Serviceprozesse zur Aktualisierung von Fahrzeug-, Navigations- und Entertainment-Daten Dienst-Leistung

Eng verbunden mit einer neuen Komplexitätsebene in der Fahrzeugentwicklung muss auch die serviceseitige Prozess- und Tool-Landschaft den Anforderungen des neuen BMW 7er gerecht werden.

Serviceprozesse zur Aktualisierung von Fahrzeug-, Navigations- und Entertainment-Daten

Eng verbunden mit einer neuen Komplexitätsebene in der Fahrzeugentwicklung muss auch die serviceseitige Prozess- und Tool-Landschaft den Anforderungen des neuen BMW 7er gerecht werden.

Bereits in einer frühen Phase der Fahrzeugentwicklung wurden die technischen Schnittstellen zwischen Fahrzeug und Offboard-IT der Handelsorganisation eng verzahnt und zusammengeführt. Mit einer erneuerten Systemlandschaft inklusive Ethernet-basiertem Service-Zugang im Fahrzeug wachsen Fahrzeug und Offboard-IT zunehmend zusammen. Somit stellt ein Fahrzeug in Zukunft im Service eine direkte Einheit mit der Werkstatt-Infrastruktur dar, welche klassische Lösungsansätze von teurer und weniger leistungsfähiger Spezial-Hardware oder umständlichen medienbasierten Prozessen (z.B. Navigationskarten auf fünf DVDs verteilt) hinter sich lässt.

Waren bisher kostenintensive Spezialkomponenten als Schnittstelle zwischen Fahrzeug-/Diagnosekommunikation und Tool-Landschaft erforderlich, so wird mit der Integration von Fast-Ethernet- und TCP/IP-basierter Kommunikation eine tool-neutrale Software-Administration möglich – auch von großen Datenmengen –, ohne die Mobilität des Kunden über das notwenige Maß hinaus zu beeinträchtigen. Für die Werkstatt erschließt sich darüber hinaus ein Höchstmaß an Flexibilität, da ein per Ethernet angebundenes Fahrzeug auch über eine Wireless-LAN-Client-Bridge drahtlos im gesamten Werkstattbereich für die Diagnose erreichbar ist.

Software-Update per http

Betrachtet man die maximale Nutzdatenmenge eines CAN-Datenframes von 8 byte, so ist offensichtlich, dass sich Datenmengen jenseits der Gigabyte- Grenze über die Diagnose-CANSchnittstelle nur unzureichend übertragen lassen. Darüber hinaus müssen bei bisherigen Ansätzen diese Datenmengen durch ein externes Werkzeug auf Paketebene aktiv ins Fahrzeug übertragen und der Datenfluss zu den Steuergeräten überwacht werden. Ab dem neuen 7er wird einem im lokalen Werkstattnetzwerk erreichbaren Fahrzeug per Diagnosekommunikation lediglich eine Download-Quelle als URL übermittelt, von der neue Navigationskarten oder Entertainment- Datenbanken zum Download verfügbar sind. Diese werden dann per http von einem vorhandenen BMW-Werkstatt-Server ISIS autark ins Fahrzeug übertragen. Dabei erkennt die Headunit des Fahrzeuges, welche Daten bereits vorhanden sind und welche Deltaumfänge vom Webserver auf der lokalen Festplatte zu ersetzen sind. Somit können selbst große Datenmengen in kurzer Zeit im Rahmen von Wartungsarbeiten oder gesonderten Dienstleistungen (Service-Intervalle, Reifenwechsel) effizient und schnell durchgeführt werden.

Somit ist durch integrierte Prozessabläufe zusätzlich zu den klassischen Diagnose- und Flash-Aufgaben auch der Umgang mit Massendaten (z.B. Navigationskarten mit bis zu 40 Gbyte Datenvolumen) oder zunehmende Kundenindividualisierung ohne gesonderte Infrastruktur möglich. Auf Basis einer Fahrzeugdiagnose werden notwendige Folgeprozessschritte im Werkstattdurchlauf ermittelt, dem Service-Techniker mitgeteilt und in einem System- Werkzeug zur Verfügung gestellt. Somit ist, falls erforderlich, ein fließender Übergang in die Programmierapplikation vorhanden, in welcher auch der Austausch von Navigationskarten oder der Entertainment-Datenbank zur automatischen Titelerkennung eingelegter Audio-CDs möglich wird.

Durch eine leistungsfähige Client/Server-Infrastruktur wird dem Handelsbetrieb über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus ein Höchstmaß an Investitionssicherheit und Flexibilität geboten, welche die Administration von Fahrzeug-Software durch eine zentrale Server-Komponente im Werkstattbetrieb über eine Tool-Kette ermöglicht. Hier bietet die Integration von Ethernet und TCP/IP-Kommunikation die ideale Basis, auch über den Lebenszyklus der Werkstattinfrastruktur hinaus eine stabile Technologieplattform für den BMW-Service bereitzustellen. Mit den Standardisierungsaktivitäten um Ethernet als herstellerübergreifender Diagnosezugang erschließen sich somit auch für Prozesse jenseits der klassischen Fahrzeugdiagnose Potentiale einer übergreifenden Zusammenarbeit.

Dipl.-Ing. Marc Torlo studierte Elektrotechnik an der Universität Duisburg-Essen. Bei BMW betreut er derzeit die Entwicklung fahrzeugnaher E/E-Service-Technologien in der Entstehung neuer Fahrzeugprojekte.

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