Verkabelung im Rechenzentrum Läutet 100-Gigabit das Ende von RJ45 ein?

Irgendwann wird der RJ45 mit der Erhöhung der Datenraten anderen Steckverbindern weichen müssen. Bis es soweit ist, können Adapterstecker die Abwärtskompatibilität sichern.
Irgendwann wird der RJ45 mit der Erhöhung der Datenraten anderen Steckverbindern weichen müssen. Bis es soweit ist, können Adapterstecker die Abwärtskompatibilität sichern.

Derzeit ist ein Datentransport von maximal 10 Gigabit pro Sekunde über 100 Meter Kupferdatenkabel möglich. Eine Steigerung auf zunächst 40 Gbit/s soll ab etwa 2014 machbar sein, endgültige Standards werden 2015 erwartet. Und 100 GBit/s über Kupfer steht als Alternative zu LWL in den Startlöchern. Macht das der RJ45 mit?

Unter der Beteiligung des Geschäftsbereichs Infrastructure & Datacom des Leoni-Konzerns, der Firma Harting und der Hochschule Reutlingen wird derweil untersucht, ob nach 40 GBit/s auch Datenraten von 100 Gbit/s über 4-paarige symmetrische Kupferkabel technologisch möglich und auch wirtschaftlich sinnvoll sind. Das Vorhaben dient zugleich der Vorbereitung eines neuen Normierungsverfahrens auf nationaler und internationaler Ebene. Leoni beteiligt sich als Partner an dem 100-Gigabit-Forschungsprojekt, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert wird. Es zielt auf einen Technologiesprung in der Datenübertragung via Kupferkabel mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Gigabit pro Sekunde ab.

Yvan Engels, verantwortlich für die strategische Marktentwicklung und Standardisierung von Datacom-Produkten bei Leoni ist zugleich als internationaler Projektleiter zuständig für eine Arbeitsgruppe, die im Technischen Report ISO/IEC 11801-99-1 Verkabelungsspezifikationen für die Normierung von 40 GBit/s vorschlägt. »Reichweite, Wirtschaftlichkeit, Migrationsvorteile und Universalität sprechen für 4-paarige Kupfer-Verkabelungssysteme«, sagt er, »auch für 100GBit/s.«

Mit dabei im Forschungsprojekt ist auch der Steckverbinder-Hersteller Harting. Stehen wir vor einem Technologiesprung? »Das Projekt ist in mehrere Arbeitspakte unterteilt. Im ersten Arbeitspaket werden die Komponenten untersucht und Simulationsmodelle generiert. Im nächsten Schritt wird die Leitungskodierung betrachtet. 100 Gbit/s ist sicherlich ein Technologiesprung im Vergleich zum heutigen Standard bei 10 Gbit/s, dazu müssen die weiteren Arbeiten an dem Übertragungskanal unter Einbeziehung von Modellen und aktiven Komponenten einbezogen werden.«, sagt Markus Witte, Signal Integrity Manager bei Harting.

Mit welchen Steckern und Kabeln wird innerhalb des Forschungsprojekts gearbeitet? »Es werden in der Untersuchung vorhandene Cat 6A, Cat 7, Cat 7A-Steckverbinder und neue Verbindungstechniken erforscht«, erklärt Witte, »Um die Verwendung und Einschränkungen von derzeitigen Steckverbindern geht es in diesem Projekt.“

Für den Netzwerksteckverbinder der Zukunft soll das Projekt nach Auskunft von Witte Aufschluss über die möglichen übertragungstechnischen Grenzwerte geben. Auch sollen die in diesem Verbundprojekt gewonnen Ergebnisse eine »wichtige Grundlage für die Entwicklung neuer Verbindungstechnik und innovativer Lösungen für die nächsten Generationen von Ethernet-Komponenten« darstellen.

Doch wieso treibt man den Aufwand für 100 GBit/s über Kupfer, immerhin gibt es doch schon längst einen Standard für LWL? Witte: »Über Kupfer kann im Gegensatz zur LWL auch Power übertragen werden und man benötigt keine elektro-optischen Wandler. 100-Gbit/s-Standards über symmetrische Kupferkabel sind eine wichtige Erweiterung des heutigen 10-Gbit/s-Standards und Ergänzung des 100G Ethernet Eco-Systems«, ist sich Witte sicher.