Elektroauto-Serienfertigung in Norwegen gestartet

Stadtautos – Kleinwagen mit Elektroantrieb – können die Innenstädte vor Lärm, Abgasen und Feinstaub verschonen. Ihre noch häufig bemängelten Nachteile...

Stadtautos – Kleinwagen mit Elektroantrieb – können die Innenstädte vor Lärm, Abgasen und Feinstaub verschonen. Ihre noch häufig bemängelten Nachteile – begrenzte Reichweite und Geschwindigkeit, wenig Platz und Komfort – kommen auf den Kurzstrecken im Stadtverkehr so gut wie nicht zum tragen. Dafür haben sie unschlagbar niedrige Verbrauchskosten pro Kilometer.

Ein Zweisitzer für die Stadt ist das „TH!NK city“ genannte Elektroauto des norwegischen Herstellers Think Global (www.en.think.no). Das Unternehmen geht auf die „Personal Independent Vehicle Company“ (PIVCO) zurück, die Mitte der 90er Jahre Elektroautos entwickelte. 1998 entstand dort gemeinsam mit Lotus Engineering die vierte Elektroautogeneration, der TH!NK. Im darauffolgenden Jahr kaufte Ford das Unternehmen und benannte es in Think Nordic AS um. 2004 trennte sich Ford wieder von den norwegischen Elektroautobauern, die nun unter der Leitung von Jan-Olaf Willums, ehemals Chef bei Volvo Petroleum und Direktor des World Business Council on Sustainable Development, das Elektro-Stadtauto in Serie bauen.

Der 3,12 m lange Kleinwagen soll im Sommer mit aktiver Klimaanlage eine Reichweite von 170 bis 180 km erreichen. Im Winter reduziert die elektrische Heizung – 4 kW, betrieben mit 3,5 kW – die Reichweite auf 90 km. Als Energiespeicher kommen im TH!NK city derzeit Natrium-Nickelchlorid-Zellen – Na für die negative Elektrode, NiCl2 für die positive Elektrode – mit 28 kWh zum Einsatz. Sie nutzen ein Aluminiumoxid, das Natriumionen enthält, als Festelektrolyten und erfordern eine Temperatur von 270 °C, damit die Natriumionen beweglich werden. Die hohe Betriebstemperatur setzt eine gute Isolierung und eine Temperaturregelung für die NaNiCl-Zellen voraus. Sie bieten eine Energiedichte, die etwa fünfmal höher ist als bei Blei-Akkus, und haben eine Zellspannung von 2,58 V. Ein Umstieg auf Li-Ionen-Akkus von EnerDel (www.enerdel.com) scheint jedoch bereits geplant zu sein. Im Oktober 2007 schloss Think Global mit EnerDel einen Liefervertrag im Wert von 70 Mio. Dollar.

Die Angaben zur Leistung des TH!NK city beschränken sich auf die elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h und die Beschleunigung – von 0 auf 50 km/h in 6,5 s, bis 80 km/h erreicht sind, dauert es 16 s. Geladen wird der Akku des kleinen Elektroautos am 230-V-Netz. Als Ladezeit werden zehn Stunden angegeben. Der TH!NK city wird nur in Norwegen verkauft und kostet ab 199 000 Kronen (ca. 25 300 Euro) zuzüglich „Mobility-Vertrag“ – 975 Kronen/ Monat (ca. 124 Euro) Miete für den Akku. (Harry Schubert)