Funkdiagnose im Werkstattumfeld Drahtlose Dienste

Bereits zu Beginn eines Service-Kontaktes bei der Fahrzeugannahme entscheidet sich die Effizienz eines Werkstattaufenthaltes. Über eine drahtlose Anbindung wird die Übergabe von Kunden- und Fahrzeugdaten vereinfacht.

Funkdiagnose im Werkstattumfeld

Bereits zu Beginn eines Service-Kontaktes bei der Fahrzeugannahme entscheidet sich die Effizienz eines Werkstattaufenthaltes. Über eine drahtlose Anbindung wird die Übergabe von Kunden- und Fahrzeugdaten vereinfacht.

Bei einem Werkstattaufenthalt ist es, abhängig von der technischen Versiertheit des Kunden, dem kommunizierten Problembild oder einem Kundenwunsch mit steigender Fahrzeugkomplexität nur schwer möglich, notwendige Service-Umfänge und Werkstatt-Ressourcen im Vorfeld optimal zu planen. Um detailliert und zielgerichtet auf die Bedürfnisse des Kunden einzugehen sowie die individuellen Wartungsanforderungen des Fahrzeuges berücksichtigen zu können, sind zusätzliche Information über das Fahrzeug nötig. Mit der Einführung von fahrzeugzustandsabhängigen Informationen im Fahrzeugschlüssel wurde 1999 bei den Modellreichen 3er, 5er und 7er die Grundlage für einen kundenindividuellen Service-Prozess gelegt. Mit dem neuen 7er erfolgt nun die konsequente Weiterentwicklung dieses Ansatzes.

Bereits zur Fahrzeugannahme erfolgt nach Übergabe des Fahrzeugschlüssels eine drahtlose Diagnosekommunikation, welche detailliert den aktuellen Zustand des Fahrzeuges erfassen kann. Dies bildet die Basis für individuelle Service-Leistungen bereits zur Fahrzeugannahme und ermöglicht während des gesamten Werkstattaufenthalts eine verlässliche Dokumentation. Neben der frühzeitigen Bereitstellung ergänzender Information und flexibler Logistikprozesse zur Teileversorgung ermöglicht die Dokumentation des Fahrzeugzustandes beim Verlassen der Werkstatt eine neue Tiefe der Qualitätssicherung und weit reichende Prozessverbesserungen in der gesamten Service-Prozesskette. Darüber hinaus ist durch Analyse der Verbindungsqualität der etablierten Funkstrecke zwischen Infrastruktur und Fahrzeug eine lokale Ortung im Werkstattumfeld grundsätzlich möglich. Somit wird auch bei großen Service-Betrieben eine ausreichend genaue Positionsbestimmung ohne gesonderte Funkmarkierung am Fahrzeug möglich. Dabei erfolgt die werkstattseitige Integration dieser neuen Service-Prozesse mit einem sukzessiven Roll-out innerhalb von ISPA, der IT-Anwendung zur Unterstützung von Service-Prozessen und -Beratung bei BMW-Service-Betrieben.

Fahrzeugschlüssel zur Authentifizierung

Als Kommunikationskanal der drahtlosen Funkdiagnose wird die bidirektionale Funkschnittstelle verwendet, welche bereits zum Austausch der Schlüsseldaten zwischen Fahrzeug und Schlüssel verwendet wird. Je nach verwendeter Ländervariante erfolgt die Funkkommunikation in den Frequenzbändern 868 MHz (Europa), 433 MHz (Asien) oder 315 MHz (Nordamerika). Das verwendete Kommunikationsprotokoll für die Funktion Öffnen/ Schließen per Funk und die Funktion Komfortzugang wurden um notwendige Datenpaket-Typen erweitert, welche die erforderlichen Teilkommunikationsdienste in der Funkübertragung abbilden können. Hier sind insbesondere Datenpakete erforderlich, die beim Verbindungsaufbau und während der Verbindung die Qualität der Funkverbindung und die Erreichbarkeit der Kommunikationsteilnehmer bewerten können. Über dedizierte Authentifizierungs-Datenpakete muss zunächst eine kryptographische Hürde überwundenen werden, welche die gegenseitige Authentisierung zwischen Werkstattinfrastruktur und Fahrzeug sicherstellt. Dabei ist der Fahrzeugschlüssel zentraler Bestandteil dieser kryptographischen Kommunikationskette.

Ohne die Aushändigung des Fahrzeugschlüssels durch den Kunden ist ein Kommunikationsaufbau zum Fahrzeug nicht möglich. Somit liegt die Freigabe des Funkzugangs vollständig in der Verantwortung des Kunden. Basierend auf diesem etablierten Kommunikationskanal können über herkömmliche Diagnosebefehle Informationen sicher zwischen Werkstattinfrastruktur und Fahrzeug ausgetauscht werden. Dabei definieren fest im Fahrzeug hinterlegte Verfallskriterien, nach welcher Dauer ein einmalig ausgehandelter Authentisierungsschlüssel beim Kommunikationsaufbau verfällt. Nach Verlassen der Werkstatt wird dieser Authentisierungsschlüssel eigenständig vom Fahrzeug verworfen und für spätere Kommunikationsverbindungen für ungültig erklärt. Eine erneute Kommunikation mit dem Fahrzeug ist erst wieder über den Kundenschlüssel und damit nach Zustimmung durch den Kunden möglich.

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Während ein Kunde im Rahmen der Service-Annahme Kontaktdaten und Informationen zum Fahrzeug mit dem Service-Berater austauscht, wird bereits heute der Fahrzeugschlüssel ausgelesen. Vom Schlüssel werden ab dem neuen 7er zusätzlich die notwendigen Informationen dem Werkstattsystem bereitgestellt, mit denen eine kryptographisch abgesicherte Verbindung aufgebaut werden kann. Über die zentrale Werkstatt-Infrastruktur wird dann im lokalen Netzwerk – sofern mehre Funkzugangsmodule in einer Werkstatt installiert sind – die optimale Funkverbindung zum Fahrzeug selektiert. Mit Hilfe der Informationen des Fahrzeugschlüssels wird nun die Verbindung zum Fahrzeug hergestellt und autark eine Funkdiagnose durchgeführt. Im Fahrzeug wird die aktive Funkdiagnose durch eine Mitteilung im Kombiinstrument angezeigt (Bild).

Kommt es zu einer Benutzerinteraktion (z.B. Öffnen/Schließen, Motorstart), wird der laufende Vorgang abgebrochen und auf einen späteren Zeitpunkt datiert. Nach Überprüfung ausreichender vorhandener Energie-Ressourcen im Fahrzeug können per Diagnosekommunikation benötigte Informationen abgefragt werden. Die ermittelten Zustandsdaten des Fahrzeuges werden im Anschluss dem Service-Berater parallel zum Kundengespräch angezeigt und bieten hierdurch die Möglichkeit, die Kundenkommunikation auf Fahrzeug und Kundenwunsch abzustimmen. Für einen folgenden Werkstattdurchlauf werden die ermittelten Diagnosedaten im Werkstattsystem hinterlegt und dem Service-Mitarbeiter zum Abruf bereits durchgeführter Diagnosevorgänge bereitgestellt. Somit wird ohne physikalischen Zugriff auf das Fahrzeug bereits eine erste Symptom-Analyse ermöglicht.