Beck Elektronik: »Den OLED-Ausstieg von Osram nicht überbewerten«

Vor kurzem überraschte Osram mit der Ankündigung, aus der OLED-Display-Produktion auszusteigen. Laut Hartmut Helbig, Produktmanager Optoelektronik von Beck Elektronik, sollte man diesen Schritt aber nicht überbewerten.

Die OLED-Skeptiker fühlen sich bestätigt: Osram steigt aus der OLED-Display-Fertigung aus. Beck Elektronik Bauelemente hat OLED-Displays im Programm und hält an der Technologie fest. Markt&Technik sprach mit Hartmut Helbig, Produktmanager Optoelektronik des Unternehmens.

Markt&Technik: Herr Helbig, Osram ist raus aus der OLED-Display-Produktion. Kennen Sie die Hintergründe, die Osram zu diesem Entschluss bewegt haben?
Hartmut Helbig:
Es steht mir nicht zu, den Ausstieg von Osram zu beurteilen. Möglicherweise blieb der kommerzielle Erfolg unter den Erwartungen des Managements. Ganz klar muss man an dieser Stelle aber sagen: Auch Osram hält an der Technologie fest. Zwar ist das Unternehmen aus der OLED-Display-Produktion ausgestiegen – an OLED-Beleuchtungsmitteln arbeitet Osram aber weiter.

OLED-Displays bleiben also weiter im Rennen?
Ja. Auch die Zahlen der Marktforschungsinstitute belegen das. Laut DisplaySearch konnten die Hersteller im Vergleich zum ersten Quartal 2006 zum ersten Quartal 2007 ihren Umsatz um 50 Prozent steigern; die Stückzahlen legten um 70 Prozent zu. Natürlich ist der Anteil der OLED-Displays am gesamten Display-Markt noch sehr gering. Im Moment beschränkt sich das Ganze im Wesentlichen auf kleine Displays, Beispiele sind Mobil-Telefone, MP3-Player und Autoradios.

In Europa sind die Einsatzgebiete vielfältiger; hier kommen die OLEDs in Messgeräten, Sensoren, Fernbedienungen, Diktiergeräten, in der Studiotechnik oder in der Medizintechnik zum Einsatz. Weil hinsichtlich der Lebensdauer dramatische Fortschritte erzielt wurden und werden – zur Zeit sind OLEDs mit 65.000 Betriebsstunden verfügbar – wird die Nachfrage in Zukunft deutlich steigen.

Kann Beck Elektronik Bauelemente-Anwendern einen kompatiblen Ersatz für die Pictiva-Displays von Osram anbieten?
RiTdisplay verfolgt ein etwas anderes Konzept, was das Design betrifft: Wir legen Wert auf möglichst schlanke Bauformen, also viel Displayfläche bei geringst möglichen Außenabmessungen – so wie das bei TAB- oder COG-Lösungen bei passiven LCDs üblich ist. Zum RiTdisplay-Angebot gehören monochrome Anzeigen in Gelb, Weiß und Blau und RGB-Displays in verschiedenen Größen und Auflösungen.

Aufgrund zahlreicher Anfragen wird RiTdisplay dennoch einige zu den Pictiva-Displays weitgehend kompatible Module entwickeln. Dazu gehört ein 1,1 Zoll großes Display mit 96 x 64 Pixel, ein 1,6 Zoll großes Display mit 128 x 64 Pixel und ein 2,7 Zoll großes Display mit ebenfalls 128 x 64 Pixel. Spezifikationen und erste Muster der monochromen Anzeigen werden im Dezember 2007 bzw. Januar 2008 vorliegen. Die Serienproduktion soll noch im 1. Quartal 2008 anlaufen.

Kann RiTdisplay die anfallenden Kapazitäten erfüllen?
RiTdisplay hat wohl die größte Fertigungskapazität an OLED-Displays weltweit; sie liegt bei etwa 6 Millionen Stück pro Monat, bezogen auf eine 1-Zoll-Diagonale. Es bestehen also noch erhebliche Reserven, die wir Europäer nicht so schnell ausschöpfen werden.

Wie sieht die Lieferfähigkeit und langfristige Verfügbarkeit der OLED-Displays aus?
Mit einem Wort: gut! Die Lieferzeiten betragen sechs bis acht Wochen. Beim Thema Verfügbarkeit muss ich einräumen, dass das Produktspektrum gelegentlich den aktuellen Marktforderungen angepasst wird – dabei werden jedoch laufende Projekte berücksichtigt und eine ordnungsgemäße End-of-Life-Politik umgesetzt.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Markt&Technik Ausgabe 50 vom 14.12.2007