Auf Freescale Technology Forum erstmals veröffentlicht 66 Unterschiede zwischen Konsumer- und Automobilelektronik

In einem im Oktober 2014 veröffentlichten Positionspapier warnt der ZVEI bzw. die in einer entsprechenden Arbeitsgruppe organisierten Mitgliedsfirmen vor dem Einsatz von Konsum-Halbleiter-Chips im Automobil. Beim FTF 2015 wurden neue Details enthüllt.

In einer Präsentation auf Freescales Technology Forum 2015 enthüllte der Leiter der für das Positionspapier verantwortlichen Arbeitsgruppe, Stephan Lehmann (Director Quality EMEA bei Freescale) weitere Details, die bislang vom ZVEI selbst noch nicht publiziert wurden.

Insbesondere sind auf Seite 16 von Lehmanns Präsentation die in dem Papier angesprochenen 66 Unterschiede zwischen Konsumer- und Automobilelektronik aufgelistet, welche der ZVEi bislang noch nicht publiziert hat.

Lehmann erklärte, der von der ZVEI-Arbeitsgruppe, in der neben Freescale auch alle anderen in der Automobilindustrie etablierten Halbleiterhersteller wie z.B. NXP, ST Microelectronics, Infineon, Atmel und TI mitarbeiten, gewünschte Zusammenarbeitsprozess zwischen OEMs, Tier-1s und Lieferanten sei noch wichtiger als die Halbleiterstandards an sich. Das Fact-Sheet sei zudem von OEMs bestätigt worden, bislang habe es kein negatives Feedback auf das ZVEI-Papier gegeben.

Eine große Frage hinsichtlich des ZVEI-Papiers verbleibt freilich, nämlich inwieweit die von den etablierten Herstellern angegriffenen "Newcomer" aus dem Konsumer-Bereich, hierbei handelt es sich unwidersprochen primär um die Chip-Hersteller NVIDIA, Qualcomm und Intel, tatsächlich Halbleiter aus dem Konsumer-Bereich verbauen. Während dies die Mitglieder der ZVEI-Arbeitsgruppe laut Lehmann nicht wissen, da sie darüber seitens der OEMs keine Informationen erhalten, hat NVIDIAs Europa-Chef Jaap Zuiderveld dies im Exklusiv-Interview mit der Fachzeitschrift Elektronik Automotive vehement bestritten. Er erklärte vielmehr, dass die von NVIDIA gelieferten Tegra-Prozessoren speziell für Automotive-Anforderungen entwickelt wurden.

Ein weiterer interessanter Aspekt in Lehmanns Vortrag war die Berechnung zu zukünftigen neuen 32-bit-Mikrocontroller-Designs. Abgeleitet von Marktgröße und Investitionsvolumina berechnete er für eine 28-nm-Fertigung über alle Hersteller nur noch 33 Neu-Designs, weniger als die Hälfte als bei der 55-nm-Fertigung.