Rittal: »Wachstum kann nur aus Innovation entstehen«

Als Schaltschrank- und Gehäusehersteller treibt Rittal die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in den unterschiedlichsten Bereichen voran.

Im Blickpunkt stehen Stromtankstellen für Elektrofahrzeuge ebenso wie neue Oberflächentechnologien und alternative Kühlkonzepte. Selbst das »Bio-Rack« aus Hanf und Flachs ist ein Thema der Forschungsaktivitäten. Geschäftsführer Bernd Eckel ist überzeugt: »Wachstum kann nur aus Innovation entstehen.«

Markt&Technik: Mit Ihrem Programm »Faszination Zukunft« (www.faszination-zukunft.de) zeigen Sie auf, wie sich die Gehäuse- und Schaltschranktechnik in den kommenden Jahren weiterentwickeln könnte. Überspitzt gefragt: Werden Sie beispielsweise mit dem vorgestellten »Bio-Rack« irgendwann Umsatz generieren können?

Bernd Eckel, Rittal: Als unser Firmengründer Rudolf Loh die Idee hatte, den ersten »Schaltschrank von der Stange« zu verkaufen, gab es den Markt für standardisierte Serien-Schaltschränke auch noch nicht! Die Strategie von Rittal beruht seit jeher darauf, als erstes Unternehmen mit neuen Produkten und Lösungen auf den Markt zu kommen bzw. den Markt für diese Produkte vorzubereiten. In unserem Programm »Faszination Zukunft« fassen wir Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zusammen, die zum Teil sehr weit nach vorne gerichtet sind. Nicht jede unserer Aktivitäten wird zu einem großen Markterfolg führen. Das hält uns aber nicht davon ab, neue Ideen und Visionen zu verfolgen.

Und dies ist auch schon sehr erfolgreich geschehen: Unsere Forschungsaktivitäten im Bereich der Oberflächentechnologie haben beispielsweise Einzug in unsere Serien-Kühlgeräte gehalten. Die »RiNano«-Beschichtung macht sich den Lotuseffekt zu Nutze. Sie weist den Schmutz ab, was dazu führt, dass die Kühlleistung der Rittal »TopTherm«-Kühlgeräte dauerhaft konstant bleibt. Daraus ergibt sich für unsere Kunden eine Kosten- und Zeitersparnis, weil sich die Wartungsintervalle deutlich verlängern und der Energieverbrauch drastisch sinkt.

Heißt das, Sie werden auch in der aktuellen Rezession die Ausgaben für Forschung und Entwicklung konstant halten?

Wir werden die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten nicht einschränken. Denn sonst würden wir uns die Lebensader abschneiden. Bei aller Diskussion um die gegenwärtige wirtschaftliche Situation dürfen wir nicht vergessen, woraus die Unternehmen in Deutschland entstanden sind: aus Innovation. Und genau diesen Weg wird Rittal weiter verfolgen. So haben wir aktuell neue Kühlgeräte entwickelt, die um 45 Prozent energieeffizienter sind als die gängigen Produkte am Markt. Diese haben wir auf der Hannover Messe dem Markt vorgestellt.

Wir entwickeln unter der Bezeichnung »RiGuard« ein echtzeitfähiges Lokalisierungs- und Trackingsystem für unterirdische Bergwerke und Tunnel, mit dem sich Personen und Gegenstände bis zwei Meter genau lokalisieren lassen, und wir haben jüngst ein erstes Konzept für Stromtankstellen für Elektroautos vorgestellt.

Dennoch kann sich Rittal sicherlich nicht der allgemeinen Marktsituation entziehen . . .

Auch die Schaltschrank- und Gehäuseindustrie ist von der Rezession betroffen. Und aus meiner Sicht gibt es heute überhaupt keine Anzeichen dafür, dass sich der Markt schnell erholen wird. Von Prognosen, die einen Aufschwung bereits in der zweiten Jahreshälfte glaubhaft machen wollen, halte ich daher sehr wenig. Die Historie hat uns gelehrt, dass sich der Markt nur langsam erholen kann. Ich gehe auch davon aus, dass sich der Schaltschrank- und Gehäusemarkt noch konsolidieren wird.