ebm-papst: Die Verwandlung des Standortes Landshut

1997 übernahm ebm-papst von SEL/Alcatel den Landshuter Standort für Lüfter und Motoren. Seitdem vervierfachte sich der Umsatz, und die Anzahl der Mitarbeiter verdoppelte sich auf 1000. Wir sprachen mit Geschäftsführer Stefan Brandl.

Kürzlich haben Sie in Landshut ein neues Innovationszentrum eingeweiht. Warum war das notwendig?

Es gibt mehrere Gründe. Zum einen brauchten wir für die Forschung und Entwicklung neue Prüfstände, weil wir ein System – man könnte sagen - für die intelligente Verbrennung von Gasheizgeräten entwickelt haben. Wir bauen die Gebläse mit ein wenig Elektronik drum herum. Dafür brauchten wir Prüfstände, mit denen sich Gasgeräte betreiben lassen. Bisher waren wir nur in der Lage, die Produkte zu testen, die wir zum Kunden liefern. Jetzt können wir die Lüfter auch im Zusammenspiel mit den Gasgeräten testen.

Ein anderer Grund waren die geringen Investitionen, die SEL/Alcatel hier durchgeführt hat. Dadurch waren Erneuerungen notwendig, wie zum Beispiel unsere Ausbildungswerkstatt, die auf einem sehr alten Stand war. Im Hinblick auf den demografischen Wandel ist das ein sehr wichtiges Thema für uns. Wir müssen hier Fachkräfte ausbilden, um auch in Zukunft konkurrenzfähig zu sein. Außerdem haben wir noch 500 m² Produktionsfläche.

Ein weiterer Grund, der für unsere Mitarbeiter auch wichtig ist, ist eine Betriebsgastronomie.

Was ist neu an dem System?

In Europa werden jährlich etwa 6 Millionen Heizgeräte hergestellt, die mit Gas betrieben werden. Unser neues System stellt den Betriebspunkt eines Gasheizgerätes immer auf den optimalen Wert ein. Auch der Wirkungsgrad ist um den Faktor 3 höher, als bei bisherigen Systemen. Die Steuerung unseres Systems ist also elektronisch, bisher wurde das pneumatisch gesteuert.

Sie hatten erwähnt, dass Alcatel nicht viel investiert hat…

Früher haben wir zu SEL gehört, das wiederum von Alcatel gekauft wurde. Alcatel ist sehr stark auf die Telekommunikation ausgerichtet und nicht auf Motoren und Ventilatoren. Das war hier also immer ein unternehmens-fremder Standort, der im Unternehmensportfolio natürlich immer interessant war, solange er Geld abgeworfen hat. Aber da man in Stuttgart oder Paris nicht viel von dem Geschäft verstanden hat, wurden keine Investitionen hier getätigt, weil die Leute nicht in der Lage waren zu begreifen, welche Geschäftschancen es gibt.

Mit der Übernahme durch die ebm-papst-Gruppe sind wir zu einem Unternehmen gekommen, das seit seiner Gründung Motoren und Ventilatoren herstellt und etwas vom Geschäft versteht. Unser Gründer, Gerhard Sturm, ist der Experte im Unternehmen schlechthin für Motoren und Ventilatoren. Somit konnten wir unser Geschäft auf ganz andere Beine stellen. Außerdem verfolgt Herr Sturm die Strategie, den Standorten ihre Eigenständigkeit zu belassen. Das heißt, Landshut als eigene GmbH hat eine eigene Identität, ein eigenes Produktprogramm und eigene Entscheidungsspielräume. So konnten wir das Geld, das wir verdient haben, wieder investieren und uns so erneuern. Zur Zeit der Übernahme im Jahr 1997 haben wir einen Umsatz von knapp 100 Millionen DM gemacht. Heute sind wir bei 195 Millionen Euro.

Gab es weitere Unterschiede?

Wir haben natürlich Glück gehabt, dass wir mit ebm-papst an ein weltweites Vertriebsnetz gekommen sind, das nichts anderes macht, als Motoren und Ventilatoren zu verkaufen. Somit waren wir in der Lage, unsere Produkte auch global zu verkaufen und unseren Export zu stärken. Um noch einmal zu den Zahlen zurückzukehren: Vor 10 Jahren lag der Anteil des Exports an unserem Geschäft bei 30 Prozent, heute machen wir damit zwei Drittel unseres Geschäfts.