Katalog-Distribution: Noch ist der Printkatalog unverzichtbar

Die Katalog-Distribution ohne gedruckten Katalog wird laut Bodo Badnowitz, General Manager Central Europe von Farnell, zufolge »sicherlich funktionieren, es bleibt nur die Frage: ab wann?«

Momentan nutzen 80 Prozent der Farnell-Kunden sowohl den Katalog als auch den Online-Shop. Immerhin: schon 20 Prozent der Kunden agieren nur online. Angesichts dieses Kundenverhaltens wird folglich auch 2009 der einmal jährlich gedruckte Hauptkatalog in unveränderter Auflage erscheinen.

Der Hauptkatalog von Farnell hat keine Schwerpunktthemen, sondern ist eine Auswahl des kompletten Sortiments. Zusätzlich erscheint mehrmals im Jahr die Kundenzeitschrift select, die sich jedes Mal mit einem anderen Thema befasst. Überdies wird noch ein Sonderkatalog für den Bereich »Automatisierung, Instandhaltung und Werkstattbedarf« publiziert. Was die konkrete Strategie von Farnell anbelangt, so wird das Sortiment massiv aufgestockt: »Wir nehmen wöchentlich über 700 neue Produkte in unser Sortiment auf – in Summe ist das dann schon eine ordentliche Menge an Produkten«, betont Badnowitz und fügt an: »Ohne Online-Shop wäre unser Angebot von über 480.000 Produkten nicht mehr abbildbar, denn im Katalog können wir nur ca. 120.000 Produkte darstellen.« Demzufolge hät er die Bezeichnung »Katalog-Distributor« für nicht zutreffend, besser passe »High-Service-Distributor«.

Ins selbe Horn stößt Silke Rischko, Leiterin Marketing und Produktmarketing von RS Components: »Als einen Vorreiter im E-Commerce bildet der Begriff des ›Katalog-Distributors‹ uns schon lange nur ungenügend ab.« RS setze seinen Weg hin zu einem web-zentrierten Unternehmen fort, indem eine »konsequente« Online-Strategie verfolgt und zunehmend die gesamte Struktur auf den Vertriebskanal E-Commerce ausgerichtet werde: »Unser Webshop www.rsonline.de wird zum Haupt-Vertriebskanal, denn das Internet ist ein sehr wichtiger Wachstumsfaktor.«

Dabei ginge es gar nicht so sehr um Kostenersparnis, sondern darum, die »sehr internetaffinen« Elektronikentwickler zu adressieren. Weil diese sehr genau wüssten, was sie benötigen, »sind sie in erster Linie an einer optimalen Produktsuche interessiert«. Die typische Vorgehensweise von Entwicklern sehe so aus: Zu Beginn einer neuen Entwicklung werden Suchmaschinen wie Google verwendet, um nach Komponenten oder dem optimalen Distributor zu suchen. Infos über technische Daten holen sich die Entwickler auf den Websites der Hersteller. Daher »gilt es für die Distributoren, bei Google, den Websites von Herstellern, Online-Magazinen, Foren oder Communities noch präsenter zu sein«. Zudem würden völlig neue Services für internetfähige Mobiltelefone an Bedeutung gewinnen.

Somit gebe es zum Ausbau der Web-Präsenz der Distribution keine Alternative. Hinzu komme, dass sich aktuelle Entwicklungen im Produktbereich wesentlich besser online darstellen ließen. Weil gerade im Elektronikbereich die Entwicklungen so rasant vonstatten gehen, könnten sie durch Printmedien jetzt nicht mehr in vollem Umfang abgebildet werden. »Dies gilt nicht zuletzt auch bei Preissprüngen«, sagt Rischko. Schließlich lässt sich durch einen gedruckten Katalog nur ein begrenztes Sortiment abbilden.