»Preiskampf nicht um jeden Preis!«

»Viele Schalterhersteller haben in ihrer Produktion Kapazitäten frei; die Preise werden weiter fallen«, prognostiziert Hanspeter Külb, Geschäftsführer von knitter-switch. Preiskampf um jeden Preis dürfe aber nicht die Strategie sein.

Markt&Technik: Ist die Schalterindustrie für das Jahr 2009 gewappnet?

Hanspeter Külb: Viele unserer Kunden und Distributoren arbeiten kurz. Der Umsatz im ersten Quartal 2009 lag in fast allen Bereichen deutlich unter dem des Vorjahres. Wir rechnen mit Insolvenzen von Kunden und vielleicht auch von Mitbewerbern. Hinsichtlich unserer Kunden hoffen wir, dass es nicht zu viele Firmen treffen wird. Wir selbst sind gut positioniert und sehen keine finanziellen Schwierigkeit auf uns zu kommen.

Was sind die größten Herausforderungen für Ihr Unternehmen?

Größtenteils sind diese nicht auf technischer Seite zu finden: Die Miniaturisierung ist quasi zu einem Stillstand gekommen, weil die Größe des Fingers die weitere Miniaturisierung bremst. Auch die Anforderung an die Robustheit der Komponenten ist in den vergangenen zwei Jahren nicht wesentlich gestiegen.

Die größte Herausforderung sehen wir in der Preisentwicklung: Der Preisdruck ist enorm, weil viele Hersteller Kapazitäten in ihrer Produktion frei haben und die Preise dadurch drücken. Die Frage ist: Können diese Hersteller bei länger anhaltender Durstrecke diese Strategie überleben? Wir werden jedenfalls nicht der Versuchung unterliegen, an Preiskämpfen um jeden Preis teilzunehmen. Denn das würde die Qualität unserer Produkte und die Kontinuität unseres Unternehmens gefährden. Im Endeffekt müsste dann der Kunde die Konsequenzen tragen, wenn seine Lieferanten nicht weiter existieren.

Dennoch verfolgen Sie eine Low-Cost-Strategie . . .

. . . und das, ohne schmerzliche Kompromisse bei der Qualität einzugehen. Wegen des Preisdrucks wandern immer mehr Produktionen nach China und in andere Länder mit niedrigen Produktionskosten ab. Wir verfügen über ein eigenes Qualitätscenter in China (Zhuhai), das jedes unserer in Fernost gefertigten Produkte zu durchlaufen hat.

Darüber hinaus überwachen unsere QC-Ingenieure ständig die Fertigungsprozesse und lösen Probleme vor Ort. Auf diese Weise können wir in allen Produktbereichen Low-Cost-Alternativen anbieten, die dennoch über eine gesicherte Qualität verfügen. Das kann ein in Europa ansässiger Händler nicht bieten, und er hat auch kaum Möglichkeiten, Reklamationen schnell und nachhaltigen zu verfolgen.

Wie kann sich der Kunde absichern?

Das Wichtigste ist, dass sich der Kunde nicht blenden lässt. Viele Firmen behaupten zwar, sie hätten eigene Fertigungen in Asien, in Wahrheit sind sie jedoch Händler ohne Einfluss. Ich kann nur dazu raten, sich bei wichtigen Projekten bei einem Audit vor Ort zu informieren.

Welche Produkte stehen heute besonders unter Preisdruck – und welche nicht?

Das hängt weniger von den Produktgruppen als von der Applikation und der Anwendung des Kunden ab: In die Industrieautomation, als ein Beispiel, liefern wir zum Teil Produkte wie Kipp-, Druck- und Schiebeschalter sowie Dip-Schalter, die eine Null-Fehler-Anforderung erfüllen müssen, ohne dass wir dabei den Preis zu sehr aus den Augen verlieren. Im Telekommunikationsund Consumer-Segment ist hingegen nur noch der Preis das ausschlaggebende Kriterium. Tatsache ist aber, dass selbst bei den qualitativ hochwertigen Produkten der Preis immer stärker in den Vordergrund rückt.

In welche Richtung werden Sie künftig Ihre Entwicklungsaktivitäten steuern?

Die meisten Neuheiten kommen bei uns momentan aus dem Bereich der Folientastaturen. Unter anderem kombinieren wir die Folientastatur mit der Silikonschaltmatte. Der Vorteil ist, dass der Kunde die Vorzüge beider Technologien verbinden kann: die Designfreiheit, die Robustheit und die niedrigen Kosten einer Folientastatur sowie den langen Hub und die hohe Lebensdauer einer Silikonschaltmatte. Darüber hinaus werden wir unsere Schalter auch hinsichtlich des inneren Aufbaus kontinuierlich weiterentwickeln.