»Der Kupferpreis stieg schneller, als wir die Produktion umstellen konnten«

Bei Elesta relays aus der Schweiz könnte es derzeit kaum besser laufen. Die Firma wächst und ist innovativ. Geschäftsführer Martin Kunschert sprach mit uns über sein Unternehmen, die Rohstoffpreise und warum er nicht nach China gehen will.

Sie haben im letzten Jahr rund 30 neue Mitarbeiter eingestellt. Vor kurzem haben Sie ein neues Werk eingeweiht. Offensichtlich laufen die Geschäfte gerade ziemlich gut. Woher kommt das?

Das ist in erster Linie auf unsere Innovationsstärke zurückzuführen. Wenn Sie sich am Markt umschauen, haben wir das modernste und neueste Produktprogramm. Unsere SIS-Relais sind die weltweit kleinsten ihrer Klasse und die SIF-Reihe die weltweit flachste. Bei den SIS-Relais haben wir außerdem eine Variante, bei der sich die Leistungsaufnahme auf 80 mW absenken lässt. Hinzu kam die Einführung unseres Zackenkronenkontakts. Dadurch steigt die Zuverlässigkeit der Sicherheitsrelais extrem. Das hat starken Zulauf gebracht.

Was genau ist der Zackenkronenkontakt?

Es ist eine Abwandlung des klassischen Kronenkontaktes. Der Kronenkontakt ist ein Kontaktniet, der in seiner Geometrie einem Vulkankrater ähnelt. Zwei dieser Kronenkontaktniete ergeben bei der Kontaktierung zwei Kontaktstellen. Dahinter steckt die Theorie, dass zwei Kontaktstellen die Kotaktsicherheit um den Faktor 10 gegenüber einem einfachen Kontaktniet mit nur einer Berührungsstelle erhöhen.

Der Zackenkronenkontakt besteht aus einem Kronenkontakt, dessen Flanken eingeschnitten sind. Somit entstehen circa 50 kleine Kontaktierungsstellen ähnlich einem Nocken oder auch Kuchenstücken. Somit wirken nicht nur maximal zwei Kontaktstellen sondern 9 bis 12. Dies erhöht die Kontaktzuverlässigkeit - oder man kann es auch als Systemverfügbarkeit beschreiben - um ein vielfaches. Darauf haben wir übrigens auch ein Patent angemeldet.

Können Sie den Aufschwung auf bestimmte Branchen oder Regionen begrenzen?

Nein, den Aufschwung kann man nicht nur an einer Branche oder Region festmachen. Das liegt tatsächlich an unseren innovativen Produkten. Das sind die Treiber des Wachstums.

Aber die Konkurrenz entwickelt auch…

Ja das ist richtig. Derzeit haben wir die Nase einen Tick vorn und wir bemühen uns, diesen Vorsprung zu halten. Dies liegt sicherlich auch daran, dass wir uns auf diese Relais mit zwangsgeführten Kontakten nach EN 50205 spezialisiert haben.

Wie ist das Verhältnis zwischen Standardware und kundenspezifischen Produkten bei Ihnen?

Wir haben um die 40 Prozent kundenspezifische Produkte und 60 Prozent Standardrelais.

Es gibt einige Hersteller, die nach China gegangen sind. Ihre gesamte Wertschöpfung findet in der Schweiz statt. Warum?

Ich weiß, dass einige Hersteller von Standardrelais nach China gegangen sind. Bei den Sicherheitsrelais sieht das noch ein bisschen anders aus. Hier sind die Komplexität und die Anforderungen an das Produkt höher. Das ist schon einmal die erste Hürde.

Aber auch, wenn man die gesamten Kosten zusammenrechnet, bin ich mir sicher, dass man mindestens gleich günstig in der Schweiz oder in Europa produzieren kann. Zu den gesamten Kosten zähle ich die Qualität, die Lieferzeiten und die Lieferkosten. Den Transport mit dem Schiff müssen Sie auch im Voraus bezahlen, was erst einmal viel Kapital bindet. Außerdem steigen die Lohnkosten in China auch. Ich habe gelesen, dass sie um 20 Prozent gestiegen sind und nicht wie hier um 3 Prozent. Der Lohnkostenvorteil frisst sich irgendwann selbst auf.

Und dann kommt noch der Know-how-Transfer dazu. Da muss man erstmal viele Leute hinschicken. Damit macht man vielleicht die Fluggesellschaften glücklich aber nicht sich selbst. Ich bin nicht davon überzeugt, ob diese Rechnung in jedem Fall aufgeht. Da würde ich sogar die Diskussion mit jemandem aufnehmen, der das anders sieht.

Außerdem ist unser Hauptmarkt Europa. Da kann ich in der Schweiz viel schneller reagieren, als wenn ich die Relais woanders herstellen lasse. In dem Fall ist die Nähe zum Kunden wichtiger, als 2 bis 3 Cent billiger produzieren zu können.