Effizienz in der Supply Chain – (k)ein Hürdenlauf

Materialeinkauf und -management stellen für Elektronik produzierende Unternehmen wie OEMs und EMS-Provider einen wichtigen Erfolgsfaktor dar, zählen aber nicht immer zu deren Kernkompetenzen. Die Einführung von Supply-Chain-Lösungen gerät für viele Firmen regelrecht zum Hindernisparcours. Mit einem geeigneten Distributor an der Hand lassen sich passende SCM-Lösungen effizient implementieren und die Gesamtbeschaffungskosten für das Unternehmen senken.

Materialeinkauf und -management stellen für Elektronik produzierende Unternehmen wie OEMs und EMS-Provider einen wichtigen Erfolgsfaktor dar, zählen aber nicht immer zu deren Kernkompetenzen. Die Einführung von Supply-Chain-Lösungen gerät für viele Firmen regelrecht zum Hindernisparcours. Mit einem geeigneten Distributor an der Hand lassen sich passende SCM-Lösungen effizient implementieren und die Gesamtbeschaffungskosten für das Unternehmen senken.

Weil Verwaltungs-, Qualitäts- und Materialmanagementkosten oft nur schwer zu ermitteln sind, betrachtet ein Unternehmen innerhalb der Beschaffungskosten in der Regel zunächst die Lagerkosten. Im ersten Schritt muss die durchschnittliche Lagerdauer reduziert werden. Grund für die oft zu hohe durchschnittliche Lagerdauer ist die schwankende Lieferzeit der Produkte. Gelingt es, die Lieferzeit des Lieferanten verlässlich zu reduzieren, lässt sich der eigene Lagerbestand genau auf diese Lieferzeit ausrichten, ohne sonstige Änderungen im bestehenden System. Dazu muss man jedoch sicherstellen, dass der Lieferant möglichst früh über die geplanten Bedarfszahlen informiert wird und seine Lagerhaltung dementsprechend disponiert, um lieferfähig zu bleiben.

»Eine Möglichkeit ist, die dispositiven Aufgaben auf Kundenseite zu reduzieren und hin zum Distributor zu verlagern. Dieser kann die kompletten Bedarfe, die innerhalb der entsprechenden Wiederbeschaffungszeit anfallen, in ein kundenspezifisches Sicherheitslager überführen und bereithalten. Bedarfsschwankungen lassen sich auf diese Weise ohne Aufwand kurzfristig abfangen«, gibt Gerald Meier, Marketing Manager bei Future Electronics, zu Bedenken.

Sicherheitsbestand hilft Kosten senken

Da der Sicherheitsbestand eine wesentlich geringere Umschlagshäufigkeit als der mittlere Lagerbestand aufweist, kann seine Senkung zu deutlich niedrigeren Lagerhaltungskosten beitragen. Wichtige Faktoren bei der Planung der Sicherheitsbestände sind die Wiederbeschaffungszeit, der zu erwartende Prognosefehler und die Lieferbereitschaft.

»Der Einfluss des Sicherheitsbestands auf die Lieferbereitschaft verläuft nicht linear, sondern die Lagerhaltungskosten für hohe Werte in der Lieferbereitschaft wachsen infolge hoher Sicherheitsbestände viel stärker als die Lieferbereitschaft selbst«, erläutert Edgar Huber, Leiter Marketing-Kommunikation bei Rutronik Elektronische Bauelemente. »So erzielt eine geringfügige Verbesserung einer bereits hohen Lieferbereitschaft unverhältnismäßig erhöhte Sicherheitsbestände und schlägt sich folglich in höheren Bestands- und Lagerhaltungskosten nieder.« Dadurch ist eine Lieferbereitschaft von 100 Prozent theoretisch nur mit einem unendlich großen Sicherheitsbestand erreichbar.Je kürzer die Wiederbeschaffungszeit, desto niedriger lässt sich der Sicherheitsbestand ansetzen. Die Differenz zwischen dem vorhergesagten und dem tatsächlich eingetroffenen Wert gilt als ein bei der Bedarfsprognose unterlaufener Fehler.

Genauigkeit im Forecast

Je genauer die Nachfrageprognose ist, desto niedriger fällt die Standardabweichung aus, und desto niedriger muss man den Sicherheitsbestand ansetzen, um den Bedarf mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit zu decken. Beim so genannten »Rolling Forecast« übermittelt der Kunde die entsprechenden Daten regelmäßig an den Lieferanten. Der Lieferant erstellt im Vorfeld ein kundenspezifisches Programm (Mapping), das den Datensatz vollautomatisch ausliest. Minimalanforderungen an den Inhalt sind Artikelnummer, Bedarfsmenge und -datum. Bei tiefergreifenden Lösungen wie VMI (Vendor Managed Inventory) sind Angaben über Lagerbestände, Mindest- oder Maximallagerbestände und Auftrags- oder Rahmennummern nötig.

VMI bietet erhebliche Potenziale zur Optimierung der Bestände entlang der Supply Chain: »Über transparente Prozessketten und Rechenoperationen können die Partner kollaborative Planungsprozesse einleiten und die Prognosegüte erheblich verbessern«, konstatiert Edgar Huber. Die ermittelten Gesamtkosten fließen auch in die Dispositionsrechnungen ein. Anhand dieser Gesamtkosten kann der Lieferant die optimalen Losgrößen und Lieferrhythmen realisieren. Dabei wird die Lagerhaltung optimiert, die wiederum die Wiederbeschaffungszeiten und Sicherheitsbestände aufgrund der erhöhten Prognosegüte verkürzt. Diese Daten ermöglichen dem Lieferanten sowohl die bedarfsgesteuerte Lieferung als auch die Auswertung der Forecast-Daten zur eigenen Dispositionssteuerung.

Einzige »Hürde« ist, die entsprechenden Daten aus dem bestehenden PPS-System (Produktionsplanung und -steuerung) des Kunden zu exportieren. Gerald Meier dazu: »Die Erfahrung zeigt, dass viele Kunden intern bereits mit speziellen Dispositions-Listen arbeiten, um Lieferzugänge und Bestelländerungen zu überwachen. Meist spricht nichts dagegen, diese Listen ohne aufwändige Änderungen direkt zu verwenden. Darüber hinaus wird durch Einsatz der eigenen Formate auch eine zu enge Lieferantenbindung ausgeschlossen. Ziel muss es sein, dass sich der Lieferant an die bestehenden Systeme des Kunden anpasst.«

Die Daten werden mitunter auch über ein WEB-Portal zur Verfügung gestellt. »Dem Einsatz solcher Plattformen - auch WEB-EDI genannt – liegt oft die falsche Annahme zugrunde, dass alle Lieferanten unabhängig von deren Firmengröße die Möglichkeit haben sollten, auf die Bedarfsdaten bzw. -änderungen zuzugreifen«, erklärt Meier »Dabei übersieht man gerne, dass ein WEB-Portal alleine nicht unbedingt eine Prozessverbesserung auf Kundenseite, sondern vor allem eine Prozessverlagerung zum Lieferanten darstellt.« Dieser muss sich mit Nutzernamen und Passwort einloggen. Bedingt durch den Medienbruch steht dabei aber die Qualität der Bearbeitung in Frage, da sich ein manueller Zugriff auf Lieferantenseite nur schwer in regelmäßige Arbeitsabläufe integrieren lässt.