Lernen von den Marktführern: »Potenzielle Innovationen verstecken sich in der Wertschöpfungskette«

Die beste Idee nützt nichts, wenn kein Kunde sie braucht! Spitzeninnovatoren könnte so etwas nicht passieren. Sie verfolgen nur Ideen, die ihre Rendite nach oben treiben, wie Beispiele von Marktführern aus der Elektromechanik zeigen. Was kann man von Ihnen lernen?

Innovation Elektromechanik Bildquelle: © Dr. Wieselhuber&Partner

Johannes Spannagl ist Partner bei der Unternehmensberatung Wieselhuber&Partner und Experte für Innovationsmanagement. Er sagt: »Hohe F&E-Aufwendungen sind kein Garant für Erfolg! Innovationsklima und Führungsverhalten machen den entscheidenden Unterschied!«

Was ist Innovation?

Roland Bent hat bei Phoenix Contact als Geschäftsführer Marketing und F&E die Gesamtverantwortung für Forschung und Entwicklung und deren Vermarktung in einer Person. Er sagt: »Technologiescouting in kleinen Teams zur Entdeckung neuer technischer Impulse muss gemeinsam mit Leitkunden zu Pilotanwendungen führen!« Beispiel Elektromobilität – diese Innovation ist in Europa noch dabei, Markt und Kunden zu finden.

Phoenix Contact hat in diesem Sinne beispielhaft gehandelt und auch in China rechtzeitig Technologiescouting betrieben. China hat ja bekanntlich innerhalb des GB-Standards eine eigene Version des AC-Ladesteckers definiert, die dem europäischen Typ 2 stark ähnelt. In dem Phoenix Contact frühzeitig bei der Auslegung dieser GB-Norm mitgewirkt hat sind die Blomberger heute bereits mit über 6.000 Ladebuchsen  in Ladesäulen des chinesischen Herstellers Nari (Nanjing Automation Research Institute – einer Tochter des Netzbetreibers China State Grid) vertreten.

Mit dem Solar-Wechselrichter-Spezialisten SMA Solar Technology startete Phoenix Contact 2009 die Entwicklung einer neuen Kontaktierungstechnologie für den elektrischen Anschluss von Photovoltaik-Modulen an den Solar-Wechselrichter. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Leitungen häufig mittels Gehäuseverschraubungen in das Gerät geführt und intern verdrahtet.

Das war für den Handwerker nicht nur sehr aufwändig, sondern auch fehleranfällig. Die Methode sollte durch einen einfachen, komfortablen, dauerhaft sicheren und zuverlässigen Steckverbinder ersetzt werden.

Ein kleines Projektteam bei Phoenix Contact entwickelte anhand dieser Anforderungen mit der Sunclix-Familie eine Verbindungstechnologie, die der Handwerker ohne Spezialwerkzeug montieren kann und für die er zum Anschließen der Solarleitungen nicht mehr in den Wechselrichter eingreifen muss. Auch eine fehlerhafte Verwendung des Steckverbinders wurde nahezu ausgeschlossen. Heute ist die Sunclix-Familie für Phoenix Contact ein erfolgreiches Geschäft und weltweit verbreitet.  

Zweites Beispiel Rittal. Für Geschäftsführer Dr. Thomas Steffen ist es Ziel, Produkte mit echten Alleinstellungsmerkmalen zu entwickeln. »Früher galt es möglichst viele Neuprodukte auf Messen zu präsentieren. Heute steht klar die Fokussierung und Reduzierung des Portfolios im Vordergrund.«

Sichtbar wird diese Strategie in der Vermarktung von »Rittal - das System«: Rittal hat seine Produktlinien aus den Bereichen Schaltschränke, Stromverteilung, Klimatisierung und IT-Infrastruktur in einer System-Plattform gebündelt, anstatt einen Bauchladen an Produkten vorzuhalten. Der Vorteil für den Kunden: Schnellere Planung, Aufbau, Umbau und Inbetriebnahme, eine Reduzierung der Schnittstellen bei Planung, Beschaffung, Abwicklung und Service.

Johannes Spannagl ist Partner bei der Unternehmensberatung Wieselhuber&Partner und Experte für Innovationsmanagement. Er nennt im Gespräch die aus seiner Sicht wesentlichen Faktoren für Spitzeninnovation: