Interview mit NVIDIAs Europa-Chef Jaap Zuiderveld »Mich interessieren unsere Kunden und nicht ein ZVEI-Papier«

Die etablierten Chip-Hersteller sind in Aufruhr: Neue Wettbewerber aus dem Konsumer-Bereich mit NVIDIA an der Spitze drängen in die Automobilindustrie, über ein ZVEI-Papier wurde die Abwehrschlacht gegen die unerwünschte Konkurrenz eingeleitet. NVIDIAs Europa-Chef lassen diese Aktivitäten kalt, wie er der ELEKTRONIK Automotive im Exklusivinterview verriet.

Elektronik Automotive: Herr Zuiderveld, lassen Sie uns mit Ihrer letzten Quartalsbilanz anfangen. Ihr Umsatz wuchs um 4 %, aber Ihr Gewinn ging um 2 % zurück. Warum wurde NVIDIA im Vergleich zum Vorjahr unprofitabler?

Jaap Zuiderveld: Ich kann Sie beruhigen. Es sind lediglich Wechselkurseinflüsse, dazu haben wir unsere Investitionen in Mitarbeiter und Technologie deutlich erhöht.

Elektronik Automotive: Die europäischen Zahlen, geschweige denn die deutschen, weisen Sie nicht separat aus, können Sie mir dennoch etwas verraten?

Zuiderveld (lacht): Das könnte ich, aber das wäre nicht gut für meinen Job. Aber ich kann Ihnen sagen, dass wir 2014 in Automotive 183 Mio. Dollar umgesetzt haben, das sind 4 % des Gesamtumsatzes. Der größte Teil dieser 183 Mio. Dollar wurde in Deutschland generiert und zwar primär in einer wachsenden Anzahl von Modellen der beiden Hersteller BMW und Audi. Sie haben ja immer begeistert vom Audi TT geschrieben, was ich ja auch verstehe, da Sie ja selbst einen fahren…

Elektronik Automotive: Woher wissen Sie das denn???

Zuiderveld (lacht): Meinen Sie, ich bereite mich nicht vor? Aber im Ernst: Im neuen Audi Q7 werden ja gleich 4 Tegra-Prozessoren verbaut sein...

Elektronik Automotive: …das ist im TT m.W. nicht der Fall und für mich aus Halbleitersicht daher natürlich deprimierend !

Zuiderveld: (lacht)

Elektronik Automotive: Lassen Sie uns zu Ihrem Ausstieg aus dem Modem-Geschäft kommen, darf ich daraus schließen, dass Sie nicht länger Interesse am Smartphone-Geschäft haben?

Zuiderveld: Das ist korrekt. Wir sehen da nicht genug Möglichkeiten zur Differenzierung mehr, es wird immer mehr zum Massenprodukt, wo Sie nur über den Preis verkaufen können. Wir fokussieren und jetzt auf 4 Bereiche: Automotive, Enterprise u.a. mit selbstlernenden Algorithmen, Cloud-Services – wir wollen z.B. ein Netflix für Gaming aufbauen – Gaming ganz allgemein mit unseren Grafikkarten, wo wir 72 % Marktanteil bei den PCs haben.

Elektronik Automotive: Dafür ist die Anzahl der Chips, die Sie Autoherstellern verkaufen können, sehr limitiert im Vergleich zu Smartphones. Und der PC-Markt sinkt, der Tablet-Markt wächst langsamer als der Smartphone-Markt….

Zuiderveld: Dafür haben Sie höhere Margen. Heute fahren ca. 8 Mio. Autos mit unseren Chips. Wir glauben, dass wir das um 25 Mio. hochschrauben können. Nehmen Sie mal unsere neuen Plattformen Drive PX und CX, da geht es nicht nur darum, Chips zu verkaufen, sondern auch Services, Software u.s.w. NVIDIA entwickelt sich vom reinen Chip-Verkäufer in Richtung eines Service-Anbieters, das ist sicher.

Elektronik Automotive: Ihre Tegras konkurrieren bei ADAS-Anwendungen, wo es auf hohe Parallelisierbarkeit ankommt, primär mit FPGAs. Wo sehen Sie Ihre Vorteile?

Zuiderveld: Es ist sicher nicht der Preis, aber die gesamten sogenannten Cost of Ownerchip. Wie schnell kommen Sie auf den Markt? Autohersteller haben Zyklen von 2-5 Jahre, während in der Kosnumer-Industrie jedes Jahr neue Geräte kommen. Autohersteller müssen zukünftig „on the fly“ Änderungen vornehmen können, und das ist mit unserer Technologie möglich. Desweiteren bekommen Sie von NVIDIA eine Ein-Chip-Lösung, die gerade diese Updates einfacher macht. Ich denke, es stehen dramatische Veränderungen in der Industrie an.