E-Paper werden salonfähig für den Industrieeinsatz

Das elektronische Papier stellt auch für die Distribution ein interessantes Feld dar. Mit dem Hersteller Prime View hat Glyn seit kurzem einen der führenden E-Paper-Hersteller im Programm.

Als marktreif erweisen sich zunehmend E-Paper-Anzeigen, die auf Grundlage der Elektrophorese arbeiten, wie sie von E-Ink weiterentwickelt und über verschiedene Display-Hersteller vermarktet wird. Das liegt vor allem daran, dass diese Technologie im Gegensatz zu cholesterischen LCDs den Einsatz auf flexiblen Trägermaterialien ermöglicht, was ihre Anwendung für unterschiedlichste Applikationen denkbar macht.

»Obwohl E-Ink über den Sony-E-Book-Reader zuerst auf dem Consumer-Markt Fuß fasste, werden elektrophoretische Anzeigen in naher Zukunft auch bei Industrieapplikationen nicht mehr weg zu denken sein«, meint Susanne Mindach, Produktmanagerin bei Glyn. »Die Nachfrage ist enorm – in Zeiten, in denen die Energieeffizienz der einzelnen Bauelemente eine tragende Rolle spielt.« Als bistabile Anzeige ist das E-Paper besonders geeignet für Anwendungen, bei denen die Anzeige verhältnismäßig selten wechselt, beispielsweise zur Visualisierung von Messdaten sowie für Füll- und Zustandsanzeigen.

Schnelle Bildwechsel kann das E-Paper (noch) nicht darstellen, dafür ist es aber äußerst Strom sparend, weil nur beim Bildwechsel eine Leistungsaufnahme erforderlich ist. Auch wenn es darauf ankommt, dass die Anzeige sichtbar bleibt, wenn keine Energie zugeführt wird, kommt der Einsatz eines elektrophoretischen E-Papers in Frage. Hier steht nicht der Nutzen »Energieersparnis«, sondern die Ablesbarkeit im Vordergrund.

Ein E-Paper-Pionier auf dem Distributionsmarkt

Distributor Glyn vertreibt seit  kurzem das Produktspektrum des taiwanesischen Unternehmens Prime View International (PVI) und zählt damit zu den E-Paper-Pionieren auf dem Distributionsmarkt. Prime View gilt als einer der führenden E-Paper-Hersteller und hat kürzlich seine Marktposition durch die Übernahme des Tintenherstellers E-Ink weiter ausgebaut. »Der Merger hat uns in der Meinung bestärkt, dass wir mit Prime View im E-Paper-Bereich den richtigen Partner gefunden haben«, sagt Mindach. Die Anzeigen von Prime View zeichnen sich vor allem durch ihren hohen Kontrast und durch gute Ablesbarkeit bei ungünstigen Lichtverhältnissen aus.

Nach Meinung von Mindach eröffnet die E-Paper-Technologie ein interessantes Gebiet für die Distribution: »Wir sind  davon überzeugt, dass viele Applikationen, die derzeit noch mit herkömmlichen TN-Anzeigen bestückt werden, in absehbarer Zeit auf energiesparende elektrophoretische Anzeigen umrüsten.« Zunächst gestalte sich das Design-In allerdings noch etwas schwierig, da sich das serienreife Produktspektrum von PVI auf die Diagonalen 5 Zoll, 6 Zoll, 8 Zoll und 9,7 Zoll beschränkt. Dies sei darauf zurück zu führen, dass PVI sich anfangs stark auf E-Book-Reader taugliche Displays für den Consumer-Markt fokussiert hat und erst seit kurzem auch Industrieanwendungen adressiert.

Für viele Industrieapplikationen, z.B. Zählerstandableseeinheiten, Geräte- und Automatenbeschilderungen, kommen allerdings eher kleinere Displays in Frage. »Entsprechend groß ist die Nachfrage für kundenspezifische Entwicklungen«, weiß Mindach. »PVI verweist hier auf relativ lange Entwicklungszeiten von etwa einem Jahr bis zur Serienreife und Entwicklungskosten, die sich in etwa auf demselben Level bewegen, wie sie für TFT-Anzeigen marktüblich sind.« Glyn favorisiert daher im Moment den Vertrieb der Standardgrößen, »wobei in Kürze ein weiteres Modul erhältlich sein wird, das mit 2,04 Zoll auch für Industriekunden ein interessantes Format bietet.«

Beratung ist ein Muss

Nicht zuletzt, weil es noch wenig Felderfahrung mit E-Papers gibt, ist die Technologie sehr beratungsintensiv. »Es ist wichtig, im Vorfeld abzuklären, welchen Nutzen der Kunde beim Einsatz eines E-Papers fokussieren möchte. Wechselt die Anzeige zu häufig oder sehr schnell, kann es durchaus sein, dass ein elektrophoretisches E-Paper einen höheren Energieaufwand mit sich brächte, als eine vergleichbar große TN-Anzeige«, gibt Mindach zu bedenken. »Für Anwendungen, bei denen es darauf ankommt, dass die Anzeige erhalten bleibt, auch wenn keine Energie mehr zur Verfügung steht, spielt der Energieaufwand zum Wechsel des Anzeigeinhalts dagegen mitunter eine geringe Rolle.« Die größten Herausforderungen beim Einsatz eines E-Papers liegen derzeit noch bei der Ansteuerung.

Im Prinzip ähnelt eine elektrophoretische Anzeige der eines TFTs. Das Bild wird jedoch über unterschiedliche Spannungssequenzen aufgebaut. Grundsätzlich ist beim E-Paper – wie bei allen anderen neuen Technologien auch – davon auszugehen, dass es in den ersten Jahren immer wieder Verbesserungen und damit entsprechende Produkt-Updates geben wird. Besonders bei zukunftsorientierten Neuentwicklungen, die erst in ein bis zwei Jahren Serienreife erlangen sollen, lohnt es sich aber in jedem Fall, mit der Unterstützung des Distributors über den Einsatz eines E-Papers nachzudenken.