»Dresden ist europaweit größter Standort für organische Elektronik«

Dr. Jan Blochwitz-Nimoth, Mitbegründer und CTO von Novaled, spricht mit elektroniknet.de über den OLED-Standort Dresden, neue Produkte und Probleme, die noch gelöst werden müssen.

Herr Dr. Blochwitz-Nimoth, wie entwickelt sich der OLED-Markt derzeit?

Zurzeit sehr dynamisch, weil im Augenblick mehr und mehr Aktiv-Matrix-Displays produziert werden, vor allem in Korea und Taiwan. Gleichzeitig gibt es noch mehr Marketpush durch Ankündigungen und erste Produkte wie die von Sony der erste Fernseher in 11 Zoll, mit nur 3 mm Bildschirm-›Dünne‹ und beeindruckender Bildqualität und Energieersparnis. Auf jeden Fall war das ein wichtiger Schritt zur Stärkung des Vertrauens der Kunden in den Markt und schreckt die anderen Display-Vermarkter natürlich auf.

Auch sehr dynamisch entwickelt sich auf der anderen Seite der OLED-Lighting- Markt, die Beleuchtungsanwendung. Hier ist Europa mit Philips und Osram dominant. Man sieht also auf beiden Seiten des OLED-Marktes: Es bewegt sich viel.

Novaled ist in Sachen OLED-Leistungseffizienz amtierender Weltmeister. Wie lautet Ihr Erfolgsrezept?

Unsere Basistechnologie, mit der wir arbeiten, ist die sogenannte PIN-Technologie, und die ist primär dazu da, die Betriebsspannung von OLEDs zu senken. Eine geringe Betriebsspannung wiederum ist eine von drei Hauptparametern der Leistungseffizienz. Und da ist Novaled Weltmarktführer.

Ein weiterer Parameter ist, wie effizient intern Licht erzeugt wird. Wir haben ein Netzwerk an Kooperationen mit den wichtigsten Firmen weltweit und damit Zugang zu sehr guten Emitter-Materialien, die wir zwar nicht selbst entwickeln, aber wir haben Know-how zum Einbau dieser Materialien in besonders gute, optimierte OLEDs.

Der dritte Punkt ist die optische Auskopplung, sprich, wie viel Licht bekommt man von dem, was innen erzeugt worden ist, aus der OLED heraus. Hier haben wir ein gutes Know-how entwickelt, um unsere Leistungseffizienz weiter zu optimieren.

Wir halten bei den verschiedenen OLEDs wie weiße, rote, blaue etc. nicht mehr alle Weltrekorde. Im weißen Bereich zum Beispiel kommt der aktuelle Leistungseffizienzrekordler aus Japan. Aber da haben wir aus bestimmten Gründen, die mit dem Emitter-Material zusammenhängen, auch auf eine andere Karte gesetzt: Wir haben versucht, eine hohe Leistungseffizienz mit einer möglichst langen Lebensdauer zu kombinieren.

Und in dieser Kombination haben wir weltweit die besten Werte, nämlich 38 Lumen pro Watt in weiß mit 100.000 Stunden Lebensdauer bei einer recht hohen Helligkeit von 1000 cd/m2 (ein Flachbildschirm leuchtet mit etwa 200 cd/m2).

Auf welche technischen Innovationen sind Sie besonders stolz?

Besonders stolz bin ich vor allem auf den Erfolg der PIN-Technologie. Früher kannte diese Technologie jeder schon aus dem anorganischen Halbleiterbereich, aber im organischen Halbleiterbereich war die allgemeine Meinung: »Das macht alles nur schlechter und es wird nie stabil.« Und diese Vorurteile haben wir widerlegt. Mittlerweile ist die PIN-Technologie europa- und weltweit eine der Standardtechnologien.

Welche Vorteile bietet der Standort Dresden?

Dresden ist heute der europaweit größte Standort für organische Elektronik. Dazu zählen OLED, organische Solarzellen für die Lichtgewinnung und natürlich auch Anwendungen wie organische TFTs und RFID. Novaled hat durch seine gute Entwicklung hierzu einen großen Beitrag geleistet. Dieses Cluster zieht weitere Interessierte aus der organischen Elektronik an und bringt Dresden einen Wettbewerbsvorteil in diesem Bereich.

Hier in Sachsen und speziell in Dresden besteht ein günstiges Umfeld aus qualifizierten Arbeitskräften durch die Universität, durch die lange Historie im Halbleiterbereich. Dresden ist als Standort für Elektronik aus der anorganischen Halbleitertechnologie wie Infineon, Qimonda und ZMD gut bekannt und bildet ein fruchtbares Umfeld für gute Köpfe.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Förderung. Das Sächsische Wirtschaftsministerium hat sich frühzeitig dazu entschieden, das Thema OLED zu fördern. Und diese konstante Unterstützung betrifft heute nicht mehr nur Novaled sondern auch das gesamte organische Elektronikumfeld.

Novaled hat hochqualifizierte Fachleute, die gerade als promovierte Akademiker zu ca. 70 bis 80 Prozent aus ganz Deutschland und teils aus dem europäischen und internationalem Ausland (Japan, Frankereich, Irland, China, Indien, usw.) zu uns stoßen.

Dennoch hat Dresden gegenüber westdeutschen Ballungszentren auch Nachteile. Mitarbeiter sind wieder gegangen, weil ihre Partner keinen Job hier gefunden haben in ihrem Beruf. Das kommt in Dresden eher vor als beispielsweise im Frankfurter Raum.