Distributionsmarkt: Stabilisierung in Sicht?

Um rund 26 Prozent fielen die Umsätze im deutschen Distributionsmarkt laut FBDi im ersten Quartal 2009, doch immer häufiger ist von »Talsohle« und Stabilisierung die Rede.

»In den letzten Wochen mehren sich Anzeichen, die darauf hindeuten könnten, dass das Schlimmste hinter uns liegt«, meint Slobodan Puljarevic, President EBV Elektronik. »Von einer Trendwende zu sprechen, halte ich jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch für verfrüht.« Und obwohl der Abwärtssog der letzten Monate auch die Distribution fest im Griff hat, liegt nicht alles brach: Im Bereich »erneuerbare Energien« sieht Puljarevic nach wie vor viele Aktivitäten, gerade von kleinen und mittelständischen Unternehmen, den typischen Distributionskunden.

Auch RFID entwickele sich sehr gut, ebenso Beleuchtung und Gebäudeautomation, alles Märkte, die man ganz gezielt unterstütze. Derzeit steuert die EBV der Absatzkrise durch Kosteneinsparungen und effizientere Prozesse und Systeme entgegen. »Aber wir hoffen, dass sich die allgemeine Geschäftslage ab dem Herbst wieder erholt und uns dadurch unpopuläre Maßnahmen erspart bleiben.«

Auch bei MSC-Gleichmann waren die Umsätze im ersten Halbjahr 2009 rückläufig. »Wobei die Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr allerdings stark vom jeweiligen Unternehmensbereich abhing«, so Martin Meier, Sales Director Central, MSC. »Während manche Bereiche, zum Beispiel passive Displays, ihre Vorjahresumsätze halten oder sogar leicht steigern konnten, sind die Umsätze mit Speicherkomponenten extrem stark eingeknickt«, so Meier weiter. Im Juni konnte Gleichmann Electronics immerhin wieder einen leicht positiven Book-to-Bill-Wert verbuchen.

Die Talsohle scheint erreicht zu sein

»Das zweite Quartal zeigt sich mit zwei Gesichtern«, so Thomas Brachtel, Geschäftsführer der Future Electronics Deutschland. »Bei den Umsätzen sehen wir einen Rückgang gegenüber dem ersten Quartal. Sehr positiv – wenn auch noch lange nicht auf dem alten Niveau – entwickeln sich dagegen die Auftragseingänge.« Im Mai lag die Book-to-Bill-Rate der Future bei 1,14 und im Juni bisher bei 1,37.

»Die Talsohle dürfte erreicht sein, einhergehend mit einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau«, beurteilt Jean Quecke, Vice President Sales Europe, TTI, die momentane Situation. Der Distributor für passive Bauelemente und Steckverbinder beobachtet eine nach wie vor stabile Nachfrage im Bereich alternativer Energien und Medizin.

In Ispringen setzt man seine Hoffnungen auf die zweite Jahreshälfte: »Unsere Umsätze haben sich inzwischen stabilisiert. Die Prognosen für das zweite Halbjahr sehen schon wieder besser aus, und wir glauben, dass die Talsohle zum Herbst durchschritten sein wird«, sagt Markus Krieg, Geschäftsführer Marketing bei Rutronik. Zwar werde sich die Sommerpause nochmals durch einen leichten Rückgang bemerkt machen, da die Produktion in dieser Zeit erfahrungsgemäß niedriger ausfalle. »Ab Herbst rechnen wir jedoch wieder mit einer Umsatzerhöhung.«

Als inhabergeführtes Unternehmen könne man schnell auf Veränderungen im Markt reagieren. Die Zentralisierung der Läger habe zu einer deutlichen Kostenersparnis geführt. »Doch Einsparungen allein dürfen nicht im Mittelpunkt stehen, vielmehr müssen wir uns noch stärker als bisher auf unsere Kunden fokussieren«, meint Markus Krieg. Große Hoffnungen setzt Rutronik in seine Tochter Rusol, Distributor für Photovoltaiklösungen, die ein innovatives Vertriebsmodell für die Solarbranche biete. »Aktuell ist es zwar schwierig, eine haltbare Prognose zur Marktentwicklung zu treffen, aber wir gehen hier weiterhin von einem, wenn auch verminderten, zweistelligen Wachstum aus.«