Bourns: Mehr als nur ein Potentiometerspezialist

Eine durchgängige, 60-jährige Firmengeschichte wie Bourns, können nur wenige Bauelemente-Herstellter vorweisen. Jetzt entwickelt sich das Unternehmen hin zu einem Lösungsanbieter für die Bereiche Widerstandstechnik, Automotive und Schutzbausteine. Dr. Erik Meijer, Vice President Circuit Protection bei Bourns im Interview.

Markt&Technik: Mit Bournes verbinden viele ausschließlich Potentiometer. Ein Branding wie dieses kann einerseits sehr hilfreich sein, auf der anderen Seite engt es auch ein. Seit wann trifft diese Stereotype eigentlich schon nicht mehr zu?

Dr. Erik Meijer: Wenn Sie heute ältere Entwickler fragen, dann besteht diese Verbindung sicherlich noch. Bei der jüngeren Entwicklergeneration ist diese ausgeprägte Verankerung nicht mehr so ausgeprägt vorhanden, die Zeiten ändern sich eben. Wirklich forciert wurde der Wandel zu einem Unternehmen, das deutlich mehr als Potentiometer vorzuweisen hat, seit Ende der 1990er Jahre.

In den Jahren nach dem 50ten Firmenjubiläum wurde diese Neuausrichtung des Unternehmens dann mit elf Akquisitionen vorangetrieben. Auch unsere jüngste Akquisition, die Übernahme der Schutzbaustein-Aktivitäten von Emerson Network Power Energy Systems, ist Teil unserer Wachstumsstrategie. Mit unserem Auftritt auf der Electronica und einer Werbekampagne unter dem Titel »Enter the New World of Bourns« wollen wir die Breite unserer Technologien bekannter machen.

Bourns hat, wie Sie sagten, in den letzten sieben Jahren elf Unternehmen oder Unternehmensteile übernommen. Dienen diese Verstärkungen dem Ausbau ihres ursprünglichen Produktprogramms, oder diversifizieren Sie ihre Aktivitäten auch in neue Tätigkeitsbereiche?

Um es ganz klar zu sagen, wir sind nicht Vishay. Unser Ziel ist es nicht, Bourns zu einem Broadliner im Bereich passiver Bauelemente zu entwickeln. Unser erklärtes Ziel ist es vielmehr, sowohl unser Technologieportfolio als auch unsere Marktposition in den Bereichen gezielt auszubauen, in denen wir heute aktiv sind. Das tun wir mit Erfolg, was sich an der Tatsache ablesen lässt, dass wir auf unseren jeweiligen Geschäftsfeldern immer unter den Top-3 zu finden sind.

Bourns ist in den Bereichen Widerstandsprodukte, Schutzbausteine und Automotive aktiv. Während sich die beiden ersten Bereiche aus der Historie der Firma ableiten lassen, forcieren Sie den Automotive-Bereich erste seit einigen Jahren. Woran liegt das?

Unsere Entscheidung, das Engagement im Bereich Automotive, in dem wir über unsere Produkte aus dem Widerstands- und Schutzbausteinbereich ja auch schon zuvor tätig waren, hat mit der Marktentwicklung nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2001 zu tun. Wie viele andere Unternehmen, war Bourns bis dahin zu stark auf den Daten- und Telekommunikationsmarkt ausgerichtet.

Um in Zukunft weniger von der Entwicklung eines Industriezyklus abhängig zu sein, haben wir uns dann für den Ausbau unserer Automotive-Aktivitäten entschieden und treiben dies nun seit gut sechs Jahren gezielt voran. Im Rahmen des Ausbaus dieser Aktivitäten haben wir unter anderem 2004 die deutsche Firma Ruf Automotive übernommen und streben eine Rolle als führender Anbieter von Positions- und Geschwindigkeitssensoren an.