Japanische Macnica nimmt europäischen Distributionsmarkt ins Visier

In Japan gehört die 1972 gegründete Macnica Corporation mit einem Jahresumsatz von etwa 1 Mrd. Dollar zu den ganz Großen. Weltweit beschäftigt Macnica 1400 Mitarbeiter und setzt rund 1,3 Mrd. Dollar um. Jetzt will das Unternehmen von Deutschland aus den europäischen Markt erobern.

Der japanische Elektronik-Distributor Macnica hat am 16. Juni 2009 offiziell sein neues Hauptquartier für Zentraleuropa in Ingolstadt eingeweiht. Seit 2007 ist der japanische Elektronik-Distributor Macnica in Europa vertreten, zunächst mit einer Niederlassung in Großbritannien, Ende vergangenen Jahres verlegte Macnica diese auf das europäische Festland nach Dornach bei München. Ebenfalls im vergangenen Jahr wurde die ActiveComp GmbH, ein Repräsentant für Halbleiterhersteller mit Niederlassungen in Ingolstadt und Düsseldorf, übernommen.

Shiro Watanabe, President der Macnica GmbH, sieht die Stärke seines Unternehmens in seiner technischen Orientierung: "Rund 30 Prozent unserer Mitarbeiter sind Ingenieure, das bedeutet, 400 unserer insgesamt 1400 Mitarbeiter sind FAEs." Damit sei das Unternehmen in der Lage, seine Kunden weltweit mit Service-Leistungen zu unterstützen, vom Design-In bis hin zur Massenproduktion, unabhängig davon, wo der Kunde sein Entwicklungszentrum bzw. seine Fertigung hat. Ein Drittel dieser FAEs hat ihren Sitz in Japan. Mit dieser technischen Expertise sieht sich Macnica laut Watanabe nicht nur als "Demand Creator", sondern als "Total Solution Distributor".

Macnica verfügt über einen hausinternen Entwicklungsdienstleister, die Macspire. Dort entwickeln rund 35 Ingenieure Hardware und Software für Systemlösungen, z.B. ein Referenz-Design für den Blackfin von Analog Devices mit Embedded Linux.

In Japan agiert Macnica mit vier unterschiedlichen Firmen: Brilliant Technologies, Clavis, TecStar und Altima. Der Grund hierfür ist in erster Linie, so Watanabe, die Anzahl der vertretenen Linien - "mehr als 10 bis maximal 20 Linien sollte ein Unternehmen nicht auf seiner Linecard haben", sonst sei sinnvolle Design-In-Unterstützung nicht mehr möglich, außerdem werde dadurch vermieden, dass ein Unternehmen Produkte von verschiedenen Wettbewerbern im Angebot habe. Nach Anwendungen dominiert derzeit der Bereich Telekommunikation - Geräte und Infrastruktur zusammengefasst machen rund ein Drittel des Umsatzes aus. Die übrigen Segmente sind ziemlich gleichmäßig verteilt, bis auf den Bereich Automotive, der praktisch nicht vertreten ist. Zu den Kunden zählen nahezu alle japanischen Unternehmen, von Fujitsu, Hitachi über Panasonic, Sony bis hin zu NEC GP.

Derzeit spielen die USA und Europa umsatzmäßig noch eine geringe Rolle, doch das soll sich nun ändern. Watanabe will den Umsatz in Europa innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 100 Mio. Dollar steigern, wovon rund 40 Prozent auf Deutschland entfallen soll. Dies sei allerdings nur durch Zukäufe erreichbar, räumt Watanabe ein und verweist auf den Erfolg in China: Dort hat Macnica 2008 das Hongkonger Unternehmen Cytech Technology Ltd. übernommen, das mit 14 Niederlassungen Asien bedient und einen Umsatz in Höhe von 110 Mio. Dollar erwirtschaftet.

Christine Rosette/Gerhard Stelzer, Elektronik