»Tyco Electronics ist auf einem guten Weg«

Dr. Jürgen W. Gromer, President von Tyco Electronics, konnte in den vergangenen acht Jahren den Umsatz des Unternehmens von 5 Mrd. Dollar im Geschäftsjahr 1999 auf rund 12,3 Mrd. Dollar im Jahr 2006 steigern. Zu Ende dieses Jahres tritt er als President zurück, wird dem Unternehmen aber im neu gebildeten »Board of Directors« erhalten bleiben.

Markt&Technik: Herr Dr. Gromer, Tyco Electronics stehen noch einige Aufgaben bevor - unter anderem die Refokussierung auf Kernkompetenzen. Was haben Ihre Kunden zu erwarten? 

Dr. Jürgen W. Gromer:
Im Wesentlichen verfolgen wir auch weiterhin unsere wohl etablierte und erfolgreiche Strategie. Für unsere Kunden wird es keine großen Veränderungen geben, jedoch haben wir bekannt gegeben, dass wir uns von einigen kleineren, nicht strategischen Geschäftsfeldern trennen werden. Das ist zum Teil auch schon vollzogen: So haben wir unser Leiterplattengeschäft, unsere Telecommunication Submarine Network sowie jüngst den Bereich Power Systems verkauft. Wir sprechen derzeit von rund 10 Prozent unseres Unternehmens, die nicht mehr zu unserem Kerngeschäft gehören.

Sie haben den Verkauf der Power-Systems-Sparte angesprochen. Den Unternehmensbereich, den Tyco Electronics  vor sieben Jahren von Lucent Technologies für rund 2,5 Mrd. Dollar gekauft hatte, haben Sie jüngst für 100 Mio. Dollar an das Private-Equity-Unternehmen Gores veräußert. Was ist falsch gelaufen?

Was passiert ist, lag außerhalb unserer Kontrolle, denn es kamen zwei ungünstige Faktoren zusammen: Erstens ist das Stromversorgungsgeschäft nach dem Boomjahr 2000/2001 stark zurückgegangen, weil der Tele- und Datenkommunikationsmarkt zusammengebrochen sind. Davon waren auch andere Mitbewerber betroffen. Zweitens hat uns die 'Kozlowski-Krise' getroffen, die es verhinderte, weiter in unsere Power-Systems-Sparte zu investieren.

Als wir in den Stromversorgungsmarkt eingestiegen sind, war unser klares Ziel, in dieses Segment deutlich zu investieren. Allerdings haben wir im Rahmen der Bereinigung dieser Affäre unsere Akquisitionstätigkeiten weitestgehend reduziert. Dadurch konnten wir die kritische Masse, die in diesem Segment erforderlich ist, nicht erreichen. Unser Ausweg wäre eine Low-Cost-Basis in China gewesen, die wir nicht hatten.

Wie wird Ihre künftige Tätigkeit für Tyco Electronics konkret aussehen?

Ich werde Tyco Electronics nicht verloren gehen. Ich sitze weiterhin im Board of Directors von Tyco Electronics. Dort werde ich mich auch weiterhin aktiv für das Unternehmen einsetzen. Daneben bin ich noch in diversen Ämtern tätig, unter anderem im Board of Directors der WABCO Corporation sowie von Marvell Technology Group Ltd. und RWE Rhein Ruhr AG.

Wie sehen Sie heute die Zukunft von Tyco Electronics?

Wir haben eine klare Strategie etabliert, die auch weiterhin mit aller Priorität verfolgt wird. Das Ziel ist es, unsere  Marktführerschaft und unseren technologischen Vorsprung weiter auszubauen. Ich bin sicher, Tyco Electronics ist auf einem sehr guten Weg. Nachdem das Unternehmen jetzt eine selbständige Aktiengesellschaft ist und wir nicht mehr von einer Holdingstruktur abhängen, können wir noch besser auf die Dynamik unseres Marktes reagieren. Wir werden künftig noch stärker in Forschung und Entwicklung investieren und auch wieder die eine oder andere Akquisition tätigen.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Markt&Technik, Ausgabe 50/51 vom 21.12.07.