VDI-Kongress ELIV 2017 »Die Ruhe vor dem Sturm«

Flaute in Deutschland beim Thema Elektromobilität? »Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm«, ist sich Uwe Michael, Porsche, sicher.
Flaute in Deutschland beim Thema Elektromobilität? »Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm«, ist sich Uwe Michael, Porsche, sicher.

Am 18. und 19.10.2017 fand der VDI-Kongresses ELIV – kurz für Electronics in Vehicles – zum ersten Mal im World Conference Center Bonn statt. Mehr als 1.700 Teilnehmer wollten die 70 Plenar- und Fachvorträge rund um die Themen autonomes Fahren, Vernetzung, Security und Elektromobilität hören.

Die gute Nachricht gleich zum Anfang des Kongresses: Das WLAN funktionierte – was in Baden-Baden nicht immer der Fall war – und so konnten die Teilnehmer zahlreich der Aufforderung von Uwe Michael, Leiter Elektronik Entwicklung bei Porsche, nachkommen, darüber abzustimmen, was ihrer Ansicht nach, die wichtigsten Herausforderungen der Branche sind.  Das waren: autonomes Fahren, Security und Elektromobilität. Insbesondere in Hinsicht auf das automatisierte und später autonome Fahren betonte Michael, das sich Automobilhersteller und Zulieferer Herausforderungen stellen müssen, die alleine nicht mehr bewältigt werden können. Er empfahl daher:  »Haben Sie keine Angst Partnerschaften einzugehen, wir werden es alleine nicht schaffen«.  Auch Elmar Frickenstein, Bereichsleiter Autonomes Fahren bei BMW erklärte in seiner Keynote, dass es bei BMW für den Bereich autonomes Fahren eine eigene Organisationseinheit für das Partnering gibt. Er wies mit Nachdruck darauf hin: »Wir brauchen beim autonomen Fahren die Breite an Partnern – alleine können wir die technischen Herausforderungen nicht in vollem Umfang lösen. Ohne Partnerschaften stehen wir alle ansonsten irgendwann alleine vor dem Richter.« BMW beispielsweise hat zusammen mit seinen Partnern Intel und Mobileye 2016 die Plattform für autonomes Fahren ins Leben gerufen. Mittlerweile sind daran nicht nur Zulieferer wie Delphi, Continental oder Magna beteiligt, sondern mit Fiat Chrysler auch der erste Automobilhersteller.

Security

Mit der Herausforderung autonomes Fahren einher geht die Security. Denn wer möchte schon in einem Fahrzeug sitzen, auf das er keinen Einfluss mehr nehmen kann, wenn es gehackt wird? Sicherlich niemand. Doch wie gehen Automobilhersteller mit der Herausforderung um, Funktionen zu entwickeln, die nicht mehr abgeschlossen im Fahrzeug sind? »Mit dem autonomen Fahren muss kompromisslose Security betrieben werden«, fasste Helmut Matschi, Mitglied des Vorstands Division Interior bei Continental die Herausforderung zusammen. Daher widmete sich die ELIV erstmals in einem separaten Themenblock der Security. Um die Vorträge im Vorfeld optimal bewerten zu können, fand sich die IT-Branche erstmals im Programmausschuss wieder.

Elektromobilität

Zu niedrige Reichweite, eine noch mangelhafte Infrastruktur und trotz Prämie zu teure Fahrzeuge – das Thema Elektromobilität dümpelt in Deutschland noch vor sich hin. Doch Uwe Michael ist sich sicher: »Elektromobilität wird in Deutschland bald richtig durchstarten. Momentan herrscht nur die Ruhe vor dem Sturm.« Unter dem Motto Elektromobilität 2025 zeigte beispielsweise Porsche als CharIn-Mitglied den Weg zu einem globalen Ladestandard, wie dem Combined Charging System (CCS). Denn nur eine einheitliche Schnittstelle wird dazu beitragen, dass sich Elektromobilität durch eine einfache Nutzerhandhabung durchsetzt. Im Anschluss präsentierte Mahle die Herausforderungen eines 48-V-Fahrantriebs mit 20 kW mechanischer Dauerleistung. Auch Volkswagen widmete sich dem Hochleistungsladen und aktuelle Aktivitäten in der internationalen Standardisierung, bevor die Batterieoptimierung in den Fokus rückte. So stellte zum Beispiel Bosch das State-of-Charge-Swing-Verfahren (SoC-Swing) vor, um Fahrzeugbatterien zu verbessern.

Daimler gab abschließend einen Überblick über die Herausforderungen in der heutigen Batterieentwicklung, wie eine hoche Energiedichte, lange Lebensdauer, Leistung, Schnellladefähigkeit, Sicherheit und natürlich Kosten und gab schlussendlich einen Ausblick auf die Strategie des Automobilherstellers.

 

Digitalisierung

Noch ein Thema, das in Deutschland und Europa noch nicht richtig durchgestartet ist: Digitalisierung. Und wer könnte dazu einen besseren Überblick geben als der ehemalige EU-Kommissar für die Digitale Gesellschaft und Wirtschaft Günther Oettinger. In einer mitreißenden Rede, für die es Standing-Ovation gab, betonte er nicht nur, dass es Deutschland keinen digitalen Binnenmarkt hat und schleunigst daran arbeiten muss, sondern mahnte auch: »Wenn wir nicht im Sandwich zwischen den USA und China erdrückt werden wollen, müssen wir in Deutschland und Europa aufholen und gemeinsam an einem Strang ziehen.«

Wenn man also ein Fazit aus der ELIV ziehen kann, dann wohl: Nur gemeinsam ist die deutsche Automobilindustrie stark und wird zukünftsfähig bleiben.

 

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ELIV 2017

Autonomes Fahren, Security und Elektromobilität im Fokus