Digitalfernsehen für die Jackentasche

Das Jahr 2006 markiert den Beginn von Fernsehüber-tragungen auf portable Geräte. In mehreren Ländern werden bereits Programme ausgestrahlt, und die Fußball-Weltmeisterschaft sorgt derzeit auch dafür, diesem Mobilfunk-Dienst weitere Popularität zu verschaffen.

Das Jahr 2006 markiert den Beginn von Fernsehüber-tragungen auf portable Geräte. In mehreren Ländern werden bereits Programme ausgestrahlt, und die Fußball-Weltmeisterschaft sorgt derzeit auch dafür, diesem Mobilfunk-Dienst weitere Popularität zu verschaffen.

Erste Handys, die Fernsehsendungen im DVB-H- bzw. T-DMB-Format empfangen können, sind bereits auf dem Markt, und für solche Geräte geht man von einem soliden Wachstum aus. Konsumelektronik-Hersteller haben eine weitere Option ausgemacht, die sich als attraktive Plattform für den Fernsehempfang unterwegs präsentiert: den „Portablen Medienplayer“ oder kurz PMP. Bei den PMPs, die für Video- und Audio-Wiedergabe optimiert wurden, geht der Trend hin zu größeren Farb-LC-Bildschirmen mit einer Diagonale von 10 bis 15 cm. Damit kann man Videos ermüdungsfreier und komfortabler als auf einem Handy ansehen, das aufgrund seiner Größe auf einen Bildschirm mit einer Diagonale von höchstens 7,5 cm beschränkt ist. Darüber hinaus bieten PMPs meist einen großzügigen nichtflüchtigen Speicher, entweder in Form von Flash-Speicher oder einer Festplatte, der auch für die Speicherung von unterwegs empfangenen Fernsehsendungen herangezogen werden könnte. Dies eröffnet die Möglichkeit, den PMP auch als PVR (Personal Video Recorder) zu nutzen.

Marktaussichten

Nach im zweiten Quartal 2005 von ABIresearch durchgeführten Erhebungen werden 2010 bereits 160 Mio. Handys mit TV-Funktion ausgeliefert werden, das entspricht einer Wachstumsrate von 143 % jährlich für den Zeitraum zwischen 2005 und 2010 (siehe Bild 1).

Aber wie bereits erwähnt, darf man davon ausgehen, dass Mobil-TV sich nicht auf Handys beschränken wird, und in der Tat lässt sich die Funktion in praktisch alle mit einem Display ausgestatteten Geräte integrieren. Michael Schueppert, CEO von Modeo, dem Unternehmen, das in den USA die Verbreitung von DVB-H maßgeblich vorantreibt, hat festgestellt, dass 50 % der Mobil-TV-Kunden ein „sehr viel breiteres Gerätespektrum als nur Handys“ bevorzugen würden.

Zieht man aus dieser Prognose eine optimistische Bilanz, so heißt das, dass im Jahr 2010 weitere 160 Mio. Geräte mit Mobil-TV ausgeliefert werden, die mit Handys nichts zu tun haben. Selbst wenn man von pessimistischeren Werten ausgeht – dass nur die Hälfte dieser 160 Mio. „Nicht-Handys“ realistisch sei –, dann stellen diese immer noch eine gigantische Geschäftschance dar. Doch um welche Art von Nicht-Handy-Geräten handelt es sich dabei? Schwerpunktmäßig natürlich PMPs, aber es kommen auch andere Geräte wie PDAs (Personal Digital Assistants), tragbare Navigationsgeräte, Spielkonsolen, Laptops usw. in Frage.

Erste Versuchsergebnisse

In einem im zweiten Quartal 2005 mit mehr als 300 Handynutzern durchgeführten Feldversuch berichteten die Kunden, dass sie durchschnittlich drei Stunden pro Woche Mobil-TV gesehen hätten, und das bei einer Bildschirmgröße von nicht mehr als 7,5 cm Diagonale. Und – man mag es kaum glauben – mehr als die Hälfte dieses Fernsehkonsums fand zu Hause statt. Es sieht so aus, als wäre ein solcher absolut privater Fernsehgenuss so attraktiv, dass ihn Kunden selbst dann bevorzugten, wenn ein herkömmliches Fernsehgerät verfügbar war.

Wenn also Nutzer drei Stunden pro Woche Mobil-TV auf einem kleinen Handybildschirm sehen, was werden sie dann erst mit einem viel komfortableren Gerät anstellen, das aber doch so klein ist, dass es in jede Tasche passt?