FCI/Delphi Gestärkt im Hochvolt-Bereich

Liam Butterworth, Präsident MVL, Delphi: »Die Übernahme verbessert Delphis Portfolio an Verbindungstechnik für Hybrid- und E-Fahrzeuge erheblich.«
Liam Butterworth, Präsident der Delphi Connection Systems: »Die Übernahme verbessert Delphis Portfolio an Verbindungstechnik für Hybrid- und E-Fahrzeuge erheblich.«

Die »Motorized Vehicles Division« der FCI-Gruppe gehört seit November zu Delphi. Die Übernahme soll vor allem Delphis Portfolio an Sicherheits-Rückhaltesystemen (SRS) und Hochvolt-Technologien stärken. Ein Gespräch mit Liam Butterworth, Präsident der Delphi Connection Systems.

Herr Butterworth, im letzten November hat Delphi die Übernahme der Autosparte von FCI abgeschlossen. Welchen Effekt erhoffen Sie sich nun auf Ihre Marktstellung im Bereich Fahrzeug-Konnektoren?  

MVL gehört nun zum Bereich Delphi Connection Systems (DCS) und Delphi Electrical/Electronic Architecture (E/EA). Die Übernahme hat zwei weltweit führende Unternehmen verbunden, unsere Engineering-Kompetenz gestärkt und unsere Präsenz an Produktionsstätten ausgebaut, u.a. in China, Indien und Korea. Damit ist Delphi nicht nur als weltweiter Lieferant gestärkt,  sondern kann durch die Übernahme auch ein stabiles Portfolio an Sicherheits-Rückhaltesystemen (SRS) und Hochvolt-Technologien präsentieren.

Was bieten die beiden Geschäftsbereiche nun an?

Wir haben die meisten Interface-Standards und Innovationen für Fahrzeug-Airbags, Sicherheitsgurte und andere Geräte mit pyrotechnischer Ausstattung, die in der Branche heute gebräuchlich sind, entwickelt. Dazu kommt eine vollständige Palette an Produkten für Hochgeschwindigkeits- und drahtlose Datenkonnektivität, die Passagiere mit ihrem Fahrzeug vernetzen, ein komplettes Portfolio an Gehäusen und Anschlüssen,  Hochleistungs-Verbindungssysteme und Ladekupplungen speziell für die Elektrifizierung von Fahrzeugen, Mechatronik-Packaging und Stiftleisten für Gerätehersteller, Flüssigdichtungstechnologie für Fahrzeuge und Industrie sowie für Batterien, Motorraum, Innenraum und Hybrid-Electrical Centers zur Steuerung der komplexen Themen Leistungsschaltung und Schutzschaltung.

Sie versprechen »signifikanten Synergieeffekte« - sind damit auch Entlassungen  oder Schließungen gemeint? Gibt es Produktbereiche, die Sie nicht weiterführen werden?

Delphi überprüft ständig Produktlinien um sicherzustellen, dass wir im Einklang mit den Bedürfnissen unserer Kunden arbeiten. Wir werden die gemeinsamen technischen Kompetenzen dazu nutzen, bestehende Produktlinien zu optimieren und unsere gemeinsame Entwicklungs- und Engineering-Kompetenz zu nutzen. Delphi will Kompetenzen aus beiden Organisationen identifizieren. Ziel der Übernahme ist es, zu wachsen und die weltweite Marktposition weiter auszubauen. Wir werden Zeit und Ressourcen in die Identifikation der Potenziale investieren, die es braucht, um unsere globale Präsenz auszubauen.

Führt die Übernahme auch zu Neuigkeiten im Produktportfolio?

Zu den jüngsten Innovationen zählt der AK-2+ ElectroStatic Discharge (ESD)-Initiator – der weltweit erste Initiator-Konnektor mit einem integrierten Erdungs-Element. Wir haben auch die erste marktverfügbare Palette an gasdichten Squib-Konnektoren zum Einsatz in anspruchsvollen Anwendungsbereichen – z. B. Fußgängersicherheit und Batterietrennung im Motorraum – vorgestellt. Einige neue Technologien bieten Mechatronik-Lösungen für die aktive Sicherheit, wie z. B. ASB/ESC-Komponenten, oder versiegelte Motorgehäuse für schwierige Umgebungen.

Die Übernahme soll auch Ihr Portfolio für Hybrid- und E-Fahrzeuge sowie Hochvolt-Bordnetze erweitern. Welche Bereiche decken Sie jetzt ab?

Die Übernahme verbessert Delphis Portfolio an Verbindungstechnik für Hybrid- und E-Fahrzeuge erheblich. Delphi hat nun die Ressourcen, um alle Anwendungsbereiche im Automobil abzudecken - und nach dem Feedback unserer weltweiten Kunden zu urteilen, ist es das umfassendste Angebot der Branche und deckt alle Bereiche ab, von der Leistungswandlung zu Batterien bis hin zu Lösungen für das Aufladen von E-Fahrzeugen. Zusätzlich zu unseren abgeschirmten, einadrigen Verbindern bieten wir unseren Kunden nun auch externe Abschirm-Lösungen wie RCS800-Produkte oder Stift- und Hülse-Anschlussstücke, aber auch tragbare Ladegeräte und Einsteck-Inlets an.

Als großer Anbieter von Energie-Verteilkomponenten für Autos haben Sie einen guten Marktüberblick: In welchen Bereichen erwarten sie 2013 Wachstum und wer wird den deutschen Markt für E-Mobilität vorantreiben? 

Praktisch alle Fahrzeug-OEMs weltweit investieren derzeit massiv in E-Technologien. Start/Stop-Mikrohybride werden 2013 weite Verbreitung finden, gefolgt von „Vollhybriden“. Wir gehen davon aus, dass Plug-in Extended Range-Hybride und Batterie-E-Fahrzeuge  (BEVs) noch etwas langsamer im Markt akzeptiert werden, dass ihre Popularität Mitte bis Ende des Jahrzehnts aber zunehmen wird. Unser Produktportfolio für E- und Hybridfahrzeuge bietet eine vollständige Palette an Systemen und Komponenten für alle Hochleistungs- und Hochvolt-Anwendungen, ob für Großserien oder für individuelle Lösungen, für jeden Kunden und jedes Auto. Dazu gehören auch tragbare Ladelösungen sowie Ladekoppler-Kabelsets für jede Region der Welt, mit Augenmerk auf die jeweils spezifischen gesetzlichen Vorgaben. In Europa werden unsere tragbaren Ladegeräte und Kabelsets im Einklang mit den IEC-Standards angeboten.

Die Fragen stellte Corinne Schindlbeck