Neue Zahlen Autoflaute bremst Steckverbindermarkt

Auch die mittel- bis langfristigen Zeichen stehen insgesamt auf grün: Industrie 4.0 ist zwar noch mehr Projekt als Realität, doch der Anspruch der Produzierenden Industrie nach zunehmender Vernetzung bedingt den weiteren Ausbau der Infrastrukturen.
Auch die mittel- bis langfristigen Zeichen stehen insgesamt auf grün: Industrie 4.0 ist zwar noch mehr Projekt als Realität, doch der Anspruch der Produzierenden Industrie nach zunehmender Vernetzung bedingt den weiteren Ausbau der Infrastrukturen.

Die Steckverbinder-Branche leidet unter der flauen Autokonjunktur: die Umsatzerwartung für dieses Jahr schrumpft dadurch auf 1,5 Prozent. Einen positiven Beitrag zur Bilanz trägt momentan nur der Umbau der Netze zum neuen Mobilfunkstandard LTE bei.

Die derzeitige Marktsituation im Bereich Steckverbinder beschreibt ZVEI-Referent Volker Kaiser als „verhalten“, die ersten drei Monate des Jahres sind laut Aussage der Mitgliedsunternehmen nicht gut gelaufen. „Alle warten auf den Aufschwung“.  Dabei hat sich selbst der  Rohstoffmarkt in jüngster Zeit entspannt, sonst häufig ein Kostentreiber. Die Preise für Edelmetalle sind am Fallen.

Nein, die Hauptursache für die geringe Nachfrage nach Steckverbindern ist der schwache KFZ-Markt, denn mit  einem Anteil am Gesamtmarkt von 47 Prozent schlägt er voll auf die Steckverbinderbranche durch. Sie befindet sich in einer extremen Abhängigkeit von der Autokonjunktur, aus der sie sich seit Jahren vergeblich versucht zu befreien.

2012 lief nicht nur der Autoabsatz in Deutschland schleppend, die Pleitewelle in der Photovoltaik schwächte auch den PV-Anteil im Segment der Industriesteckverbinder. „Der Preisdruck aus Asien ist extrem hoch“, erklärt Kaiser. Ob der Markt für die deutschen Hersteller je zurückkehrt, bleibt abzuwarten. Manche Experten halten das für mehr als fraglich. Auch der Bereich Steckverbinder für Windkraftanlagen – immerhin eines der wichtigsten Zugpferde der geplanten Energiewende – enttäuschte, der Offshore-Ausbau stockt.

Insgesamt musste der Bereich Industriesteckverbinder (Marktanteil 28,5 Prozent) damit einen Einbruch um -6 Prozent im letzten Jahr wegstecken. Immerhin: Noch im Jahr 2013 will die Branche mit 1 Prozent wieder ins Plus wechseln und die Umsatz-Delle von 2012 hinter sich lassen, so die Prognose.
Da sich der Hype um die Elektromobilität abschwächt und die erwarteten potenziellen Absatzmärkte bisher ausgeblieben sind, konnte die Elektromobilität noch keinen zusätzlichen Beitrag zum Segment der KFZ-Elektronik liefern.

Wundert es  da, dass sie der ZVEI in keiner Weise in seine Prognosen hineinrechnet? Obwohl immerhin fast alle großen Steckverbinderhersteller bei Lade- oder Hochvoltsteckverbindern innovativ sind.  „Elektromobilität wird kommen. Wann und wie ein messbarer Erfolg kommen wird, ist nicht vorherzusagen“, heißt es ausweichend. Übersetzt: Floppt die Einführung, wird das an unseren Prognosen nichts verändern.

Erst kürzlich bezeichnete VDE-Präsidiumsmitglied Dr. Jochen Kreusel auf der Hannover Messe die nächsten zwei Jahre als „entscheidend“ für den Erfolg der Elektromobilität.  Die 2 Prozent Plus für die KFZ-Elektronik, die der ZVEI für 2014 anpeilt, beruhen ausschließlich auf dem Absatz von KFZ-Steckverbindern für Autos mit derzeit am Markt gängigen Antriebstechniken. Immerhin  ist ein zunehmender Anstieg bei Hybridfahrzeugen zu verzeichnen.

Es steckt durchaus Innovations- und damit Absatzpotenzial im Bereich Hochvolt-Technik und zweites Bordnetz, etwa was die  EMV-Anforderungen betrifft. Auch für den „Zwischenschritt“ auf dem Weg zur Elektromobilität, der Hybridtechnik,  wird ein zweites Aggregat mit neuer Steckverbindertechnologie fällig. Aktuell sind aber all diese Bereiche leider nicht mehr als Prestigearbeit für die Hersteller, und damit für den ZVEI Zukunftsmusik. Eine immerhin auch bei herkömmlichen Antrieben wichtige Rolle spielt das Thema Miniaturisierung und Gewichtsersparnis, der Trend zu Aluminium als Kupferalternative hält an, Hersteller mit „Aluminiumkompetenz“ haben gute Karten.

Erholung ist immerhin in Sicht: Die KFZ-Elektronik soll dieses Jahr um ein Prozent und nächstes Jahr um 2 Prozent wachsen, was der ZVEI als Rückkehr zu „normalem Wachstum“ bezeichnet.

Richtig erfreulich präsentieren sich hingegen die Datentechnik und die Telekommunikation, die vom Aus- und Umbau der Netze in Richtung LTE profitieren sollen. Beiden Sektoren prognostiziert der ZVEI ein Umsatzplus von rund 3 Prozent in diesem und 4 Prozent für nächstes Jahr. Da beide im Vergleich zur dominanten KFZ-Elektronik nur gut 7 bzw. rund 9 Prozent zum Gesamtmarkt beitragen, ist der Impuls aber vergleichsweise gering.

Bleibt ein letzter Blick auf die im Jahr 2012 Jahr arg gebeutelte Industrieelektronik, mit gut 28,5 Prozent Marktanteil immerhin die zweitstärkste Kraft im Steckverbindermarkt hinter der KFZ-Elektronik. Die Vorausschau aus dem Maschinenbau zeigt sich optimistisch, was den ZVEI zur Prognose von 1,5 Prozent in diesem und 2,5 Prozent  Marktwachstum im nächsten Jahr veranlasst.

Natürlich ist das kein Vergleich den zu den 8 Prozent Wachstum noch vor zwei Jahren, doch das verbucht der ZVEI unter „Aufholeffekt“ nach der Krise und nicht unter normales Wachstum.
Auch die mittel- bis langfristigen Zeichen stehen insgesamt auf grün: Industrie 4.0 ist zwar noch mehr Projekt als Realität, doch der Anspruch der Produzierenden Industrie nach zunehmender Vernetzung bedingt den weiteren Ausbau der Infrastrukturen.