Management »Industrie 4.0 ist ein großes Thema«

Die Erfindung des Filterlüfters und der Blitzleuchte geht auf den Firmengründer Otto Pfannenberg, zurück. Sohn Andreas ist heute Vorsitzender der Geschäftsführung.
Die Erfindung des Filterlüfters und der Blitzleuchte geht auf den Firmengründer Otto Pfannenberg, zurück. Sohn Andreas ist heute Vorsitzender der Geschäftsführung.

Andreas Pfannenberg spricht anlässlich des 60jährigen Firmenjubiläums des Hamburger Kühltechnik-Spezialisten Pfannenberg über Innovationskultur und Internationalisierung, die Relevanz des Siegels „Made in Germany“ und die Herausforderungen in einem globalisierten Markt.

Herr Pfannenberg, pro Jahr investiert die Elektronikindustrie 14,7 Milliarden Euro in Innovationen, im Branchenschnitt stammt etwa ein Drittel der Erlöse aus Produktneuheiten. Wie investieren Sie?

Wir verfahren nach dem Prinzip "wo produziert wird, wird auch entwickelt". Heute entstehen rund ein Drittel unserer Entwicklungen im Ausland. Pfannenberg unterhält eine "F&E" Abteilung pro Produktionsstandort, das heißt, wir forschen und entwickeln auch in den USA und China. Wichtig für unsere Innovationskultur ist außerdem, dass wir uns nicht als Insel wahrnehmen, sondern als Teil der Wertschöpfungskette. Wir beziehen Lieferanten und Kunden regelmäßig in unsere Innovationsplanung mit ein, zum Beispiel in gemeinsamen Workshops. So wissen wir immer genau, was unsere Lieferanten gerade Neues bieten und was unsere Kunden wollen. Gleichzeitig positionieren wir uns als Innovationsführer, indem wir Produkte entwickeln, die vom Markt noch gar nicht nachgefragt werden und sie ausgewählten Kunden für den Testbetrieb anbieten. Das funktioniert natürlich nur, wenn auch das Hauptargument für die meisten Kaufentscheidungen stimmt: die Wirtschaftlichkeit.

Ist der Druck auf Unternehmen in Sachen Innovation gestiegen, haben sich die Produktlebenszyklen in der Branche verkürzt?

Das hängt stark von den Produkten ab. Es gibt nach wie vor sehr langlebige Produkte. Und wir müssen uns immer wieder fragen "Was ist eine Innovation?" Auch in "Klassiker" investieren wir selbstverständlich und integrieren immer wieder neue Funktionen. Zum Beispiel ein Kühlgerät – es sieht vielleicht seit zehn Jahren fast gleich aus, enthält aber ganz andere Komponenten.

Welche Bedeutung hat in den stark globalisierten Märkten von heute noch das Label "Made in Germany"?

Es ist in allen Märkten nach wie vor ein absolutes Qualitätssiegel – ebenso wie "German Engineering". Deutschen Unternehmen eilt der Ruf voraus, dass sie besonders systematisch an Herausforderungen herangehen. Natürlich kommunizieren wir das auch entsprechend. Unsere Basistechnologie kommt schließlich nach wie vor aus Deutschland und auch unsere Produktionsprozesse entstehen hier.

Was sind für Sie aktuell wichtigsten Trends in der Branche? Was wird den Unternehmenskurs in den nächsten 5 bis 10 Jahren bestimmen?

"Industrie 4.0" ist ein großes Thema, das sich sicherlich massiv auf viele Geschäftsmodelle nicht nur in unserer Branche auswirken wird. Wir prüfen derzeit, wie wir unser Unternehmen und unsere Produkte darauf ausrichten. Vielleicht werden bald viele unserer Geräte, die bei uns vom Band laufen, netzwerkfähig sein, eine eigene IP-Adresse haben und mit anderen Geräten kommunizieren. Auch das Thema Energieeffizienz lässt sich damit verbinden: Etwa, wenn in der Produktion einzelne Komponenten miteinander kommunizieren und melden, wann eine Kühlung des Geräts notwendig ist und wann nicht.