Elektromobilität Feierlaune bei deutschen Herstellern von Ladeinfrastruktur

Walter Mennekes und Volker Lazzaro von Mennekes erwarten nach der Entscheidung der EU-Kommission steigende Umsätze mit Elektromobilität.
Walter Mennekes und Volker Lazzaro von Mennekes erwarten nach der Entscheidung der EU-Kommission steigende Umsätze mit Elektromobilität.

Nach der Entscheidung der EU-Kommission für den Typ-2-Stecker als europaweiten Standard triumphieren die deutschen Hersteller von Ladeinfrastruktur: die jahrelange und harte Gremienarbeit hat sich gelohnt. Jetzt winkt das große Geschäft.

Das jahrelange Gezerre und Lobby-Gerangel um einen einheitlichen europaweiten Ladestecker  - vier waren zwischenzeitlich im Rennen - hat mit der EU-Kommissionsentscheidung für den in Deutschland entwickelten Typ 2 endlich ein Ende gefunden.  »Alle Produkte für die Ladeinfrastruktur müssen sich nun nach der geltenden Norm richten. Unsere Kunden haben endlich Gewissheit, bei der Entwicklung ihrer Geschäftsmodelle auf die richtige Technologie zu setzen. Unsere jahrelange Gremien- und Lobbyarbeit hat Früchte getragen«, freut sich Manfred Frenger, Leiter des Geschäftsbereich E-Mobility bei den Walther-Werken, die den Typ-2-Stecker  gemeinsam mit der Firma Mennekes entwickelt haben.

Eine flächenendeckende Ausweitung des Geschäftes mit Ladeinfrastruktur sei nun zu erwarten, allein in Deutschland sollen es bis 2020 150.000 öffentlich zugängliche Ladestationen sein – und das seien nur 10 Prozent aller verfügbaren Ladepunkte. »90 Prozent der Infrastruktur wird zuhause installiert werden!«, so Frenger.  

Auch Volker Lazzaro, Geschäftsführer von Mennekes, zeigt sich entsprechend zufrieden: »Nach vier Jahren harter Arbeit freuen wir uns sehr über diese Entscheidung! Sie zeigt uns, dass wir auf das richtige Pferd gesetzt haben und dass sich die beste technische Lösung durchgesetzt hat.  Nun besteht endlich Investitionssicherheit für alle, die in Ladeinfrastruktur investieren wollen. Es ist nun klar, in welche Technik man ohne Risiko investieren kann. Das wird sicher eine Belebung des Geschäftes zur Folge haben.«

Zwar habe man bei Mennekes mit einer entsprechenden Kommissions-Entscheidung gerechnet, denn schließlich haben sich inzwischen alle europäischen Automobilhersteller und die meisten europäischen Energieversorger längst für den Typ 2 entschieden. »Wir hatten eine Entscheidung allerdings eher Mitte des Jahres erwartet«, so Lazzaro.

»Das ist in der jetzigen Phase ein entscheidender Schritt, denn er bedeutet Investitionssicherheit für Käufer, Lieferanten und industrielle Anbieter«, ergänzt Dr. Jens Gayko vom Fachbereich Standardisierung in der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE. »seit Wochen und Monaten schon bekommen wir fast täglich Anrufe von Menschen, die sich ein Elektroauto kaufen wollen und Angst vor Wertverlust haben. « Auch psychologisch sei also mit der Entscheidung der EU-Kommission eine wichtige Hürde genommen.  Flottenbetreiber, so mutmaßt Jens Gayko, würden nun mit Elektroautos den Anfang machen.

Die Entscheidung dürfte nun das »Aus« für den Typ-3-Stecker bedeuten. Er bedient geltendes französisches Recht, das einen besonderen Eingriffsschutz an Steckdosen verlangt. Frankreich und Italien hatten unter Federführung von Schneider Electric daraufhin den Typ-3-Stecker entwickelt, der mit einem speziellen  »Shutter« ausgestattet ist. Rein technisch ist dies beim Typ-2 zwar nicht notwendig, die französische Vorschrift sei aber, so Gayko,  als länderspezifische Ausnahme in den Typ-2-Standard mit eingeflossen. Volker Lazzaro: »Somit dürfte der Typ 3 tatsächlich vom Markt verschwinden.«