Ladeverbindungstechnik Hersteller von Ladeinfrastruktur rechnen mit Durchbruch

Jens Gayko, Experte für die Normung von Ladeverbindungstechnik beim VDE: »Entweder wir investieren in Gehirnschmalz und Halbleiter oder in Kupferkabel und Trafobleche!«
Jens Gayko, Experte für die Normung von Ladeverbindungstechnik beim VDE: »Entweder wir investieren in Gehirnschmalz und Halbleiter oder in Kupferkabel und Trafobleche!«

Der unter großem Widerhall vorgestellte BMW i3 ist der Anfang einer Reihe von reinen Elektrofahrzeugen, die in den kommenden 12 bis 14 Monaten in Deutschland in Serie gehen sollen. Eine öffentliche Ladeinfrastruktur gibt es aber noch nicht - ein Hindernis?

Nein! 90 Prozent der Ladevorgänge fänden ohnehin zuhause per AC-Laden statt. Das glauben die Hersteller von Ladeverbindungstechnik wie z.B. Christoph Lüdke von Mennekes, der nun vor allem Geschäft mit Ladeboxen für zuhause und für Betreiber von Flotten erwartet. Für beide Zielgruppen seien Elektroautos gleichermaßen attraktiv: Zahlungskräftige Eigenheimbesitzer mit PV-Anlage auf dem Dach und Flottenbetreiber wie ÖPNV oder Nahdistribution, für die selbst erzeugter und genutzter Sonnenstrom nicht nur Imagepolitur, sondern bares Geld sei. Komme jetzt noch eine entsprechende Besteuerung von Firmenfahrzeugen, dürfte das den Umstieg auf E-Flotten zusätzlich beflügeln, sagt Jens Gayko, Experte für die Normung von Ladeverbindungstechnik beim VDE. Endgültig erledigt sei das Reichweitenproblem ohnehin mit der zusätzlichen Investition in einen Range-Extender.

Feldversuche von Mennekes haben ergeben, dass ein Ladevorgang alle drei Tage für die Nutzung als Zweitwagen völlig ausreichend sei für den Großteil der täglichen Fahrten. »Diese Erfahrung fehlte bislang aber noch in der breiten Öffentlichkeit!«, sagt Christoph Lüdke.

Da nicht jede ältere Hausinstallation das Laden von Elektroautos verkraften wird, liegt hier auch erhebliches Potenzial für das Elektrohandwerk. »Wir schulen bereits«, sagt Lüdke, »neue Hausinstallationen sind entsprechend ausgelegt«. Die Anforderung an die Hauselektrik gilt umso mehr für das schnelle, aber bislang teure DC-Laden. DC-Ladestationen und auch AC/DC-Wandler sind nach Auskunft von Ralf Bungenstock von der Phoenix Contact E-Mobility GmbH deutlich preiswerter geworden, »schneller als erwartet, der Preis für DC-Wallboxen liegt fast schon auf AC-Niveau, das zeigt, wie schnell die Entwicklung voranschreitet«.

Auf deutschen Straßen sind unterdes bereits mehr Elektrofahrzeuge unterwegs als angenommen. Das haben das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) anhand einer neuen Analyse herausgefunden. Während in der öffentlichen Debatte meist nur die Anzahl der Elektro-PKW im Fokus steht, haben die Forscher der beiden Institute auch Nutzfahrzeuge und Krafträder in die Bilanz aufgenommen. Dabei zeigt sich, dass Elektro-PKW nur etwa die Hälfte aller in Deutschland zugelassenen E-Fahrzeuge ausmachen. Die Gesamtzahl der Elektrofahrzeuge belief sich zu Beginn dieses Jahres auf 15.850. Darin enthalten sind neben den rein elektrisch betriebenen PKW (ca. 7110) auch Plug-in-Hybride (ca. 1120), Krafträder (ca. 4650) sowie Lastwagen und Busse (ca. 2960). Im Vergleich zum Vorjahr ist der Bestand damit um 78% gestiegen. »Der deutliche Zuwachs spiegelt die typische Einstiegsdynamik einer noch jungen, aber viel versprechenden Technologie wider. Wenn es gelingt, diese Dynamik aufrecht zu erhalten, dann kann auch die Energiewende im Verkehrssektor gelingen«, erklärt Benjamin Schott, einer der Autoren des Papiers.

Für die deutsche Automobilindustrie seien indes nicht nur die hiesigen Zuwachsraten entscheidend, sondern auch die internationale Marktentwicklung, so Schott weiter. Der weltweite Bestand an E-Fahrzeugen habe nunmehr die Marke von 200.000 erreicht. Dies zeige, dass die internationale Nachfrage steigt. »Von diesem Trend kann auch Deutschlands Exportwirtschaft profitieren, sofern hierzulande weiter in die Entwicklung der Elektromobilität investiert wird«, sagt der ZSW-Wissenschaftler. Das sieht Phoenix Contact für das Geschäft mit seiner E-Mobility-Tochter, die neben Europa und den USA stark auf den chinesischen Markt setzt, ähnlich. Ralf Bungenstock: »Wir gehen davon aus, dass hier sehr schnell sehr viel Bewegung kommen wird und wir Umsätze realisieren.«

Dominiert wird das Geschäft mit Elektromobilität bislang klar von Herstellern und Modellen aus den USA und Japan, wie aus der Analyse des ZSW hervorgeht. In diesen beiden Ländern sind die absolut meisten Elektrofahrzeuge und Neuzulassungen zu verzeichnen, während Norwegen und die Niederlande bei den prozentualen Anteilen Spitzenwerte erreichen.