Trends in der Ventilatorentechnik »Ein nachhaltiges Produkt muss auch wirtschaftlich sein«

In der Praxis ist ein Ventilator-Projekt in den allermeisten Fällen ein Kompromiss aus fertigungstechnischen und strömungstechnischen Belangen.
In der Praxis ist ein Ventilator-Projekt in den allermeisten Fällen ein Kompromiss aus fertigungstechnischen und strömungstechnischen Belangen. Nachhaltigkeit ist wichtig, wenn sie sich rechnet.

Soeben erst konnte Ziehl-Abegg den höchsten Auftragsbestand der Unternehmensgeschichte und eine Umsatzverbesserung um 7 Prozent zu letztem Jahr vermelden. Technikleiter Dr. Walter Angelis erklärt die Gratwanderung zwischen Innovationswettbewerb und Wirtschaftlichkeit in der Ventilatorentechnik.

Dr. Walter Angelis ist Technischer Leiter Lufttechnik bei Ziehl-Abegg in Künzelsau. Als Motoren- und Ventilatorenhersteller könne man einen »klaren Trend« zu weniger Bauraum, größerer Leistungsdichte und höherem Volumenstrom bei gleicher elektrischer Leistungsaufnahme erkennen. Dieser Trend zu mehr Energieeffizienz halte schon seit Jahren an.

Zusätzlich lege man bei Ziehl-Abegg auch Wert auf die Geräuschentwicklung. Denn Lärm werde immer mehr als unnötige Belastung empfunden, Geräuscharmut sei daher ein hohes Qualitätskriterium.

Nachhaltigkeit fließt auch in Materialauswahl und Design ein. Schon vor Jahren gelang Ziehl-Abegg ein großer Durchbruch mit dem bionischen Design von Axialventilatoren. »Seitdem haben die Einflüsse der Bionik speziell am Ventilatorlaufrad in den vergangenen Jahren zu deutlichen Verbesserungen des Wirkungsgrades des Laufrades geführt«, erklärt Angelis. Mit dem Radialventilator »ZAvblue« wurden zuletzt im Frühjahr Einbaumaße und Volumenstrom noch einmal minimiert.

Möglich wurde dies durch eine bionische Leichtbauweise. »Dabei haben wir die bekannten Erkenntnisse von »Baumflüsterer« Prof. Dr. Claus Mattheck erstmals in der Ventilatorenkonstruktion umgesetzt. Seine Erkenntnisse lagen seit Jahren vor, doch niemandem gelang es, diese in enger Abstimmung mit Formenbauern und Spitzgießern in unserer Branche umzusetzen.«, berichtet Angelis stolz.

Doch nicht immer gelingt die Balance zwischen Nachhaltigkeit und Preis. Vor zwei Jahren erst hatte Ziehl-Abegg der Fachwelt einen bionischen Ventilator aus Rizinusöl vorgestellt, der es in vielerlei Hinsicht – etwa Kälteschlagbeständigkeit, Wasseraufnahme – mit Produkte auf Erdölbasis aufnehmen kann oder sogar besser ist.

Aber der niedrige Ölpreis macht Ziehl-Abegg bislang einen Strich durch die Rechnung. »Es gibt momentan nur einen sehr kleinen Markt für den Bio-Ventilator, obwohl dieser jährlich Tausende von Tonnen CO2 einsparen könnte«, stellt Angelis fest.

Aber »ein nachhaltiges Produkt muss sich auch wirtschaftlich darstellen lassen.« Sollte sich der Ölpreis oder die Einstellung der Verbraucher zum Thema CO2-Verbrauch ändern, »dann haben wir das passende Produkt«. Man sei der Zeit um Jahre voraus und »bedacht, unseren Status als Technologieführer bei Zuverlässigkeit und Qualität zu bewahren«.

Was ist mit anderen Industrie-Trends, wie etwa Industrie 4.0? Ein großes Thema für den Technikleiter. »Da unsere Produkte in immer komplexeren Maschinen und Anlagen eingebaut bzw. eingesetzt werden, achten wir auf die Vernetzbarkeit. Dabei ist ein großer Vorteil, dass wir eigene Regelgeräte explizit für die Ventilatoren entwickeln und bauen. So können wir sicherstellen, dass unsere Produkte sehr gut für die Industrie 4.0 geeignet sind«.