Emerging Markets Das sind die zehn wichtigsten potenziellen Absatzmärkte

Der Anteil der Entwicklungsländer am Welt-BIP wächst rasant - und damit auch die Chancen für die Elektroindustrie. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Anteil bis 2012 auf 38 Prozent fast verdoppelt. ZVEI und Bayern LB haben die zehn wichtigsten Schwellenländer neben den BRIC-Staaten analysiert.

Der Anteil der deutschen Elektroexporte in die Industrieländer lag im Jahr 2000 bei 82 Prozent. Seither hat die Nachfrage nach deutschen Produkten in den Schwellenländern deutlich stärker zugenommen als die in den etablierten Volkswirtschaften. Zuletzt ging bereits mehr als ein Drittel der Ausfuhren in diese Länder. Das Exportwachstum in die Industrienationen lag seit 2000 durchschnittlich bei zwei Prozent pro Jahr, in die aufstrebenden Länder hingegen bei neun Prozent.

„Deutschland ist nach China und den USA Nummer drei beim internationalen Warenhandel. Angesichts der gegenwärtig schwachen Wachstumsperspektiven in Westeuropa ist es von großer Bedeutung, an der Dynamik der Emerging Markets teilzuhaben“, betont Hubert Siply, Leiter der Abteilung Länderrisiko- und Branchenanalyse der BayernLB.

Unter dem Titel ‚Wachstumsperspektiven für die deutsche Elektroindustrie – Zehn Schwellenländermärkte im Fokus‘ haben ZVEi und Bayern LB im Rahmen ihrer Gemeinschaftsstudie zehn potenzielle Absatzmärkte außerhalb der BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China) untersucht: Bulgarien, Chile, Indonesien, Kolumbien, Malaysia, Mexiko, Philippinen, Polen, Thailand und der Türkei könnten der deutschen Industrie im Allgemeinen und der Elektroindustrie im Besonderen vielversprechende Wachstumsperspektiven bieten.

Sie bieten Möglichkeiten zur Diversifizierung des internationalen Geschäfts und haben im Vergleich zu den etablierten Handelspartnern wie etwa den USA, einigen europäischen Ländern oder China ein noch relativ geringes Gewicht im deutschen Elektro-Außenhandel.

Zwar wiesen die untersuchten Länder teilweise sehr unterschiedliche Profile auf, so der ZVEI. Kolumbien und Chile hätten beispielweise Automatisierungsbedarf im Bergbausektor, Malaysia und die Philippinen Erweiterungsbedarf bei den Produktionskapazitäten für Bauelemente und die Türkei brauche eine Modernisierung der Energienetzinfrastruktur. Diese Länder seien aber im Zuge ihres Wachstumsprozesses auf die Einfuhr ausländischer Hochtechnologie angewiesen – und deutsche Unternehmen hier in vielen Bereichen führend.

Den zehn Ländern sei zuzutrauen, innerhalb der nächsten Jahrzehnte aufgrund ihres fortschreitenden Industrialisierungsprozesses zu bedeutenden Absatzmärkten zu werden. „Immerhin belief sich ihr gemeinsamer Beitrag zum – um Kaufkraftunterschiede bereinigten – Weltwirtschaftswachstum 2012 bereits auf gut elf Prozent“, erklärt ZVEI-Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann. Zum Vergleich: Die Eurozone trug knapp vier Prozent bei.

Bereits in den vergangenen Jahren konnte Deutschland seine Ausfuhren in die Schwellenländer deutlich ausdehnen. So stieg der Anteil der Warenexporte nach Asien von 10,5 Prozent im Jahr 2000 auf 16,3 Prozent im vergangenen Jahr. Im Gegensatz dazu ist der Anteil der deutschen Warenexporte in die heutige Eurozone zurückgegangen: Von 45,5 Prozent auf 37,5 Prozent. Überdurchschnittlich stark entwickelten sich zudem die deutschen Exporte in die europäischen Länder außerhalb der Eurozone sowie in die GUS-Staaten.

Mehr als ein Siebtel der deutschen Ausfuhren geht auf das Konto der Elektroindustrie, der mit mehr als 840.000 Inlandsbeschäftigten zweitgrößten Industriebranche in Deutschland.