer profitiert davon doppelt: Zum einen ist im Monitorbild der Horizont zu sehen, so dass er sich besser orientieren kann. Zum anderen sind selbst kleine Hindernisse deutlicher zu erkennen.